So viele Räder: Volker Brandt (l.) und Andreas Edler in der gut genutzten Radstation des Bahnhofs. - © Jörg Stuke
So viele Räder: Volker Brandt (l.) und Andreas Edler in der gut genutzten Radstation des Bahnhofs. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Weichenstellung für Bahnhofssanierung

Bürgermeister stellt Instandsetzung der Halle in Aussicht. Fünferbündnis ist gegen einen Weiterverkauf des Bahnhofsgebäudes – die Stadt soll es in eigener Hand behalten und betreiben

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Abschied vom Doppelbeschluss. Im Juni 2016 hatte der Rat noch zwei Wege offen gehalten: Die Stadtverwaltung sollte einen Investoren suchen, der den Bahnhof übernehmen und entwickeln will. Und gleichzeitig auch die Option für einen Betrieb des Bahnhofs in Eigenregie offen halten. Nun plädiert das Fünferbündnis aus SPD, Grünen, BBO, UW und Linken klar gegen einen Weiterverkauf des Bahnhofs. „Betrieb und Sanierung sollen in Eigenregie der Stadt erfolgen", sagte Olaf Winkelmann am Mittwochnachmittag bei einer Besichtigung vor Ort. Zu der hatte das Fünferbündnis eingeladen, und rund 50 Politiker und Bürger waren erschienen. Zur Einstimmung lud Bürgermeister Achim Wilmsmeier zu einem Rundgang durch die Immobilie ein, die die Stadt Ende 2015 für 300.000 Euro gekauft hat. Im ehemaligen Wartesaal und der ehemaligen Bahnhofsgaststätte machte Dieter Hinzmann von der Stadtverwaltung den Besuchern klar: „Das sind nicht nur optische Schäden. Hier besteht deutlicher Sanierungsbedarf." Für den Bahnhof wurde Denkmalschutz beantragt Ähnliches gilt für das Obergeschoss. „Das war eine Wohnung. In der aber seit zehn Jahren keiner mehr drin war", sagte Hinzmann. Beim Rundgang staunten die Besucher, wie großzügig die Räume sind. Auf 170 Quadratmeter schätzt der Immobilienfachmann der Stadt die Wohnfläche. Priorität aber hat das Erdgeschoss. „Die Empfangshalle soll in den nächsten beiden Jahren von innen und außen grundsaniert werden", kündigte der Bürgermeister an. Dafür sind im Haushaltsplan 2018 und 2019 insgesamt 900.000 Euro vorgesehen. „Das reicht für mehr als Kosmetik", so Wilmsmeier. Einige Elemente wie die Kassettendecke der Halle sollen erhalten bleiben, andere durch Modernes ersetzt werden. Offen ist, ob womöglich der Denkmalschutz die Planungen einschränken wird. „Noch ist das Gebäude nicht geschützt", sagte Wilmsmeier auf Nachfrage von Eckhard Grummert. „Allerdings liegt ein Antrag vor, den Bahnhof unter Denkmalschutz zu stellen." Nach Informationen der NW hat Stadtheimatpfleger Klaus Peter Schumann den Antrag gestellt, über den aber noch nicht entschieden wurde. Eine gute Nachricht übermittelte Wirtschaftsförderer Patrick Zahn. Der neue Pächter des Kiosks, der seit Ende September geschlossen ist, wolle nächste Woche mit dem Umbau beginnen und Anfang Dezember neu eröffnen. „Die Pläne sehen schick und schön aus", so Zahn. Toiletten sollen von der Empfangshalle erreichbar sein „Der neue Kiosk wird aber nicht reichen", konstatierte Wilmsmeier. Die Halle solle optisch modern gestaltet werden, mit Wartebereichen und Sitzgelegenheiten. Auch die Toilettenanlage, die bisher nur über die Kneipe der Schützen zugänglich ist, soll in diesem ersten Sanierungsschritt auch über die Empfangshalle zugänglich gemacht werden. „Vor allem aber muss Leben rein in den Bahnhof", sagte der Bürgermeister. Angebote für Essen und Trinken gehören dazu, womöglich eine Mobilitätsstation, die Bahn, Busse, und Radverkehr miteinander verzahnt. „Und eine Touristeninfo", regte Monika Brackmann-Tiedau an. Und die Vertreter des Fünferbündnisses nickten dazu. Einig ist sich das Bündnis auch: Der Bahnhof soll nicht wieder verkauft werden. Zum einen wegen seiner städtebaulichen Bedeutung. „Er ist das Tor zur Stadt", sagte Winkelmann. Fakt sei aber auch: „Es wurde kein tragfähiges Investoren-Konzept gefunden." Winkelmann bat die Besuchergruppe um eine Probeabstimmung. Und bis auf einen hoben alle Teilnehmer die Hand dafür, dass die Stadt den Bahnhof in Eigenregie sanieren und betreiben solle. Einen entsprechenden Antrag will das Bündnis dem Rat am 13. Dezember vorlegen. Die CDU hatte sich ohnehin schon für diese Lösung ausgesprochen. Auf fruchtbaren Boden fiel auch die Anregung von Rüdiger Beinroth. „Dies ist heute ja ein guter Anfang. Aber beteiligen Sie doch die Bürger an der Planung, lassen Sie sie mitdenken." Das solle geschehen, versicherte der Bürgermeister. So soll es womöglich Anfang nächsten Jahres einen Bürgerworkshop zur Zukunft des Bahnhofes geben.

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