Geschichten von Prominenten: Für die 25. Auflage der Märchentage hat Sylvia Steppenek Bücher von und über berühmte Persönlichkeiten herausgesucht. Schmuckstück der Auswahl ist das von Karl Lagerfeld illustrierte Buch „Des Kaisers neue Kleider“. - © Foto: Nicole Bliesener
Geschichten von Prominenten: Für die 25. Auflage der Märchentage hat Sylvia Steppenek Bücher von und über berühmte Persönlichkeiten herausgesucht. Schmuckstück der Auswahl ist das von Karl Lagerfeld illustrierte Buch „Des Kaisers neue Kleider“. | © Foto: Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen Ein Haus der Erzählkunst

Märchentage: Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 25. Todestages von Karl Paetow, dem Gründer des Märchenmuseums. Mit Geschichten und Illustrationen von Prominenten wie Karl Lagerfeld

Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen. Erzählen ist wie Kino ohne Leinwand oder auch die ursprünglichste Form des Theaters. „Einer, der ein besonderes Talent fürs Erzählen hatte, war ohne Zweifel Karl Paetow", erinnert sich Museumsleiterin Hanna Dose, die den Schriftsteller, Kunsthistoriker und Gründer des Märchenmuseums zu Beginn ihrer Amtszeit in Bad Oeynhausen noch persönlich kennen gelernt hat. „Paetow hatte eine außergewöhnliche Erzählbegabung, er konnte aus dem Stand Geschichten entwickeln", weiß Dose. Im Oktober jährt sich der Todestag des Museumsgründers zum 25. Mal. Auch ist es die 25. Auflage der Märchentage, denn die wurden als Geschenk zu Karl Paetows 90. Geburtstag ins Leben gerufen. Der Museumsgründer allerdings verstarb noch in der Vorbereitungszeit. Diesen Jahrestag hat das Team des Märchenmuseums um Leiterin Hanna Dose zum Anlass genommen, die Märchentage unter das Motto „Die Lust am Erzählen" zu stellen. Bei den Märchentagen, die vom 20. bis 29. Oktober stattfinden, geht es nicht nur um Märchen und Erzählungen und die, die sie gerne hören, sondern auch um die, die oft selbst im Fokus von Geschichten stehen: Um Prominente. Am Sonntag, 29. Oktober um 15 Uhr wird Sylvia Steppanek unter dem Motto „Von Luther bis Lady Di" Bücher aus der Museumsbibliothek vorstellen, in denen Prominente selbst geschriebene Geschichten erzählen oder alte Märchen neu interpretieren. Schmuckstück dieser Auswahl dürfte das Buch „Des Kaisers neue Kleider" sein. Den Text hat der amerikanische Autor Nicolas Allan neu interpretiert, illustriert hat es Modeschöpfer Karl Lagerfeld. Und da wundert es nicht, dass der Kaiser Züge des Modezaren zeigt. Auch die belgische Königin Fabiola hat sich als Märchenerzählerin verewigt. „In dem kleinen Büchlein „The Happy Princess" wird die Geschichte von Lady Di erzählt", ergänzt Sylvia Steppanek. Von der eigenen Kindheit, über die Märchenhochzeit mit Prinz Charles, auch die weniger glücklichen Momente im Leben der Prinzessin finden Platz in dem Büchlein. Um die Bedeutung des Erzählens wissen nicht nur die aktuellen Mitarbeiter des Museums sowie die Mitglieder des Erzählkreises. „Die Wichtigkeit des Erzählens hatte Karl Paetow bereits erkannt, bevor Sprachwissenschaftler die Bedeutung für die Sprachförderung von Kindern erkannt haben", sagt Hanna Dose. Dose hat Paetow in seinen letzten Lebensmonaten zwar nur zwei, drei Mal getroffen, „aber lang genug, um seine Idee für die Gründung des Museums zu verstehen." Paetow selbst war Schriftsteller und promovierter Kunsthistoriker. Er publizierte mehrere Märchen- und Sagen-Bücher, darunter auch die Wittekindsage und „die schönsten Wesersagen". 1973 schenkte er der Stadt Bad Oeynhausen seine private Märchensammlung und legte damit den Grundstein für das Märchenmuseums. Das Museum eröffnete in der Villa Baehr am 13. Januar 1973 seine Pforten und Karl Paetow war neun Jahre sein ehrenamtlicher Leiter. „Karl Paetow wollte mit seinem Märchenmuseum ein lebendiges Haus zur Tradierung der Volksmärchen und Sagen schaffen. Sein Ziel hat er mit einem enormen persönlichen Einsatz, insbesondere durch seine engagierten Führungen und Dank der Hilfe seiner zweiten Ehefrau Eva, die einen Großteil der Erzählstunden übernahm, erreicht", berichtet Hanna Dose. Die Gründung des Märchenmuseums sei allerdings zu einer Zeit erfolgt, als Märchen als pädagogisch überfrachtet galten und die Museumspädagogik noch in den Kinderschuhen steckte, so Dose. Das Ehepaar Paetow habe sogar eine Laienspielgruppe eingerichtet, ebenso wie Karl und Eva Paetow mit Kindern das Märchenerzählen übten, um sie zu „Museumshelfern" auszubilden. Auch die Erzählstundenangebote im Märchenmuseum wurden sehr gut angenommen. „Das ist bis heute so geblieben", sagt Dose. Seit der Gründung des Museums findet an jedem ersten Freitag im Monat eine öffentliche Märchenerzählstunde statt", berichtet Hanna Dose.

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