Gregor Eckert sieht im weißen Anzug aus wie Mark Twain. 176 Jahre nach der Geburt des amerikanischen Schriftstellers spielt der Mindener Schauspieler dessen Leben. - © FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
Gregor Eckert sieht im weißen Anzug aus wie Mark Twain. 176 Jahre nach der Geburt des amerikanischen Schriftstellers spielt der Mindener Schauspieler dessen Leben. | © FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER

BAD OEYNHAUSEN Ein Leben in zwei Stunden

Der Mindener Schauspieler Gregor Eckert begeisterte sein Publikum mit Mark Twain

VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER

Bad Oeynhausen. Eine blutrote Krawatte zum blütenweißen Anzug und zum grauen Schnauzbart. Ein riesiger Reisekoffer voll mit Büchern, Zigarren und Whiskeyflaschen - so wie Mark Twain 1891 zu seiner Vortragsreise nach Europa aufgebrochen sein könnte, kam Gregor Eckert auf die Bühne in der Wandelhalle. In zwei prall gefüllten Stunden erzählte der Schauspieler dort vom Leben des amerikanischen Schriftstellers.

In der einen Hand ein Glas Whiskey und in der anderen eine Zigarre: als Vorläufer zum Auftakt der neuen Theatersaison spielt der Mindener Schauspieler Gregor Eckert mit brüchiger Stimme und gebeugter Haltung das Leben des Mark Twain in Anekdoten und Lesungen wie eine Reise rund um die Welt.

Schriftsetzer, Lotse auf der Mississippi, Soldat, Vortragsredner, Verleger, Journalist, Goldgräber und Schriftsteller - Mark Twain war das, was man heute als Allrounder bezeichnen würde.

Gregor Eckert beginnt den Theaterabend in der Regie von Michael Derda mit einem Streifzug durch die Jugend von Langhorn Clemens. Denn so hieß der Schriftsteller, bevor er sich in Anlehnung an den Ausruf eines Mississippi-Lotsen zum Wasserstand den Künstlernamen Mark Twain zulegte. "Für den habe ich wohl am meisten Pate gestanden", lässt Gregor Eckert den Schriftsteller sagen und liest eine Passage aus Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Das Solo-Programm endet dort, wo auch das Leben des berühmten Amerikaners zur Neige geht.

Als Mark Twain erinnert sich Gregor Eckert wehmütig an den Verlust seiner Frau und seiner Kinder. Da hat er bereits die zweite Flasche Whiskey geköpft und hält Zwiesprache mit seiner verstorbenen Frau Olivia. Von Wehmut wechselt der 40-Jährige zu Humor. Besonders witzig sind Mark Twains Beobachtungen zur deutschen Sprache. Etwa das kuriose Wort "Generalstabsverordnetenversammlungen". "Das sind doch keine Wörter, das sind alphabetische Prozessionen", kommentiert der Schriftsteller den Ausdruck.

Mit enormer Dichte und atemberaubender Geschwindigkeit zieht Gregor Eckert sein Publikum in den Bann und bringt die begrenzte Akustik in der Wandelhalle an ihre Grenzen. Vor allem die Gäste in den letzten Reihen hatten Probleme, alles zu verstehen. Das änderte sich nach der Pause, als der Mindener Schauspieler sich auf den Raum eingestellt hatte und etwas langsamer ans Werk ging. Laut und lebhaft wurde es dann noch einmal ganz am Ende - als der stürmische Beifall aus dem Zuschauerraum durch die Wandelhalle dröhnte.

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