Bei einem Offroad-Trip machte Sarah Scott auch einen Halt in den Bergen. Denn die Vereinigten Arabischen Emirate haben nicht nur Strand und Wüste zu bieten.
Bei einem Offroad-Trip machte Sarah Scott auch einen Halt in den Bergen. Denn die Vereinigten Arabischen Emirate haben nicht nur Strand und Wüste zu bieten.

BAD OEYNHAUSEN/ABU DHABI "Abu Dhabi ist wie ein kleines Dorf"

Sarah Scott (25) wanderte vor einem halben Jahr in die Vereinigten Arabischen Emirate aus

VON NICOLE SIELERMANN

Bad Oeynhausen/Abu Dhabi. Es ist ein gutes halbes Jahr her, als Sarah Scott in Volmerdingsen ihre Koffer packte und Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten zur neuen Heimat machte (die NW berichtete exklusiv). Bereut hat sie den Schritt in die Männer-Domäne der arabischen Welt bisher nicht. "Es ist total locker - als Frau habe ich sogar jede Menge Vorteile", sagt sie.

Freund Fabian war im vergangenen Jahr ausschlaggebend für die Auswanderung. Sein Job führte ihn nach Abu Dhabi ins Hilton Hotel, Sarah Scott folgte für einen Urlaub. "Ich hatte dort unten ein Vorstellungsgespräch bei der Munich Health, einer Tochter der Münchner Rückversicherung, und wurde genommen", erzählt Scott, die ein duales Studium bei der Deutschen Telekom absolviert hat. Danach war für die 25-Jährige die Entscheidung gefallen. "Kein Haus, kein Auto, kein Kind - also habe ich hier nichts zu verlieren", sagte sie sich. Auch wenn es alles in allem ein langer Entscheidungsprozess gewesen sei.

"Ohne Job wäre ich nicht gegangen", erklärt sie. Denn die Eigenständigkeit wolle sie sich bewahren. Einziger Haken: Es gibt keine Chance auf eine gemeinsame Wohnung mit Freund Fabian. "Das Landesrecht basiert auf dem Islam. Deshalb dürfen Unverheiratete nicht zusammenleben." Ein Problem, dass sich mittlerweile von selbst gelöst hat: "Fabian wohnt und arbeitet mittlerweile in Dubai - das sind 130 Kilometer von Abi Dhabi", erzählt die gebürtige Bad Oeynhausenerin. Und ergänzt: "Egal, wir dürfen ja eh nicht zusammenwohnen."

An das Leben in Abu Dhabi hat sich Sarah Scott schnell gewöhnt. "Durch die Arbeit war ich schnell mitten im Alltag. Da blieb gar keine Zeit für Urlaubsgefühle", sagt sie rückblickend. Das gleiche gelte für die Temperaturen: "Ich brauche mittlerweile bei 20 Grad eine Jacke", erzählt sie lachend. Wobei der heiße Sommer mit bis zu 50 Grad Celsius erst noch kommt. "Die Vereinigten Arabischen Emirate bestehen aber nicht nur aus Wüste - es gibt auch bergige Landschaften, mit denen ich gar nicht gerechnet habe."

Auch wenn es eine Männerwelt ist, in der Sarah Scott lebt, es gibt genügend Frauenprivilege: "Ich darf im Bus vorne sitzen oder in der Bank einen Knopf drücken, damit ich sofort bedient werde", erzählt sie. Lediglich Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit seien verboten und würden strikt geahndet.

Zurzeit teilt sich Sarah Scott eine Wohnung mit einer Japanerin, sucht aber nach einem passenden Domizil für sich allein. "Allerdings wird beim Mieten einer Wohnung eine Jahresmiete im Voraus fällig." Total spannend findet die 25-Jährige das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen. "Ich habe unheimlich viele Menschen kennengelernt, zum Beispiel aus Südamerika oder anderen arabischen Ländern." Und das auf so einem kleinen Fleckchen Erde. Etwas, das sie als Bereicherung ansieht: "Man lernt dadurch andere Denkweisen kennen. Das Ziel beim Auswandern kann es ja nicht sein, dass ich nur mit Deutschen zusammen bin", urteilt Sarah Scott.

Neben der Arbeit in der Personalabteilung spielt sich das Leben in Abu Dhabi für Sarah Scott praktisch draußen ab. "Wir waren schon Campen in der Wüste, im Café am Strand, wollen noch zum Kamel-Racing morgens um 5 Uhr, haben das freie Training der Formel Eins erlebt und ein tolles Prince-Konzert. Und wir genießen das enorme Nachtleben." Denn oft wird es erst abends, wenn es kühl und luftig wird, voll auf den Straßen. "Abu Dhabi ist eher ein kleines Dorf - fast wie Bad Oeynhausen", urteilt sie. Als sie die Weihnachtsfeiertage mit Freund auf Sri Lanka verbrachte, freute sich die 25-Jährige auf Zuhause. "Ich meinte damit Abu Dhabi."

Sarah Scott hat sich eingelebt. "Ich fühle mich wohl und vermisse keinen deutschen Standard." Im Supermarkt sei alles zu finden, gerade erst habe sie sich bei Tchibo eine Uhr gekauft und auch Ikea biete Altbekanntes. "Wenn man einige Spielregeln einhält, gewöhnt man sich schnell an das Leben hier."

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