Bad Oeynhausen Opfer zweier Überfälle wird in Bad Oeynhausen erneut überfallen

Polizeibekannter Rowdy gilt als tatverdächtig

Bad Oeynhausen. "Ein wunderschöner Ort", sagt Katharina Meyer (Name geändert) ohne zu zögern über Bad Oeynhausen. Der Kurgast aus dem bayerischen Kaufbeuren könnte eine ganz andere Meinung haben. Schließlich ist sie Heiligabend in Bad Oeynhausen Zeugin eines Überfalls geworden, bei dem ihr Begleiter beraubt wurde. Für die 44-Jährige ein fatales Erlebnis – denn in ihrer Heimat war sie voriges Jahr selber zweimal Opfer eines Raubüberfalls geworden. Seitdem leidet sie unter den psychischen Folgen. Und genau deswegen war sie in Bad Oeynhausen zur Kur.

Dieses Weihnachtsfest werden Katharina Meyer und Thomas Müller nicht vergessen. Im positiven Sinne, weil sie sich in der Kurstadt kennen gelernt und ineinander verliebt hatten. Im negativen Sinne, weil ihnen gleich mehrfach ein polizeibekannter Rowdy über den Weg läuft.

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Praktische Regeln der Polizei

Oft wissen die Bürgerinnen und Bürger nicht, wie sie wirkungsvoll eingreifen können, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen. Deshalb hat die Polizei sechs praktische Regeln für mehr Sicherheit zusammengestellt, die jeder anwenden kann.

1. Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.

2. Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.

3. Ich beobachte genau und präge mir Täter-Merkmale ein.

4. Ich organisiere Hilfe unter Notruf 110.

5. Ich kümmere mich um Opfer.

6. Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung.

Gefordert ist kein Heldentum. Vielmehr genügen oft schon Kleinigkeiten, um eine große Wirkung zu erzielen. Manchmal reicht es bereits, das Handy zu benutzen und Hilfe zu holen oder weitere Passanten um Unterstützung zu bitten. Wichtig ist auf jeden Fall eine umsichtige Reaktion.

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Das Pärchen ist Heiligabend im "New Orleans" und plant anschließend einen Abstecher in die katholische Kirche St. Peter und Paul am Westkorso. "Ich wollte noch Kerzen für meine vier Kinder aufstellen", sagt der kaufmännische Angestellte. Die fromme Geste muss jedoch warten. Zivilcourage ist stattdessen gefragt. "Uns fällt ein Mann auf, der in der Herforder Straße gegen Schaufensterscheiben tritt und an einer Bushaltstelle die Scheibe eines Wartehäuschens zerstört. Als ich ihn deswegen anspreche, reagiert er aggressiv, dann verschwindet er in einem Hauseingang an der Marienstraße. Um dann sofort wieder heraus zu kommen und sich auf mich zu stürzen", sagt Müller, der nach der Rangelei ein schmerzendes Knie und eine fehlende Geldbörse beklagt. Der Täter macht sich aus dem Staub, die alarmierte Polizei nimmt den Vorfall auf.

Der Kurgast aus dem schleswig-holsteinischen Jagel lässt sich wegen des lädierten Knies im Krankenhaus behandeln, wird entlassen und startet mit Begleiterin Katharina den nächsten Versuch, zum Fest Kerzen für die Kinder in der Kirche aufzustellen. "Auf dem Weg haben wir ihn wieder gesehen. Der nahm sofort Reißaus", sagt die 44-Jährige. "Der konnte laufen, wie ein Weltmeister", ergänzt Müller.

Damit nicht genug. Am 1. Weihnachtsfeiertag kreuzen sich wieder die Wege von Opfer und Täter. Erneut beweist der Mann, wie schnell er laufen kann. Offenbar wohnt der Flüchtende in derselben Gegend, in der die Kurgäste ihre Unterkunft haben. Denn am Mittwoch, dem 2. Weihnachtsfeiertag, kommt es zur nächsten Begegnung.

Katharina Meyer kann sich genau erinnern. "Es war gegen 14.20 Uhr. Ich habe den Mann sofort an seinem Gang und an seiner Lederjacke erkannt." Diesmal ist er in Begleitung von zwei weiteren Männern. Müller will den Räuber zur Rede stellen, der flüchtet. Stattdessen prügeln die beiden Männer auf den Kurenden ein. Freundin Katharina ruft im selben Moment um Hilfe und wird gehört. Gäste eines nahen Restaurants halten den weglaufenden Mann fest, bis die alarmierte Polizei eintrifft.

"Der Mann ist 26 Jahre alt und uns wegen Eigentums- und Körperverletzungs-Delikten bekannt", sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Gegen dessen beide Kumpane, 25 und 31 Jahre, werde ermittelt. Der vermutliche Dieb wird wenig später aus dem Polizeigewahrsam entlassen – und trifft noch einmal auf die beiden Opfer. "Ich habe ihn aufgefordert, mir mein Geld wiederzugeben", sagt Müller. "Der hat aber nur hämisch gegrinst und gemeint, dass ich das wohl verloren hätte."

Freundin Katharina ist über das dreiste Verhalten entsetzt. "Daran kann man sich nicht gewöhnen", sagt die frühere Drogeriemarkt-Beschäftigte, die im Januar 2011 als Kassiererin von zwei Maskierten zur Herausgabe der Tageseinnahmen gezwungen worden war, und die drei Monate später schon wieder einem Maskierten gegenüber stand, der mit vorgehaltenem Messer Bares verlangte.

Eben das fehlt jetzt Thomas Müller, der dann doch noch in die katholische Kirche gegangen ist und Kerzen aufgestellt hat. "Eine davon war aber für mich selbst", sagt der Norddeutsche. Bezahlen konnte er allerdings nicht. "Mein ganzes Geld war im Portemonnaie". Stattdessen hinterließ er einen Zettel mit der Erklärung: "Tut uns leid, wir können nicht bezahlen. Wir wurden ausgeraubt."

Ein paar gemeinsame Tage bleiben den beiden Kurgästen noch. Den Jahreswechsel wollen sie in Bad Oeynhausen feiern. In einer Stadt, der auch Thomas Müller keinen negativen Stempel verpassen mag: "Man kann das ja nicht an einem Täter festmachen."
 

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