Polarisiert: Der Wolf treibt Tierzüchtern den Schweiß auf die Stirn. Artenschützer bestehen auf den Schutz des Wildtieres. - © Wagner/dpa
Polarisiert: Der Wolf treibt Tierzüchtern den Schweiß auf die Stirn. Artenschützer bestehen auf den Schutz des Wildtieres. | © Wagner/dpa

Bad Oeynhausen NRW gibt Wolf nicht zum Abschuss frei

Diskussion: Walter Jäcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, hat Verständnis für die Sorgen von Landwirten und Weidetierzüchtern, sieht die Forderung nach einer Abschussregelung aber kritisch

Nicole Bliesener

Düsseldorf/Bad Oeynhausen. Der Wolf wird in Nordrhein-Westfalen nicht zum Abschuss freigegeben. „Die Landesregierung beabsichtigt nicht, den Wolf in das Landesjagdrecht aufzunehmen", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Antwort von NRW-Naturschutzministerin Christina Schulze Föcking (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage. Der AfD-Abgeordnete Sven Tritschler hatte moniert, dass es in NRW zuletzt 18 Wolfsnachweise gegeben habe und vereinzelt auch Schafe gerissen worden seien. Die Ministerin hielt dagegen, es gebe „ausreichende Handlungsmöglichkeiten gegen einen auffälligen Wolf". Das Land kompensiere zudem schon seit Jahren die von Wölfen verursachten Nutztierrisse. Die Zuwendungen seien zusammengefasst in der „Förderrichtlinie Wolf". Sollte es künftig Hinweise auf Gefahren für Menschen geben, werde das Land weitergehende Maßnahmen ergreifen - "gegebenenfalls auch den Abschuss eines Wolfes", stellte Schulze Föcking klar. Proteste in OWL Auch in OWL hatten zuletzt Landwirte und Weideviehhalter mit Mahnfeuern gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Wolfs protestiert - wie jüngst im August im Nordwesten des Mühlenkreises bei Stemwede. Landwirte und Tierzüchter fordern eine Bejagung des Raubtiers. "Wir Jäger haben mit dem Wolf nichts zu tun", entgegnet der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Walter Jäcker. Denn: Gejagt werden dürfen nur Wildtiere, deren Bejagung per Gesetz mit einer Jagdzeit geregelt ist. Zudem sei der Wolf in Deutschland ein streng geschütztes Tier. "Selbst wenn der Wolf ins nordrhein-westfälische Landesjagdgesetz aufgenommen würde, darf er nicht geschossen werden, er würde nämlich keine Jagdzeit haben", fügt Jäcker hinzu. Im Gegenteil: Oberste Pflicht des Jägers sei die Hege. "Und diese Pflicht besagt: Finde ich ein verletztes Wildtier, muss ich mich drum kümmern, unter Umständen sogar zum Tierarzt bringen", verdeutlicht Jäcker die Aufgabe der Hege. Gehegt werden müssen alle Wildtiere. Gejagt werden dürfen in NRW nur 29 Tierarten. Bislang lediglich Einzelsichtungen Zu den jagdbaren Arten zählen beispielsweise Wisente, Schwarzwild, Damwild, Rotwild, Rehwild, Feldhase und Wildkaninchen, Dachs, Waschbär, Steinmarder, Fuchs, Iltis, Marderhund und zwölf Federwildarten wie Ringeltaube, Nilgans, Stockente oder Fasan. Aufgenommen werden Tierarten dann, wenn sie in ausreichendem Maße vorhanden sind und genutzt werden können. "Die Jagdzeit kann aber auch eine Wirkung als Regulativ haben", sagt Jäcker. Ein Beispiel dafür, dass diese regulierende Wirkung aber nicht immer funktioniert, sei der Waschbär. "Dem Waschbär kommt seine heimliche Lebensweise und seine Vermehrungsfreude zu gute", weiß Jäcker, der davon überzeugt ist, dass sich die Anzahl der Waschbären in NRW nur schwerlich reduzieren lassen wird. Gegen eine Aufnahme des Wolfs ins Landesjagdgesetz inklusive einer Jagdzeit spräche derzeit schlicht die Tatsache, dass es in NRW noch keine Wölfe gibt. "Bislang wurden lediglich Einzelwölfe gesichtet", sagt Jäcker. In diesem Jahr hat es in NRW sieben Sichtungen gegeben - darunter auch die am 20. Februar in Bad Oexen. "Die letzte belegte Sichtung war am 24. Mai im Kreis Siegen-Wittgenstein", bestätigt Thomas Pusch, Sprecher des NABU-Landesfachausschuss Wolf in NRW, auf Anfrage der NW. Entschädigungsprogramm für Landwirte Die Sorgen von Weidetierzüchtern und Landwirten kann Walter Jäcker nachvollziehen. "Schließlich ist der Wolf wie alle Beutegreifer ein Opportunist. Und ein Schaf ist leichter zu reißen als ein Reh", so Jäcker. Eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht hält der Vorsitzende der Kreisjägerschaft aber ebenso wenig für zielführend wie eine begrenzte Abschussfreigabe. "Ein vernünftiges Entschädigungsprogramm für ausgewiesene Gebiete ist eher sinnvoll", glaubt Jäcker. Wichtig sei, dass der Wolf seinen Respekt vor dem Menschen behalte, also auf keinen Fall angefüttert werde. Sollte sich ein Wolf zu dicht an Häusern herumtreiben, sei der Abschuss eine ordnungsrechtliche Angelegenheit der Polizei, sagt Jäcker. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft hofft, dass Wölfe in der hiesigen urbanen Kulturlandschaft noch lange Seltenheitswert haben und sich nicht niederlassen, sondern dort bleiben, wo genug Platz ist. Mit Material der dpa.

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