BAD OEYNHAUSEN Paukenschlag beim Lärmschutz

Kurstadt könnte als Verkehrsknotenpunkt von Vorschlägen des Bundesverkehrs-Ministeriums profitieren

Bad Oeynhausen. Lärmgeplagte Bad Oeynhausener dürfen hellhörig werden, wenn sie von Plänen des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer erfahren. Der Christsoziale Politiker will bis 2020 den Verkehrslärm von Autos um 30 Prozent, den der Bahn um 50 Prozent senken. Diese Werte sind durchaus realistisch, wie ein ADAC-Sprecher auf NW-Anfrage bestätigt.

Demnach plant das Verkehrsministerium in Berlin eine umfassende Senkung von "Geräuschgrenzwerten für Fahrzeuge aller Verkehrsträger". Dies geht aus einem Bericht des Ministeriums an den Verkehrsausschuss des Bundestages hervor.

Dieser Zeitung sagte der für die Themen Umwelt und Verkehr beim ADAC zuständige Sprecher Michael Niedermeier: "Bei den Pkw’s hat es schon lange keine Verschärfung der Zulassungs-Grenzwerte gegeben." Dies könne aber europaweit festgeschrieben werden, zumal etwa niedrigere Motorengeräusche technisch machbar seien.

Schon jetzt wird beim Autobahnbau der sogenannte "Flüsterasphalt" eingesetzt, so auch für einen Teilabschnitt der Nordumgehung. Niedermeier warnt allerdings vor übertriebene Hoffnungen. "Dieser offenporige Asphalt mindert den Lärm um zehn Dezibel. In den Berechnungen werden dafür nur sechs Dezibel angegeben, weil sich dieser Asphalt mit Staub zusetzt, so dass nach sieben bis acht Jahren die Fahrbahn-Geräusche nur noch um sechs bis sieben Dezibel gemindert werden. Nach mehr als zehn Jahren sind das nur noch vier Dezibel. Aber auch das ist schon eine ganze Menge."

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Grenzwerte sollen gesenkt werden

Peter Ramsauer hatte diese Woche in einem Interview zum Thema Verkehrslärm in der Saarbrücker Zeitung von "einer Belastung für die Menschen" gesprochen und seine Zielvorstellung mit "den Krach merklich und dauerhaft zu vermindern" vorgegeben.

Dies wolle er durch die Senkung von Grenzwerten erreichen, womit die Industrie gezwungen werde, die "noch vorhandenen technischen Möglichkeiten" bei der Konstruktion von leiseren Fahrzeugen weiter auszuschöpfen, heißt es in dem Bericht.

Unzutreffend sei, so Niedermeier, ein vorgestern vorgebrachtes Argument von Nordumgehungsgegner Eckhardt Grummert. Der hatte bei einem Treffen für zusätzlichen Lärmschutz an der Nordumgehung (die Neue Westfälische berichtete gestern) unwidersprochen behauptet, dass sich beim offenporigen Asphalt schon nach kurzer Zeit gefährliche Spurrillen bilden würden.

"Das ist nicht so", sagt Michael Niedermeier und führt als Beispiel die Niederlande an. "Dort gibt es seit Jahren auf vielen Autobahnen den offenporigen Asphalt. Bei dem wurden keine Spurrillen entdeckt."

Während der Lärm auf der Straße mittels Fahrzeug-Technik und "Flüsterasphalt" reduziert wird, könne laut ADAC-Sprecher Niedermeier der Krach auf der Schiene per Portemonnaie geregelt werden. "Das geht über die sogenannten Trassenpreise", sagt der Münchner Fachmann und gibt eine Idee vor, die bei den Anwohnern der Süd- als auch der Nordbahn auf offene Ohren stoßen wird.

Vor allem letztere hatten sich unlängst über den Schienenlärm beklagt und gesagt, dass ältere osteuropäische Güterzüge für mehr Radau sorgen, als Züge der Deutschen Bahn. Niedermeier: "Hierzulande kann man da schon viel machen, das geht vor allem über die Bremstechnik." Für ausländische Waggons könnte der "Trassenpreis" ein Anlass zur Nachrüstung sein.

Was sich mit den Vorstellungen des Bundesverkehrsministers deckt. Peter Ramsauer: "Wir wollen vor allem den Lärm direkt an der Quelle reduzieren und nicht erst nachträglich Maßnahmen ergreifen."

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