Standhaft: Fast zwei Stunden dauerte der NW-Wahltreff im Herforder Kreishaus mit (v. l.) Maik Babenhauserheide (Bündnis 90/Die Grünen), Tim Ostermann (CDU), Stefan Schwartze (SPD), Inge Höger (Die Linke), Jörn Döring (Freie Wähler), Sebastian Schulze (AfD), Siegfried Mühlenweg (FDP), Thorsten Gödecker (NW) und Christina Römer (NW). - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Standhaft: Fast zwei Stunden dauerte der NW-Wahltreff im Herforder Kreishaus mit (v. l.) Maik Babenhauserheide (Bündnis 90/Die Grünen), Tim Ostermann (CDU), Stefan Schwartze (SPD), Inge Höger (Die Linke), Jörn Döring (Freie Wähler), Sebastian Schulze (AfD), Siegfried Mühlenweg (FDP), Thorsten Gödecker (NW) und Christina Römer (NW). | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford/Bad Oeynhausen Rund 200 Besucher beim NW-Treff im Herforder Kreishaus

Stefan Schwartze, Tim Ostermann, Maik Babenhauserheide, Siegfried Mühlenweg, Jörn Döring, Sebastian Schulze und Inge Höger gaben Einblicke in ihre politischen Vor- und Einstellungen

Peter Steinert

Kreis Herford/Bad Oeynhausen. „Nein", sagt Tim Ostermann (CDU), er habe nicht zugestimmt, als Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grenzen für die Flüchtlinge öffnete. „Ja", sagt Stefan Schwartze (SPD), als er auf Versäumnisse angesprochen wird, „nicht alles kriegt man in der Koalition hin, man muss Kompromisse machen." Gut 200 politisch Interessierte hörten am Dienstagabend beim NW-Treff zur Bundestagswahl im Lichthof des Herforder Kreishauses klare Antworten der Kandidaten und kluge Fragen der Redakteure Christina Römer (Herford) und Thorsten Gödecker (Bad Oeynhausen), aber auch aus dem Publikum. Das setzte sich intensiv mit den Kandidaten Stefan Schwartze, Tim Ostermann und sowie Maik Babenhauserheide (Grüne), Siegfried Mühlenweg (FDP), Jörn Döring (Freie Wähler) und Sebastian Schulze (AfD) auseinander. Den erkrankten Fabian Stoffel (Die Linke) vertrat Inge Höger. Gleich zu Beginn gewann das Thema Breitbandausbau an Fahrt. Stefan Schwartze: „Wir müssen komplett ein zweites Förderprogramm starten." Thorsten Gödecker: „Bis wann dauert es, dass wir mit 120 Megabit surfen können?" Tim Ostermann: „Das kann noch einige Jahre dauern." Christina Römer: „Wie möchten Sie der Digitalisierung begegnen?" Maik Babenhauserheide: „Wir müssen frühzeitig schauen, wohin die Entwicklung geht und wo Arbeitsplätze wegfallen. Dafür muss es alternative Beschäftigungen geben." Gauland-Zitat ein Aufreger in der Runde Tim Ostermann bekräftige seine Haltung zu den Flüchtlingen: „Das Integrationsprogramm ist auch ein Konjunkturprogramm für die AfD gewesen". Dass sich die Gemüter an dieser AfD erhitzten, war auch in Herford zu erwarten. Vor allem deswegen, weil sich der Spitzenkandidat Alexander Gauland kurz zuvor dadurch bemerkbar machte, dass er die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) in Anatolien „entsorgen" wolle. Maik Babenhauserheide: „Wer so spricht, der spricht die Sprache der Faschisten." Der im heimischen Wahlkreis für die AfD antretende Sebastian Schulze mochte dennoch nicht davon abrücken: „Ich distanziere mich von keinem meiner Parteikollegen." Insgesamt zeigten sich die Kandidaten diskussionserprobt, standfest und parteitreu. Was sich bei Siegfried Mühlenweg offenbarte, der wiederholt für eine „flexible Rente" warb. Oder bei Jörn Döring, dem es das „bedingungslose Grundeinkommen" angetan hatte. Auch Inge Höger blieb auf Linie und forderte „eine höhere Besteuerung der Reichen". Wahrscheinlich konnte Stefan Schwartze gar nicht anders, als das SPD-Motto der „sozialen Gerechtigkeit" in den Ring zu werfen. Auch Kommunalpolitik ein großes Thema Doch es blieb nicht bei bundespolitischen Themen. Dafür sorgte die Löhner NW-Leserin Heike Tertocha. Ihre Frage zielte auf die Reduzierung der Polizeipräsenz in Bad Oeynhausen. Tim Ostermann: „Es kann nicht sein, dass in einer Stadt mit über 40.000 Einwohnern eine Wache nicht regelmäßig besetzt ist." Die Neubaupläne des Rödinghauser Küchenmöbelherstellers Häcker auf niedersächsischem Gebiet wurden ebenfalls thematisiert. Ostermann: „Den Wettbewerb unter den Bundesländern werden wir nie wegbekommen." Höger: „Industrie sollte da gebaut werden, wo ein Industriegebiet ist." NW-Leser Hans-Jochen Geertz’ Frage nach den Überhangmandaten beantwortete Tim Ostermann: „Das ist ein Problem, denn die Wähler wissen nicht, wie viele Abgeordnete sie wählen." Zum Ende der fast zweistündigen Veranstaltung kam die Herforderin Heidrun Mildner zu Wort. Sie wollte von Sebastian Schulze wissen, ob er zum Artikel 1 des Grundgesetztes stehe, wonach die Würde des Menschen untastbar ist. Der AfD-Politiker wich aus: „Wir erachten es als wichtig, dass von Deutschland keine Kriege ausgehen." Ein schlichtes „Ja" kam nicht über seine Lippen. Letztlich gelang, was NW-Redakteurin Christina Römer zu Beginn angekündigt hatte: „Wir wollen das Bild von den Kandidaten schärfer zeichnen."

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