André Bergmann will für sein Recht kämpfen. - © FOTO: ME
André Bergmann will für sein Recht kämpfen. | © FOTO: ME
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VON PATRICK MENZEL

BAD OEYNHAUSEN "Zu teuer und unbequem geworden"

Schwere Vorwürfe gegen Löschdepot GmbH

Bad Oeynhausen. André Bergmann versteht die Welt nicht mehr. Viereinhalb Jahre lang hat er als selbstständiger Handelspartner der Bielefelder Getränkeabholmarkt-Kette Löschdepot die Filiale an der Weserstraße betrieben. Dienstag bekam er überraschend die fristlose Kündigung ausgesprochen. Der 41-Jährige vermutet, dass er als unbequemer Partner ausgetauscht werden sollte. Offenbar ist Bergmann kein Einzelschicksal.

André Bergmann zittert die Stimme, wenn er die Szenen beschreibt, die sich am Nikolaustag in dem Getränkemarkt zugetragen haben sollen. Nach seinen Schilderungen betraten am Vormittag zwei Angehörige der Geschäftsführung die Filiale und sprachen Bergmann die fristlose Kündigung aus. Als Grund führten sie angebliche Kassendifferenzen an. Minuten später rückte ein Inventurkommando an und stellte das Geschäft buchstäblich auf den Kopf. Schlösser wurden ausgetauscht, Bergmann dazu aufgefordert, sein persönliches Hab und Gut zu nehmen und den Markt zu verlassen. Dem 41-Jährigen blieb nur wenig Zeit, seine Mitarbeiter zu informieren und ihnen ebenfalls die Kündigung auszusprechen. "Von einer Minute auf die andere stand ich vor dem Nichts – und mit mir vier weitere Existenzen", sagt er.

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So überraschend die fristlose Kündigung für ihn kam, Bergmann will seit rund zwei Jahren gewusst haben, "dass in dem Unternehmen etwas nicht stimmt". "Im Januar 2010 informierte die Geschäftsführung uns Handelspartner darüber, dass wegen eines verweigerten Übergangskredites vorerst keine Provisionen ausgezahlt werden können", erinnert sich Bergmann. Von diesem Tag an seien Waren nur unregelmäßig geliefert worden. Im Umkehrschluss habe man ihm schlechte Verkaufszahlen vorgeworfen, so Bergmann.

Seine Provisionen, mit denen er auch die Löhne seiner vier Teilzeitkräfte bezahlen musste, erhielt er fortan in bar. "Immer, wenn etwas Geld in der Kasse war, konnte ich eine bestimmte Summe entnehmen", so Bergmann. Stutzig macht ihn auch die Verwaltung der für den Markt hinterlegten Kaution. "Ich habe jeden Monat 200 Euro an Kaution überwiesen. Allerdings ist dieses Geld nicht auf ein Treuhandkonto, sondern auf das Geschäftskonto gegangen", sagt Bergmann. Insgesamt etwa 38.000 Euro an Kautions- und Provisionsgeldern sei ihm die Löschdepot GmbH nun schuldig. Und darin sieht Bergmann nach eigener Aussage den möglichen wahren Grund für seine Kündigung. "Ich bin zu teuer und unbequem geworden", sagt er.

Ähnliche Erfahrungen mit der Löschdepot GmbH hat auch Detlev Schulz gemacht. Er betrieb 16 Jahre lang eine Löschdepot-Filiale in Herford. "Mitte April stand die Geschäftsführung im Markt und hat mir einen Aufhebungsvertrag oder alternativ die fristlose Kündigung vorgelegt ", sagt Schulz. Schulz unterschrieb den Aufhebungsvertrag. "Ein riesiger Fehler", wie er heute sagt. Auf die Rückerstattung der Kaution für die Geschäftsräume in Höhe von 27.000 Euro und die vertraglich vereinbarten Provisionen für zwei Monate warte er seit sieben Monaten. Stattdessen fordert Löschdepot 105.000 Euro von Schulz – "für unerlaubte Zukäufe des ehemaligen Handelspartners", wie er sagt. Dabei habe er nur von Fremd-Lieferanten zugekauft, wenn die eigenen Lieferanten ihre Lieferungen eingestellt hätten, so Schulz.

In der Bielefelder Löschdepot-Zentrale hält man sich bedeckt zu den Vorwürfen. "Wir werden dazu keine Aussagen machen", sagte Mitarbeiterin Roswitha Heitland gegenüber der NW. Eine schriftliche Anfrage blieb unbeantwortet.

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