Werner Sielhöfer und Herbert Wilmsmeier (r.) vor der Aufnahme einer Betriebsversammlung in der Weserhütte.
Werner Sielhöfer und Herbert Wilmsmeier (r.) vor der Aufnahme einer Betriebsversammlung in der Weserhütte.

Bad Oeynhausen Bilder, Bagger, Erinnerungen

Fotoschau aus der Weserhütte im Lokal "Weserhütte" am Rehmer Ufer

VON PETER STEINERT

Bad Oeynhausen. Lange suchen muss Günther Stahlmann nicht. Zielgenau steuert er ein Foto mit Technikern in weißen Kitteln an. "Rechts, das bin ich. Daneben: Erich Schleinitz, Helmut Hermsmeier, Willi Hoffmeister", sagt der 78-jährige und lässt seinen Zeigefinger über die schwarz-weiße Aufnahme gleiten. Um dann Pause zu machen. "Alle tot. Nur ich nicht." Stahlmann war 39 Jahre auf der Weserhütte, lernte dort. Einmal Hüttjer, immer Hüttjer. Nur, dass Günter Stahlmann heute die Erinnerung an Bad Oeynhausens größtes Werk pflegt. Wie mit den Fotos, die als Dauerleihgabe am Rehmer Weserufer in einem Ausflugslokal hängen, das den vortrefflichen Namen "Weserhütte" trägt.

Einige von denen, die Erinnerungen und Geschichten noch weiter geben können, haben sich zur Eröffnung der Bilderschau mit Wirt Friedrich Kirchner getroffen. In ihm finden die Hüttjer einen dankbaren Zuhörer, der demnächst eine zusätzliche Vitrine aufstellen möchte. Für Andenken oder Kleinigkeiten, die einst das Große und Ganze des Eisenwerks ausmachten. "Einen Bagger hätte ich noch gern", sagt der Gastronom, "so einen, wie er früher auf der Weserhütte produziert wurde.

Spontan müssen die Herren passen. Beisteuern können sie nur Fachbegriffe wie "W6" oder "W9". Der "W24" wird erwähnt. "Zuerst waren sie alle blau. Später, die Hydraulikbagger, gelb", weiß Walter Sielhöfer.

Einst habe einer der Vorstandsherren das untergehende Reich an der Mindener Straße – eben genau dort, wo heute der Werre-Park steht – dadurch retten wollte, indem er das Sortiment aufstocken wollte. "Jetzt bauen wir Raupen", hörte Günter Stahlmann, der ein empörtes "Raupen" wiederholt. So, als wenn ein Dortmunder Borusse beim Thema Fußball das Wort "Schalke" in den Mund nimmt.

Bilder, Bagger, Erinnerungen. Heinz Vogelsang möchte mehr. Der frühere Betriebsratsvorsitzende hofft auf einen Arbeitskreis, der Geschichte mit dem Thema Industriezeitalter im Raum Löhne und Bad Oeynhausen aufarbeitet. Vogelsang: "Das könnte in Löhne etwa der Bahnhof sein. Oder in Bad Oeynhausen die Kurbetriebe." Kaum vorgeschlagen, schon fällt ihm Herbert Wilmsmeier ins Wort: "Das könnten auch die Krankenfahrzeugfabriken Volkmann oder Schönlau sein."

Heinz Vogelsang hat mit den Salzsiedern und Salzpackern ein weiteres Beispiel parat. "Die Stadt Bad Oeynhausen hat diese Zeit in der geschichtlichen Betrachtung ausgeklammert, weil diese Entwicklung auf Gohfelder und Rehmer Gebiet erfolgte", sagt der engagierte Geschichtsforscher.

Selber aktiv werden möchten die Hüttjer nicht mehr. "Der Arbeitskreis der Weserhütte ist bloß ein loser Haufen", sagt Heinz Vogelsang, der den Aufstieg und den Niedergang der Weserhütte dokumentiert hat und der jetzt auf jüngere Kräfte setzt, die sich in einem Verein oder in einer Stiftung der heimischen Geschichte verschrieben.

Da sitzen sie nun und lassen in ihren Erzählungen das Werk wieder aufleben. Wie die von den Lehrlingen, die sich ihren Mittagsschlaf unter den Werkbänken gönnten. Vogelsang: "Wir haben einmal mit dem Hammer auf die Tischplatte gedroschen, da waren sie wieder wach."

Beim Blick auf das Küchen-Bild weiß Herbert Wilmsmeier Bescheid: "Da wurden jeden Tag 750 Essen gemacht. Angeliefert wurde das von der Fleischerei Stahl." Auch die existiert nicht mehr. Immerhin, Stahls Imbiss kennen und schätzen die Bad Oeynhausener bis heute.

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