Tief einatmen: Im Inhalationsraum im Badehaus II konnten die Kurgäste in den 60er Jahren den Duft der Sole schnuppern. - © Repro: C. Barnbeck
Tief einatmen: Im Inhalationsraum im Badehaus II konnten die Kurgäste in den 60er Jahren den Duft der Sole schnuppern. | © Repro: C. Barnbeck

Bad Oeynhausen Wegweiser zu den Quellen

Schwerpunktthema Heilquellen: Im Kurpark und im Sielpark sind noch zehn Bohrlöcher erhalten. Wir stellen sie in zehn Kurzporträts mit Lageplan vor

Bad Oeynhausen/Löhne. Neun Quellen muss man suchen. Nur eine ist bekannt und – zumindest im Sommer – weithin sichtbar: der Jordansprudel. Doch außer diesem ehemaligen Wahrzeichen Bad Oeynhausens sind die Quellen in der Stadt nur schwer auszumachen.

Ein Schattendasein führt zum Beispiel der Alexander-von-Humboldt-Sprudel. Dabei könnte er – von den technischen Daten her – dem Jordansprudel sogar den Rang ablaufen. Er ist tiefer, wärmer und fast so ergiebig wie der „Jordan". Und doch wird diese erst in den 70er Jahren erbohrte Quelle äußerst nüchtern präsentiert. Obwohl mitten im Kurpark gelegen, ist der Humboldt-Brunnen von einem grünen Metallzaun umgeben, der mit schmucklos noch recht beschönigend beschrieben ist. Hinter dem Zaun liegen schlichte Schachtdeckel, davor steht – immerhin – eine Informationsstele.

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Auch der Gert-Michel-Sprudel, nur einen Steinwurf vom Jordansprudel entfernt, ist nur mit Glück und Insider-Hinweisen zu finden. Der leicht verwitterte Brunnendeckel liegt hinter Buschwerk versteckt.

Information
Heilquellen: Das Dossier

Das untere Werretal ist ein magisches Wasserland. Bad Oeynhausens Heilquellen und Löhnes Mineralwasserquellen machen die Region einzigartig. Mit unserem Schwerpunkt-Dossier wollen wir in dieser Woche den Blick konzentriert auf dieses Thema richten. Geplant sind folgende Beiträge:
´ Zurück zum Anfang: Als die Quellen das Sprudeln lernten.
´ Ein Rundgang: Wegweiser zu den Quellen.
´ Der Jordansprudel: ein Wahrzeichen.
´ Die Wanne ist voll: ein Selbstversuch im Solebad.
´ Erfrischend und gesund: die Löhner Mineralbrunnen.
´ Ausblick: Zukunft aus den Quellen schöpfen.

Immerhin ein eigenes Haus haben zwei der Quellen bekommen. Ein kleiner Bau umschließt den Kaiser-Wilhelm-Sprudel. Einen recht schmucken Fachwerkbau hat der Bülow-Brunnen bekommen, der zu den beiden noch im Sielpark erhaltenen Quellen gehört.

Der Bülow-Brunnen ist auch aus anderem Grund eine Besonderheit in der Bad Oeynhausener Quellen-Landschaft. Er gehört noch zu den Quellen, die für die Salzgewinnung erschlossen wurden und nicht zu den später erbohrten Quellen gehören, die dann die Basis zur Entwicklung Oeynhausens als Heilbad bildete.

Dass Bad Oeynhausen mit seinen Quellen, die schließlich Grundlage ihrer Bädergeschichte sind, so stiefmütterlich umgeht, ist Anlass für die Neue Westfälische, sie zum Schwerpunktthema in dieser Woche zu machen. Der Wegweiser zu den Quellen soll Handreichung für eine Spurensuche nach Bad Oeynhausens Bodenschätzen sein. Eines aber wird dabei nicht zu sehen sein: sprudelndes Heilwasser.

