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Bad Oeynhausen Die Chefs sollen das Feuer löschen

Auf der Feuer- und Rettungswache gibt es weitere Kündigungen. Anfang 2018 sollen dann offenbar 17 Stellen unbesetzt sein

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Das Geld allein wird das Problem in der Feuerwehr wohl nicht lösen. Wie die NW mehrfach berichtete, sind auf der Feuer- und Rettungswache derzeit mehr als zehn Stellen unbesetzt. Gründe sollten vor allem schlechte Besoldung und fehlende Aufstiegsmöglichkeiten sein. Nach NW-Recherchen sind die Gräben zwischen Führungsspitze und Mitarbeitern mittlerweile aber so tief, die Stimmung so schlecht, dass es statt Neubewerbungen eher weitere Kündigungen gibt. Wie die NW erfuhr, werden Anfang 2018 17 Stellen auf der Wache nicht besetzt sein. Ein Problem, das der Politik bekannt ist und die deshalb die Feuerwehrspitze in die Pflicht nimmt. Was die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien und Bürgermeister Achim Wilmsmeier dem Wachleiter Falk Ueckermann und Wehrleiter Stefan Meier beim Ältestenrat, der am Mittwoch hinter verschlossenen Türen tagte, deutlich mit auf den Weg gegeben haben. Der Ältestenrat sieht die Feuerwehrführung in der Pflicht Kaum ein Thema dürfte die Politik in der Vergangenheit so beschäftigt haben wie die Probleme auf der Wache. „Wir sind von vielen Seiten aus der Feuerwehr angesprochen oder angeschrieben und auf gravierende Missstände aufmerksam gemacht worden", erklärten die Politiker unisono am Mittwoch. Die Mitarbeiter sind nach Informationen der Nw mittlerweile so frustriert über die Situation, dass auch die Loyalsten über einen Wechsel zu benachbarten Feuerwachen oder Leitstellen (derzeit läuft die Ausschreibung für die Leitstelle Minden) nachdenken. Im Ältestenrat, der aus den Fraktionsvorsitzenden Kurt Nagel (CDU), Olaf Winkelmann (SPD), Volker Brand (Grüne), Thomas Heilig (UW), Andreas Korff (Linke), Reiner Barg (BBO) und Wilhelm Ober-Sundermeyer (FDP) sowie Bürgermeister Achim Wilmsmeier besteht, wurde offenbar deutlich, dass es an der Feuerwehrleitung sei, restlos alle Knackpunkte und ein Konzept auf den Tisch zu bringen. In den kommenden Tagen sollen Wachleiter und Wehrleiter nun die Punkte aufführen, an denen es hakt. Vermutlich wird dabei aber das Thema Betriebsklima nicht erfasst werden, befürchten Kritiker. Massive Überstunden und 72-Stunden-Wochen gibt es nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch im Rettungsdienst, wie Betroffene berichteten. Ursächlich für die hohe Fluktuation auf der Feuer- und Rettungswache sollen Probleme im alltäglichen Dienstbetrieb, im Umgang mit den Feuerwehrmännern, miserable Dienstpläne und fehlende interne Fortbildungen oder Übungen sein, so heißt es. "Aus der Umgebung wird sich niemand hier bewerben" Zum 1. Juli wurden im Schnitt 300 Überstunden pro Feuerwehrmann ausbezahlt, mittlerweile ist das Stundenkonto der einzelnen Mitarbeiter annähernd wieder bei dieser Zahl. Denn fehlen Leute, muss der Rest öfter einspringen. Statt acht 24-Stunden-Schichten im Monat werden auf der Wache bis zu zwölf solcher Dienste geleistet. Und auch im Rettungsdienst sind 36-Stunden-Schichten in einem Zeitraum von 48 Stunden keine Seltenheit, sondern an der Tagesordnung, berichten Betroffene. Wie die Personalabteilung der Stadt Bad Oeynhausen den Feuerwehrmännern per Mail mitgeteilt haben soll, werden die Überstunden künftig automatisch zum 1. Dezember, 1. März und 1. Juli 2018 ausgezahlt. „Für uns ist das das Signal, dass die Problematik offenbar auf unserem Rücken ausgetragen werden soll", sagen die Feuerwehrmänner. Laut NW-Informationen sollen zudem jeweils fünf Stellen auf A?8 und A?9 hochgestuft werden. Wobei letztere eher für den Rettungsdienst geschaffen würden. Weil die Kosten nicht die Stadt, sondern die Krankenkassen tragen würden. 2018 sollen zudem Brandmeisteranwärter eingestellt werden. Mehr Personal ist deshalb trotzdem nicht da, denn die Azubis sind erst nach rund 18 Monaten komplett einsatzfähig. Und obwohl die Ausschreibungen für Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Rettungsassistenten sowie für Brandmeister mit Besoldung A?7 permanent online steht, gibt es kaum Bewerber. „Schlechte Arbeitsbedingungen sprechen sich rum. Aus der Umgebung wird sich niemand hier bewerben", prophezeien die Feuerwehrmänner.

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