Bad Oeynhausen Einzelhandel wehrt sich gegen Gangster

Polizei setzt auf Zeugen-Beschreibungen

Bad Oeynhausen. Es soll beim WEZ Mitarbeiter geben, die einen Raub abschütteln wie ein lästiges Insekt. "Das gehört mittlerweile dazu", sagt einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Erst am vergangenen Samstag war der WEZ-Getränkemarkt von einem Maskierten überfallen worden. "Der muss den Moment abgepasst haben, als unser Sicherheitsmann im Hauptmarkt war", sagt Karl Stefan Preuß. Der WEZ-Geschäftsführer hat unterdessen aufgerüstet. In Technik und Personal. Denn die Gangster kommen immer wieder.

"Seit zwei bis drei Jahren haben wir dieses Problem", so Preuß. "Es betrifft ausschließlich Märkte auf der Südseite des Wiehengebirges", sagt der Einzelhändler und nennt die Standorte Bad Oeynhausen, Gohfeld und Hüllhorst.

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Beim jüngsten Vorfall vom Samstag hatte der Täter gegen 21.15 Uhr den Getränkemarkt an der Weserstraße betreten und einen Angestellten mit einer Schusswaffe bedroht. Laut Polizeimeldung habe der Unbekannte die Tageseinnahmen aus der Kasse genommen und sei dann zu Fuß geflüchtet.

"Viel kann er nicht erbeutet haben. In unseren Märkten wird das Geld permanent entsorgt", sagt Karl Stefan Preuß. Videokameras in und vor dem Gebäude zeichnen außerdem jeden einzelnen Schritt auf. Die Bereitstellung für zusätzliches Sicherheitspersonal kostet den WEZ mehrere tausend Euro.

Im neuen, am morgigen Donnerstag öffnenden Markt an der Werster Straße geht Preuß noch einen Schritt weiter. Dort sind die Kassen des separaten Getränkemarkts mittels Rohrpostsystem mit dem Kassenraum des Hauptmarktes verbunden, so dass kontinuierlich die Einnahmen abfließen. "Dafür haben wir noch nachträglich den Parkplatz aufgerissen", sagt der WEZ-Boss, dessen Tresor in Werste sich als weitere Sicherheitsmaßnahme nur zeitversetzt öffnen lässt.

Der Neu- und Erweiterungsbau in Werste ist nicht nur ein Ergebnis der Architektin Nadia Galetti, sondern auch einer ausführlichen technischen Beratung durch das Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizeibehörde Minden.

Dessen Kriminalhauptkommissar Michael Wehrmann gibt auf Schulungen für Einzelhandelsmitarbeiter Tipps und Verhaltensregeln in Bedrohungssituationen und bei Raubüberfällen. "In erster Linie soll man auf seine Gesundheit achten. Denn es geht nur um materielle Dinge", sagt Wehrmann.

Um dann eindringlicher auf eine spezielle, aber ganz entscheidende Problematik hinzuweisen. "Als Opfer kann ich mich an keine Einzelheiten erinnern. Dazu stehe ich zu sehr unter Schock. Aber Beobachter der Szene sollten sich Auffälligkeiten merken und aufschreiben. Trug der Unbekannte etwa einen Ohrring, hatte er ein Augenbrauenpricing oder einen Schnurrbart", fordert der Kripo-Beamte.

Beim Überfall am Samstag war der Täter mit "ca. 25 -30 Jahre alt, 190 cm groß, bekleidet mit grüner Jacke" beschrieben worden. Wehrmann: "Das trifft auf fast 70 Prozent aller Bürger zu." Wenn aber eine Besonderheit ins Auge sticht, dann könnten die anrückenden Einsatzkräfte schon bei der Anfahrt Verdächtige ausmachen. "Raubüberfall kommt bei uns gleich nach Geiselnahme und Tötungsdelikt. Wenn aus Bad Oeynhausen ein Überfall gemeldet wird, dann sind Kollegen aus der Kurstadt, aber auch aus Löhne, Vlotho und Minden sternförmig unterwegs."

Dass der ganze Aufwand auch ins Leere laufen kann, musste in einem früheren Fall die WEZ-Belegschaft erfahren. Auch damals war der Getränkemarkt an der Weserstraße das Ziel von einem Gangster. Der hielt die Anwesenden mit einer Waffe in Schach und entkam unerkannt. Einer der hilflosen Zeugen: Der Mann von der Sicherheitsfirma.

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