Oeynhausen-Sprudel
Dies ist das Bohrloch Nummer 1 im Bad Oeynhausener Kurpark – die älteste in diesem Bereich noch erhaltene Bohrung. Der Sprudel wurde von 1839 bis 1845 erbohrt. Er ist 696 Meter tief. Die Quelle ist eisenhaltig und reich an Kohlensäure.
Der Salzgehalt liegt bei 4,5 Prozent, die Temperatur ursprünglich bei 33 Grad.
Bei der letzten Messung 2013 soll die Temperatur aber nur noch bei 20 Grad gelegen haben. Grund für die Abkühlung könnte nach Vermutung von Christian Barnbeck der Einbruch von Süßwasser sein.
Die Quelle liegt südlich des Badehauses 2, versteckt hinter einem verschlossenen Eisentor.

Wittekind-Brunnen II
Eine der jüngeren Quellen im Kurpark: Der Wittekind-Brunnen II wurde erst 1980 erbohrt, als Ersatz für den Wittekind-Brunnen I. Er gehört zu den Bad Oeynhausener Flachbrunnen. Nur ganze 17 Meter reicht die Bohrung in den Untergrund. Die Quelle hat einen hohen Gehalt an Eisen und Calcium. Außerdem ist das Wasser sehr kohlensäurehaltig.
„Das ist im Grunde die perfekte Trinkquelle", sagt Christian Barnbeck, Stadtführer und Quellenexperte. Das Wasser wird deshalb auch in der Wandelhalle ausgeschenkt.
Im Kurpark selbst deutet nur ein schmuckloser „Kanaldeckel" aus Beton auf die Quelle hin.

Kaiser-Wilhelm-Sprudel
Aus dem späten 19. Jahrhundert stammt der Kaiser-Wilhelm-Sprudel. Die Thermalsolequelle wurde von 1896 bis 1898 erbohrt und ist rund 700 Meter tief. „Im Grunde führt er dasselbe Wasser wie der Oeynhausen-Sprudel", erläutert Christian Barnbeck. Das heißt: hoher Eisen- und Kohlensäuregehalt, Temperatur über 30 Grad. Das Wasser gilt als klar und ohne Trübung, der Geschmack als salzig und schwach bitter.
Die Quelle war mit 182 Litern pro Minute zunächst recht ergiebig, ließ dann aber deutlich nach. Der Brunnen liegt, quasi im Vorgarten der Klinik am Rosengarten, in einem kleinen Fachwerkschuppen.

Morsbach-Sprudel
Auch der Morsbach-Sprudel ist eine 33 Grad warme Thermalsolequelle. Das Wasser stammt aus denselben Tiefenschichten wie die übrigen Thermalquellen. 1905 bis 1906 wurde der Morsbach-Sprudel zunächst auf 713 Meter Tiefe gebohrt, dann 1943 auf 769 Meter vertieft. Er war dann die tiefste Quelle im Kurpark – bis zur Bohrung des Humboldt-Sprudels. Benannt ist der Morsbach-Sprudel nach dem ehemaligen Direktor der Badeverwaltung Bad Oeynhausens, Adolph Morsbach (1859-1922). Es ist die nach dem Jordan am repräsentativsten eingefasste Quelle im Kurparkbereich, direkt vor dem Eingang zur Klinik am Rosengarten.

Jordan-Sprudel
Dies ist die Königin der Quellen: der Jordansprudel. In den Jahren 1924 bis 1926 erbohrt, galt er als ergiebigste Thermalsolequelle der Welt.
In den Anfangsjahren wurde hier eine „Schüttung" von 7.000 bis 9.000 Liter pro Minute gemessen, noch in den 60er-Jahren wurde ihm eine Ergiebigkeit von über 6.000 Litern attestiert.
Das Wasser des Jordansprudels ist extrem mineralreich. Es enthält vor allem viel Eisen, Calcium und Sulfat.
Da die Mineralien zu starken Verkrustungen in den Rohren und Ablagerungen führen, wird für den Betrieb des Jordansprudels seit dem Jahr 2000 Werrewasser verwendet.

