Aus den Anfängen: Bereits 1880 hatte Colon Tilkemeier im Bereich des heutigen Kurparks ein Badehaus mit angebautem Pflanzenhaus errichtet. - © Stadtarchiv
Aus den Anfängen: Bereits 1880 hatte Colon Tilkemeier im Bereich des heutigen Kurparks ein Badehaus mit angebautem Pflanzenhaus errichtet. | © Stadtarchiv

Bad Oeynhausen „Wir können nicht 100 Jahre zurück“

Schwerpunktthema Heilquellen: Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler und Betriebsleiter Dirk Henschel über ihre Ideen, den Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen voran zu bringen

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Das Ziel ist klar: „Wir wollen Bad Oeynhausen als überregionale Marke positionieren und die Gästezahlen steigern", sagt Peter Adler. Dazu, auch das ist dem Geschäftsführer der Staatsbad GmbH klar, muss Bad Oeynhausen mehr Selbstzahler gewinnen, die Gesundheitseinrichtungen in der Stadt nutzen. „Da wäre es wünschenswert, das Thema Heilquellen stärker zu spielen", sagt Adler. „Eine konkrete Idee dazu habe ich aber noch nicht", räumt Adler ein. „Vor 100 Jahren gab es 16.000 Kurgäste im Bad Oeynhausen", sagt Dirk Henschel, Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebes Staatsbad. Und es wurden 235.000 Wannenbäder verabreicht. „Damals lag der Schwerpunkt auf dem Baden in Sole", sagt Henschel. Bis 2001 habe es noch das „Solebad auf Rezept" gegeben, weiß Adler. Als die Krankenkassen dann ihre Zahlungen für diese Bäder beendeten, habe die Nachfrage schlagartig nachgelassen. „Es gab seit den 1990er Jahren massive Veränderungen im Gesundheitswesen. Denen musste sich das Staatsbad anpassen", sagt Adler. „Ich würde heute gern ein Badehaus bauen. Aber das kriegen wir nicht vermarktet", ist Henschel überzeugt. Den Vorwurf, die Sole „links liegen gelassen" zu haben, weist Adler aber zurück. „Wir haben die Sole immer vermarktet. Sie ist Bestandteil all unserer Pauschalangebote. Die Sole," so Adler, „sprudelt in der Bali-Therme. Sie wird in der Klinik Porta Westfalica eingesetzt. Und sie wird in der Wandelhalle zum Trinken angeboten." Adler und Henschel sind sich aber auch einig darin, dass die Heilquellen für Bad Oeynhausen ein Alleinstellungsmerkmal darstellen, das sich deutlicher zu betonen lohnt. „Erlebbar" ist die Sole in Bad Oeynhausen zum Beispiel im Gradierwerk, das mit Wasser aus dem Bülow-Brunnen gespeist werde, wie Henschel versichert. „Aber der Standort im Sielpark ist natürlich nicht optimal", sagt Adler. Die Uhr einfach 100 Jahre zurückzudrehen – das wäre nicht das Rezept, um künftig mehr Selbstzahler nach Bad Oeynhausen zu locken. „Da muss die Qualität des gesamten Umfeldes stimmen", sagt Adler. Das Gesamtpaket ist entscheidend, wenn die Leute zu uns kommen sollen." Und dazu gehören für Adler nicht nur Gesundheits- und Erholungsangebote. „Auch das Stadtbild muss stimmen. Und das Kulturangebot", ist Adler überzeugt. Und nicht zuletzt: Das Angebot an Hotels und Gastronomie, sagt Adler. Der deshalb die Hoffnung auf einen hochwertigen Hotelneubau auf dem Gelände der alten Kurverwaltung nicht aufgegeben hat. „Wenn wir einen Sprung nach vorn machen wollen, muss investiert werden. Privat und kommunal", so Adler. Mit Perspektiven des Staatsbades werde sich deshalb in diesem Jahr auch eine Art „Ideenwerkstatt" mit Bürgermeister Achim Wilmsmeier befassen. „Wir brauchen etwas Einmaliges, etwas Neues, um Sole erlebbar zu machen", sagt Adler. Eine Aufgabe, die das Staatsbad aber eben nicht allein stemmen könne. „Ich wünsche mir, dass die Trennung in den Köpfen zwischen Stadt und Staatsbad überwunden wird", sagt Henschel.

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