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Bad Oeynhausen Das Herz ist immer unter Kontrolle

Dauerhafte Überwachung: Mit einer App auf dem Handy können Patienten selbst ihre Herzdaten erfassen und übermitteln. Damit können Ursachen für Erkrankungen besser gefunden werden

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Eine plötzliche Bewusstlosigkeit war vor vier Jahren der Grund für Stephan Grussels schweren Verkehrsunfall. Die Ursache ist unklar, deshalb lebte der 47-Jährige in ständiger Angst vor einem erneuten Ausfall. Doch jetzt hat er Hoffnung, dass das medizinische Rätsel gelöst wird und gezielte Vorsorge getroffen werden kann. Grussel trägt einen kleinen Monitor über seinem Herzen, dessen Daten rund um die Uhr mit einer Handy-App aufgezeichnet und an die kardiologische Klinik des Herz- und Diabeteszentrums übermittelt werden. Anders als bei einem (Langzeit-)EKG handelt es sich nicht um eine Momentaufnahme. „Wir zeichnen kontinuierlich auf", erläutert Georg Nölker, Leiter des Bereiches Elektrophysiologie im HDZ. Damit besteht die Chance, auch seltene Ereignisse, wie plötzliche Bewusstlosigkeit, Schwindel oder kurzzeitiges Herzrasen, zu diagnostizieren. Sechs Mal größere Chancen als mit mobilem EKG Die Chance, lebensgefährliches Vorhofflimmern zu diagnostizieren ist mit dem neuen Gerät sechs Mal größer als mit mobilen Langzeit-EKG-Geräten. „Deutlich mehr Bedienungskomfort" bescheinigt Nölker den neuen Herzmonitoren, die bislang bei etwa 20 Patienten eingesetzt wurden. Bisher mussten die Daten mit einem hochfrequenten Sendegerät oder mit einem Transmitter entweder beim Arzt ausgelesen oder an ihn übermittelt werden. Auch Grussel hat in den letzten Jahren immer mal wieder Beschwerden gehabt, war dann zum Arzt gegangen und ohne Befund nach Hause gegangen: „Weil ich eben zum Zeitpunkt der Untersuchung nichts hatte". „Seltene Ereignisse müssen auch geklärt werden", betont Oberärztin Vanessa Rubesch-Kütemeyer. Schließlich können auch die erste Warnzeichen beispielsweise für Herzinfarkt und Schlaganfall sein. Kosten werden von den Krankenkassen übernommen Das kleine Überwachungsgerät wird in einem etwa 30-minütigen ambulanten Eingriff unter die Haut über dem Herzen implantiert. Nölker: „Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen." Über eine interaktive App auf dem Smartphone werden die Aufzeichnungen weitergeleitet. „Ich kann mich selbst untersuchen", ergänzt Grussel den besonderen Vorteil der neuen Technologie. Sobald er beispielsweise Symptome wie Herzrasen. Atemnot oder Schwindel spürt, kann er das mit der Handy-App mitteilen und zusätzliche Messungen veranlassen. „Pulsschläge unter 40 und über 170" nennt er ein Beispiel für seine persönlichen Grenzwerte, die automatisch zu einer Rückmeldung durch einen Kardiologen führen. „Durch unser Institut für angewandte Telemedizin ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung gewährleistet", betont Nölker. Hoher Puls bei der Kartoffelernte Mit der Aktivierung der Handy-App ist es allerdings nicht getan. Grussel muss auch eine Art Tagebuch führen, in dem er nicht nur bestimmte Ereignisse beschreibt. Am 19. Oktober beispielsweise hatte er plötzlich einen Puls von 170. Und konnte seinen Ärzten dafür eine gute und vor allem harmlose Begründung liefern: „Da habe ich Kartoffeln geerntet und hart gearbeitet". Schon jetzt steht für den in der Grafschaft Bentheim lebenden Maschinenbediener ein Nutzen der neuen Technologie außer Frage: „Die Handy-App schenkt mir Sicherheit". Und die Hoffnung, doch noch die Ursache für seine plötzliche Bewusstlosigkeit zu finden.

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