Gert-Michel-Sprudel
Der Jüngste im Bunde: Erst 1995 wurde der Gert-Michel-Sprudel erbohrt. Er ist keine Themalsole- sondern eine Kaltsolequelle. Das Wasser kommt immerhin mit knapp 20 Grad aus der Erde.
„Das ist feines Mineralwasser, das könnte man so auf Flaschen füllen", sagt Christian Barnbeck. Verwendet wird das Wasser (gemeinsam mit Wasser des Jordansprudels) in der Bali-Therme, allerdings nicht als Getränk, sondern als Badewasser. Die Bohrung ist 200 Meter tief.
Benannt ist die Quelle nach Gert Michel. Der Hydrogeologe hat die Bad Oeynhausener Quellen intensiv wissenschaftlich erforscht.

Von-Humboldt-Sprudel
Der Meister der Tiefe: Bis in 1.034 Meter bohrten die Arbeiter 1972 bis 1973 den Alexander-von-Humboldt-Sprudel. „Wenn der Jordansprudel die Königin der Bad Oeynhausener Quellen ist, dann ist dies der König", urteilt Christian Barnbeck. Mit 36 Grad kommt das Wasser aus der Tiefe an. Es fließen rund 4.000 Liter pro Minute aus dieser Quelle. Wie der Jordan, so ist auch der Von-Humboldt-Sprudel eine artesische Quelle, die unter hohem Eigendruck steht.
Benannt ist sie nach dem großen Entdeckungsreisenden des 19. Jahrhunderts, Alexander von Humboldt. Der hatte in seinem Werk die Bad Oeynhausener Quellen gerühmt.

Wittekind-Brunnen I
Dieser Brunnen zeigt, wie dicht Bad Oeynhausens Bodenschätze zuweilen unter der Oberfläche schlummern. In nur sechs Metern Tiefe fand man 1876 wohl eher zufällig den Wittekindbrunnen I. Er war damals eine der calciumhaltigsten Quellen der Welt. Das Wasser wurde für Trinkkuren verwendet, unter anderem in dem nicht weit entfernt stehenden Trinkpavillon. Im Laufe der Jahrzehnte nahm die Mineralkonzentration des Wassers ab. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts aber versiegte diese Quelle. „Das hängt vermutlich mit Baumaßnahmen im Randbereich des Kurparks zusammen", vermutet Christian Barnbeck.

Bülow-Brunnen
Der Alterspräsident unter Bad Oeynhausens Brunnen stammt noch aus einer Zeit, als niemand an Heilwasser dachte. Der Bülow-Brunnen wurde 1806 zur Salzgewinnung gebohrt. Aus dem 80 Meter tiefen Bohrloch förderte man Sole mit zwei unterschiedlichen Qualitäten. Das Wasser vom Grund der Quelle hatte einen Salzgehalt von stolzen neun Prozent, das Wasser aus dem höheren Bohrschacht immerhin noch von drei Prozent. Der Bülow-Brunnen liegt in einem Fachwerkbau im Sielpark, nahe der Saline, in dem es früher Führungen gab. Prunkstück ist die alte Pumpe, mit der 200 Jahre lang Sole aus dem Bülow-Brunnen gefördert wurde.

Dr.-Schmid-Quelle
Sie sollte praktisch der Bülowbrunnen Nummer zwei sein: 1960 wurde die Kurdirektor-Dr.-Schmid-Quelle im Sielpark erbohrt. Sie ist 187 Meter tief. Obwohl 100 Meter tiefer als der „Bülow", wird sie aus derselben Quellenspalte gespeist. Auch der Schmid-Brunnen hat mit neun bis zehn Prozent einen sehr hohen Salzgehalt. Ihr Wasser wird unter anderem für die Bäder im Badehaus 2 verwendet. Auch bei dieser Quelle hat die anfangs große Ergiebigkeit aufgrund der starken Verkrustungen in den Rohren schnell nachgelassen. Die Quelle liegt in einem Waldstück südlich der Saline. Sie ist bebannt nach dem Kurdirektor und Arzt Hans Otto Schmid (1907-1963).

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