Bad Oeynhausen Roboter hilft beim Gehtraining

Johanniter Ordenshäuser: Neues Gerät macht Behandlung effektiver. Moderne Technik sichert individuelle Anpassung. Patienten schaffen viel mehr Schritte

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Gleichmäßig setzt Horst Pohoriljak einen Fuß vor den anderen, eine halbe Stunde lang. Dann hat er sein Ziel erreicht. 1.000 Meter hat der 65-Jährige auf dem Laufband zurückgelegt – obwohl er rechtsseitig gelähmt ist. Vor drei Monaten hat der Bielefelder einen schweren Schlaganfall erlitten, ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich bin selbssttändig und muss deshalb besonders schnell wieder Gas geben", betont er. Und deshalb habe er sich auch für eine stationäre Rehabilitation in den Johanniter Ordenshäusern entschieden. „Weil die einen robotergestützten Gangtrainer haben". Locomat heißt das in der Schweiz entwickelte Gerät, dessen Kosten vom kaufmännischen Leiter der Ordenshäuser, Michael Schelp, auf einen „niedrigen sechsstelligen Betrag" beziffert werden. Mit einem speziellen Gurtsystem wird der Patient im Gangtrainer gesichert. High-Tech in den individuell anpassbaren Hüft- und Knieantrieben steuert die Bewegung, die aus eigener Kraft nicht möglich wäre. Auf dem Monitor wird Kraftaufwand sichtbar Durch eine zusätzliche Aufhängung kann auch für eine Gewichtsentlastung gesorgt werden. Ähnlich wie im Wasser wird dadurch die Bewegung erleichtert. Auf dem Monitor wird jederzeit sichtbar, wieviel Unterstützung der Patient durch den Roboter bekommt. „Aus dem Flachland muss ein Hügel werden", macht Gabriele Ehlenbröker das Ziel anschaulich. Sie ist als Physiotherapeutin in den Ordenshäuser auch für Horst Horst Pohoriljak verantwortlich und kann dessen Behandlungsfortschritte richtig einschätzen. „Es geht noch schneller", ist sie sicher. Auf Knopfdruck erhöht sie die Geschwindigkeit des Laufbands. Ihr Kollege Markus Kretzschmar hat zusätzlich die Gewichtsentlastung verringert. Für Horst Pohoriljak kein Problem. „Das schaff ich auch". Schließlich haben ihn die Fortschritte der letzten Trainingseinheiten motiviert. Und über Muskelkater muss er auch nicht klagen. Für das linke Bein stellt das Training ohnehin keine Belastung dar. „Und rechts habe ich ja noch kein Gefühl", stellt er nüchtern fest. Gehen lernt man nur durch Gehen Für Ehlenbröker stehen die Vorteile des Gangtrainers außer Frage: „Der ist viel effektiver als eine herkömmliche Behandlung". Denn fasst sie einschlägige medizinische Erkenntnisse zusammen: „Gehen lernt man nur durch Gehen". Und dieses Training kostet ohne den Locomat viel mehr Zeit und Kraft – auch die der Therapeuten. Die müssen Patienten wie Horst Pohoriljak sonst selbst sichern und aktivieren. „In einer Trainingseinheit schaffen wir dann maximal ein paar Schritte an der Haltestange", sagt Ehlenbröker. Kein Vergleich mit den 1.000 Metern im Gangtrainer. Die Horst Pohoriljak zuversichtlich machen, dass er sein großes Ziel erreicht: „Ich will wieder ganz alleine laufen können". Vielleicht sogar mehr als 1.000 Meter.

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