Thermalbad: Die Patienten in der Klinik Porta Westfalica schwimmen in Thermalwasser. - © Klinik
Thermalbad: Die Patienten in der Klinik Porta Westfalica schwimmen in Thermalwasser. | © Klinik

Bad Oeynhausen Sole hat für Therapie kaum Mehrwert

Schwerpunktthema Heilquellen: In den Reha-Kliniken baden Patienten in Leitungswasser – nur die Klinik Porta Westfalica wird vom Staatsbad mit Sole beliefert

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Holger Schuermann beweist Heimatverbundenheit: „Wir lassen uns mit Bad Oeynhausener Thermalsolewasser beliefern." Seinem Unternehmen verschafft er damit ein Alleinstellungsmerkmal: Die Klinik Porta Westfalica ist die einzige Reha-Klinik in Bad Oeynhausen und Löhne, die die heimischen Quellen zum Baden nutzt.Schwimmbad und Wannen werden – seit Eröffnung der Klinik vor 26 Jahren – mit dem warmen Solewasser gefüllt. Auf einen „hohen fünfstelligen Betrag", beziffert Schuermann die Summe, die dafür jährlich an das Staatsbad überwiesen wird. „Bad Oeynhausen ist wegen seiner Quellen berühmt, das muss man auch für das eigene Haus nutzen", begründet der Geschäftsführer seine Investition. Die steht auch für 2016 schon lange fest: „Unser Vertrag läuft bis zum 31. Dezember".Ähnlich hat das schon Schuermanns Vater Peter gesehen; der hatte zuvor bereits die Klinik „Am Osterbach" gebaut und betrieben – und das Schwimmbad ebenfalls mit Thermalsole füllen lassen. Doch das gehört lange der Vergangenheit an; mit der Übernahme durch den Wicker-Konzern wurde auch der Liefervertrag mit dem Staatsbad gekündigt. „Diese Investition bekommen wir über den Pflegesatz nicht wieder rein", erklärt Verwaltungsleiter Ulrich Hippe. Wobei er nicht nur die Wasserkosten im Blick hat: „Unsere technische Ausstattung ist mittlerweile völlig veraltet."Ständig hoher Reparaturbedarf Eine Thermalsole-Vergangenheit gibt es auch in der Klinik am Rosengarten. „Bis zur Jahrtausendwende war unser Schwimmbecken mit Sole gefüllt", erinnert sich Verwaltungsleiter Carsten Voigt. „Es gab ständig hohen Reparaturbedarf", nennt er als Grund für die Umstellung auf Leitungswasser. „Die Sole wirkt auf Leitungen und Anlagen hochaggressiv, die Kristalle führen ständig zu Verstopfungen".Darüber hinaus sei der therapeutische Nutzen für die Patienten, die überwiegend mit neurologischen und orthopädischen Erkrankungen behandelt werden eher gering.Bei Hauterkrankungen sehe das anders aus – und deshalb werde für diese Patienten die Kooperation mit dem benachbarten ambulanten Behandlungszentrum Reha-Concept genutzt. Voigt: „Dort bekommen auch unsere Patienten bei Bedarf ein Sole-Wannenbad".Auch aus Sicht von Johannes Assfalg, Geschäftsführer der Maternus-Klinik, sind es in erster Linie medizinische Gründe, die gegen eine Nutzung der Sole-Quellen in seinem Hause sprechen: „Viele Patienten werden heute mit offenen Wunden eingeliefert, die dürfen überhaupt nicht baden".Kein Grund für Investition Balneologie spiele bei der Reha-Behandlung beispielsweise von neurologischen Erkrankungen kaum eine Rolle: „Sole hat keinen Mehrwert". Und deshalb gebe es auch keinen Grund, viel Geld in eine „sensible neue Technik" zu investieren.Auch für Johannes Hüpel, Verwaltungsleiter der Berolina-Klinik, ist die Frage der Quellen-Nutzung längst und eindeutig entschieden. In seinem Haus werden ausschließlich Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt und für die gebe es keinen therapeutischen Nutzen: „Eine besondere entspannende Wirkung ist von der Sole nicht zu erwarten."Anregend, aber für den Kreislauf belastend – so beschreibt Michael Schelp, kaufmännischer Leiter der Johanniter Ordenshäuser, die Wirkung von Solebädern. Die deshalb auch in seiner Klinik nicht vorgesehen sind: „Für Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall wären die viel zu belastend". Ganz auf die heimischen Quellen wird in den Ordenshäusern allerdings auch nicht verzichtet. Schelp: „Im Inhalatorium atmen unsere Patienten heimische Sole ein".

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