Wasserwissenschaftler: Professor Eckhard Worch von der Technischen Universität Dresden forscht auf dem Gebiet der Wasserchemie. Die Farbbalken im Hintergrund symbolisieren das Periodensystem der Elemente. - © Andreas Albers, TU Dresden
Wasserwissenschaftler: Professor Eckhard Worch von der Technischen Universität Dresden forscht auf dem Gebiet der Wasserchemie. Die Farbbalken im Hintergrund symbolisieren das Periodensystem der Elemente. | © Andreas Albers, TU Dresden

Bad Oeynhausen Interview mit Forscher Eckhard Worch über Wasser

Ulf Hanke

Warum ist eine Enthärtung von Trinkwasser sinnvoll? Eckhard Worch: „Sie haben in Bad Oeynhausen mit 22 Grad deutscher Härte wirklich hartes Wasser. Es gibt zwei Sorten von Härte: Die Karbonat- und die Nichtkarbonathärte. Problematisch ist vor allem die Karbonathärte, die durch Calcium- und Hydrogencarbonationen bestimmt wird. Wenn man Wasser mit Karbonathärte erwärmt, fällt Kalk aus. Das wird zum Beispiel als Kesselstein sichtbar. Kesselstein lagert sich auf Heizflächen ab und hat eine viel geringere Wärmeleitfähigkeit als Metall, dadurch kann es zu höherem Energieverbrauch, zu Wärmestaus und letztlich zur Überhitzung und Zerstörung der Heizeinrichtung kommen." Ist Wasserenthärtung üblich? Worch: Enthärtungsanlagen sind weltweit Standardverfahren und zum Beispiel auch in den USA weit verbreitet. Sie sind ein Mittel zum aktiven Umweltschutz. Bei weichem Wasser wird weniger Waschmittel benötigt und es gelangen demzufolge weniger Tenside ins Abwasser. Das entlastet die Kläranlagen. Wasserenthärtung macht absolut Sinn. Der Einsparungseffekt hängt natürlich davon ab, wie aufmerksam die Dosieranleitungen für Waschmittel gelesen werden. Welche Enthärtungsmethoden gibt es? Worch: Es gibt verschiedene Enthärtungsmethoden, zum Beispiel durch Fällungsverfahren, durch Ionenaustauscher oder durch Membranverfahren. Die einfachste Variante der Enthärtung im Haushalt ist Enthärtung mit Ionenaustauschern, wie zum Beispiel in Geschirrspülern. Dort muss der Ionenaustauscher regelmäßig durch durch Salz regeneriert werden. Wie verhält sich künftig weiches Wasser in den bestehenden Rohrleitungen? Worch: Normalerweise kann da nicht viel passieren. Es könnte zu einer sehr langsamen Auflösung der Kalkschicht in den Rohren kommen. Das dauert aber Jahre. Was ist die Ursache dafür? Worch: Kalkauflösung und Korrosion werden durch den Kohlensäuregehalt und den pH-Wert bestimmt. Man muss daher die Veränderungen dieser Parameter durch das eingesetzte Enthärtungsverfahren und das anschließende Verschneiden mit härterem Wasser im Auge behalten. Wichtig ist die Einstellung des sogenannten Kalk-Kohlensäure-Gleichgewichts. Welche Lösung gibt es für das Kohlensäure-Problem? Worch: Die Lösung für kohlensäurehaltiges Wasser ist Ausgasen oder Filtern über spezielles Filtermaterial. Die Wasserchemie ist relativ komplex. Das spricht eher gegen eine dezentrale und für eine zentrale Wasserenthärtung: Die Fachleute der Stadtwerke haben das besser im Griff als Privathaushalte. Warum sollten die Stadtwerke nur bis 13 Grad deutscher Härte enthärten? Worch: Wasser mit 13 Grad deutscher Härte ist ein mittelhartes Wasser. Die Einstellung des Wassers auf den mittleren Härtebereich ist ein übliches Enthärtungsziel. Noch weicheres Wasser wäre nicht sinnvoll, man will ja noch Mineralien im Trinkwasser behalten. Außerdem wäre das unnötig teuer. Das Dresdener Wasser hat beispielsweise einen Härtegrad von 6-13 Grad deutscher Härte, je nach Wasserwerk. Ein Teil des Wassers wird extra aufgehärtet, um den gleichen Härtegrad zu bekommen. Was sparen Wasserbraucher mit weichem Wasser? Worch: Die Kalkulation der Stadtwerke Bad Oeynhausen zu möglichen Einsparungen von 50 Cent pro Kubikmeter Wasser ist in Fachkreisen akzeptiert. Die Frage ist aber, ob die Kostensteigerung tatsächlich niedriger ausfällt als die Einsparungen, also ob das Wasserwerk den Wasserpreis nur um 30 Cent erhöht. Ist die Investition in eine Wasserenthärtung sinnvoll, wenn in Zukunft die Nitrat-Belastung womöglich ein viel größeres Problem für die Stadtwerke wird? Worch: Die Umkehrosmose filtert alle Ionen heraus, also auch Nitrat. Das ist bei Schnellenthärtungsverfahren wie mit Kalkmilch oder Natronlauge allerdings nicht möglich. Grundsätzlich sollte die Nitratbelastung aber beim Verursacher bekämpft werden und das ist vor allem die Landwirtschaft. Wie groß ist der Wasserverbrauch einer Umkehrosmose-Enthärtungsanlage? Worch: Das hängt von der Menge des enthärteten Wassers ab. Normalerweise wird nur ein Teil enthärtet und dann mit hartem Wasser wieder verschnitten. Auf der anderen Seite der Membran entsteht ein salziges Konzentrat. Das macht bei Umkehrosmose etwa 10 bis 25 Prozent der Wassermenge aus, die dem Verfahren zugeführt wird. Da dies aber nur ein Teil ist, verringert sich der Anteil bezogen auf die gesamte Wassermenge natürlich entsprechend des Verhältnisses von Teilstrom zu Gesamtstrom. Was passiert mit dem Abwasser der Enthärtungsanlage? Worch: Das Konzentrat ist stark salzhaltig und wird wie Abwasser behandelt.

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