Touristenziel: Auch Radler legen am Jordansprudel gern eine Pause ein - auch wenn die Fontäne nur noch 20 Meter hoch ist. Foto: pest - © Joerg Dieckmann
Touristenziel: Auch Radler legen am Jordansprudel gern eine Pause ein - auch wenn die Fontäne nur noch 20 Meter hoch ist. Foto: pest | © Joerg Dieckmann

Bad Oeynhausen Das Wahrzeichen der Stadt

Schwerpunktthema Heilquellen: Der Jordansprudel, die größte kohlensäurehaltige Thermalsolequelle der Welt, dient heute in erster Linie als Werbeträger. Am 23. Juli 1926 gab es Freudenfeuer

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Die Stadt schmückt sich mit einem Weltrekordhalter: Der Jordansprudel ist – 90 Jahre nach seiner Entdeckung – noch immer die größte kohlensäurehaltige Thermalsolequelle. Auch wenn ihr wirtschaftlicher Nutzen im Laufe der Jahre geschwunden ist, und das Original schon seit fast 20 Jahren nicht mehr zu sehen ist – als weltweiter Werbeträger ist er noch immer von Nutzen. „Der Jordansprudel ist das Wahrzeichen unserer Stadt", heißt es in allen offiziellen Publikationen. Die natürliche Heilkraft des Wassers wussten schon die Menschen Anfang des vorigen Jahrhunderts zu schätzen. 2.500 Mal pro Tag mussten 1924 die Wannen in den Bad Oeynhausener Badehäusern gefüllt werden, um die Wünsche der Gäste zu erfüllen. Doch die Zahl der Gäste stieg, die Kapazität der fünf Quellen war erschöpft. Und so entschied sich die Kurverwaltung, ein zusätzliches Bohrloch abzutäufen. Fachkundige Wissenschaftler setzten sich zusammen, die Verwaltung ließ sogar einen Wünschelrutengänger kommen, um den günstigsten Ansatzpunkt zu finden. Schließlich entschieden sich die Experten für den höchstgelegenen Punkt im Kurpark. Am 1. Dezember 1924 ließ Oberbergrat Albert Jordan mit den Bohrungen beginnen– und musste schon nach wenigen Monaten die Arbeiten abbrechen. Bereits in 150 Metern Tiefe brach Süßwasser ein – bis zu 8.000 Liter in der Minute. Doch Jordan war eben nicht nur Kurdirektor, sondern auch Oberbergrat mit wissenschaftlichem Ehrgeiz. Er entschloss sich das Bohrloch zu verrohren und mit 114.000 Kilogramm hineingepresstem Zement ganz zu verschließen. Nachdem die Zementmasse erhärtet war, ließ er das Bohrloch erneut öffnen. Der Bohrer überwand die weichen Gesteinsschichten und gelangte in den oberen Muschelkalk. Wie erhofft begannen die Zuflüsse salzhaltigen Wassers. Am 23. Juli 1926 ist es geschafft: Aus 725 Meter Tiefe schießt 35 Grad warmes Thermalwasser über 50 Meter in die Höhe. Mit Freudenfeuern und Umzügen wird das Ereignis gefeiert; der Oberbergrat schreibt an seine vorgesetzte Behörde: „Es wurde ein Erfolg erreicht, der die kühnsten Hoffnungen weit überstieg." Allerdings warten damit noch nicht alle Probleme gelöst: Der Sprudel musste ja noch verrohrt werden, damit er nicht nur als optische Attraktion für Gäste und Bürger, sondern auch als Heilwasser in Becken und Wannen genutzt werden konnte. Gebohrte Baumstämme, wie sie zuvor bei den anderen Quellen zum Einsatz gekommen waren, kamen bei dem großen Durchmesser des neuen Bohrlochs nicht in Frage. Deshalb ließ die Kurverwaltung Holzdaubenrohre anfertigen – Rohre, die aus einzelnen Dauben wie ein Fass hergestellt waren. Und die sind die Voraussetzung schufen, dass sich Oeynhausen zu einem der bekanntesten Kurorte Deutschlands entwickelte. Im Juli 1976 kann der damalige Kurdirektor Alfons W. Dole eine stolze Bilanz aufweisen: Sechs Milliarden Liter mit einem Gehalt von 138 Millionen Kilogramm Mineralien sind in den zurückliegenden 50 Jahren in die Becken und Wannen des Staatsbades geflossen; täglich nutzten damals mehr als 2.000 Gäste die Heilkraft des Jordansprudels, um sich in 30.000 Jahre altem Wasser fit zu machen. Heute wird die Thermalsole aus dem Jordansprudel nur noch in der Bali Therme genutzt. „Wir liefern 50.000 Kubikmeter jährlich", sagt Dirk Henschel, Betriebsleiter des Staatsbades. Mit einem Salzgehalt von 2,5 Prozent weist das Wasser nach wie vor eine fürs entspannende Schwimmen optimale Zusammensetzung auf. Als einzigartiges Naturschauspiel hat der Jordansprudel hingegen schon lange ausgedient. Bereits in den 90 er Jahren war der Jordansprudel nur noch zur Parkbeleuchtung und wenigen weiteren Großereignissen im Jahr zu sehen. Das war nicht nur die Folge von ständigen kostspieligen rohrtechnischen Problemen. Immer wieder hatten sich auch Betrachter über die bleibenden Flecken beklagt, die die gesalzenen Spritzer der Quelle auf Kleidung und Foto-Objektiven ihrer Bewunderer hinterlassen hatte. Das ist seit dem Jahr 2000 anders. Im Zuge der Landesgartenschau mit dem wegweisenden Titel „Aqua Magica" wurde ein neues Leitungssystem installiert, durch das Werrewasser in ein unterirdisches Bassin am Sprudel fließt. Drei Pumpen pressen das salzfreie Wasser jetzt in die Höhe. Nur noch 20 Meter hoch, dafür allerdings täglich. Schließlich ist der Jordansprudel das Wahrzeichen der Stadt – und sein Entdecker ein Mann mit Weitblick. Schon am 23. Juli 1926 stellte er öffentlich fest: „Mit dem Jordansprudel ist die Zukunft des Bades Oeynhausen menschlichem Ermessen nach auf alle Zeiten gesichert."

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