BAD OEYNHAUSEN/JERUSALEM Offen und freundlich

Verena Lischka lebt für ein Jahr in Jerusalem – und bekommt vom arabischen Konflikt doch wenig mit

VON NICOLE SIELERMANN
Verena Lischka im Wadi David Nationalpark amToten Meer. - © FOTO: PRIVAT
Verena Lischka im Wadi David Nationalpark amToten Meer. | © FOTO: PRIVAT

Bad Oeynhausen/Jerusalem. Sie ist nah dran und doch weit weg. Die Proteste in der arabischen Welt nimmt Verena Lischka im täglich Leben in Israel gar nicht wahr. Das, was sie weiß, erfährt sie aus dem Fernsehen. Seit Sommer 2010 absolviert die junge Bad Oeynhausenerin ein freiwilliges soziales Jahr in Jerusalem. Und ist überwältigt von den vielen wundervollen Eindrücken, wie sie sagt.

"Es war nie so, dass ich unbedingt nach Israel wollte", gibt Verena Lischka rückblickend zu. "Nicht, weil mich das Land nicht interessiert, sondern weil ich mir nie wirklich Gedanken über es gemacht habe." Nun sei sie dem Zufall unendlich dankbar "für die bisher eindrucksvollste Zeit meines Lebens, die ich nie vergessen werde". Mit dem ijgd, dem Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst, reiste sie im September nach Israel.
"Anfangs war ich erstaunt, wie westlich hier alles ist", sagt sie. "Mittlerweile weiß ich, dass er aber trotzdem ganz anders ist." Das Heimweh sei schnell verflogen. "Wer einmal die Offenheit und Freundlichkeit der Israelis kennengelernt hat, kann sich hier nur wohlfühlen", sagt Verena Lischka schwärmend. Doch gerade in den vergangenen Wochen sei sie oft gefragt worden,inwieweit sich die politische Situation in Ägypten auf Israel und die Stimmung im Land auswirken. Auch über die Frage ihres Vaters, doch eher nach Deutschland zurückzukehren, brauchte Verena Lischka gar nicht erst nachdenken. "Die Proteste haben keinerlei Auswirkungen", sagt sie. Obwohl sie näher dran sei, sei sie doch weit genug weg von den Protesten und Demonstrationen. "Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass ich gerade in Jerusalem auch dann noch gut aufgehoben bin, wenn die Situation in Israel tatsächlich anfangen sollte, kritisch zu werden."
Zur wundervollen, wahnsinnig abwechslungsreichen Landschaft und neugierigen, sehr liebenswürdigen Menschen kommt für Verena Lischka noch die Arbeit hinzu, in der sie voll aufgeht, wie sie sagt, auch wenn sie sie nicht beruflich machen wolle. "Ich arbeite in einem Behindertenprojekt, in dem schwerst mehrfach Behinderte in ganz normalen Wohnungen leben und ein Leben führen, das ihnen Freude bereitet." In "ihrem" Appartement leben vier Frauen und zwei Männer zwischen 29 und 44 Jahren, die rund um die Uhr betreut werden. "Ich arbeite entweder nachmittags oder nachts, morgens gehen die ,Residents‘ zu einer Art Schule." Am Wochenende, das aufgrund des jüdischen Shabbat Freitag und Samstag umfasse,

Das Foto zeigt Haifa, das Paradebeispiel für ein problemloses Zusammenleben von Juden und Arabern. Der Grund: Weder Moses, noch Jesus oder Mohammed

sollen jemals hier gewesen sein. - © FOTO: PRIVAT
Das Foto zeigt Haifa, das Paradebeispiel für ein problemloses Zusammenleben von Juden und Arabern. Der Grund: Weder Moses, noch Jesus oder Mohammed
sollen jemals hier gewesen sein. | © FOTO: PRIVAT

sei sie auch morgens im Einsatz.
"Es wird strikt darauf geachtet, dass die Privatsphäre der Bewohner gewahrt bleibt", erzählt sie. Soll heißen, das Aufgaben wie Duschen oder Umziehen nur vom gleichen Geschlecht vorgenommenwürden. "Ich muss also die Frauen duschen, anziehen und die Windeln wechseln." Zudem helfe sie beim Essen und Trinken oder mache Spaziergänge mit den Bewohnern. "Berührungsängste hatte ich nicht", sagt die Bad Oeynhausenerin rückblickend. "Ich habe schnell zu jedem eine persönliche Beziehung aufgebaut und sehe nur die Menschen – nicht die Behinderungen." Zeit, neben der Arbeit Land und Leute kennenzulernen, bleibt genug. "Ich war bereits in Tel Aviv, amToten Meer, in verschiedensten Ecken des Nordens und auch in Palästina", zählt sie auf.

Und immer wieder sei sie von der Vielfältigkeit des kleinen Landes überrascht. "Ich kann gar nicht glauben, dass ich das Glück habe, hier sein zu dürfen", sagt sie jubelnd. Auch wenn sie sich freue, Eltern und Freunde im Sommer wiederzusehen, stehe schon jetzt fest, dass sie so schnell wie möglich nach Israel zurückkomme. "Weil es das Beste ist, was mir passieren konnte." Verena Lischka macht Werbung für das Land, das ihre zweite Heimat geworden ist: "Fotos können nur einen Bruchteil der Schönheit wiedergeben – deshalb ist Israel eine Reise wert."

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group