Stadtoberhaupt kuschelt mit Kabarettistin: Bei ihrem Beutezug im Publikum hat Sissi Perlinger Achim Wilmsmeier ausgewählt, der sie hinter einer goldenen Brille mit Diadem anlächelt. - © Foto: Elke Niedringhaus-Haasper
Stadtoberhaupt kuschelt mit Kabarettistin: Bei ihrem Beutezug im Publikum hat Sissi Perlinger Achim Wilmsmeier ausgewählt, der sie hinter einer goldenen Brille mit Diadem anlächelt. | © Foto: Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen In den Armen einer starken Frau

Saisonauftakt im Theater im Park: 500 Abonnenten lassen sich von Kabarettistin Sissi Perlinger auf die neue Spielzeit einstimmen. Ihren Bürgermeister erleben die Gäste von seiner unterhaltsamen Seite

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Kabarett statt Canapés: Die alljährliche Saisoneröffnung im Theater im Park wurde rundum erneuert. Statt einem Büfett gab in diesem Jahr die Kabarettistin Sissi Perlinger in ihrem neusten Programm „Ich bleib dann mal jung" Ratschläge, wie das Älterwerden mit Leichtigkeit gemeistert werden kann – ein humoristischer Rundumschlag, der vom Publikum mit tosendem Applaus gefeiert wurde. Nicht jeder, der beim Saisonstart dabei sein wollte, konnte auch eine Eintrittskarte ergattern. „Wir hatten mehr als 700 Anfragen und mussten deshalb rund 200 Theaterbesucher enttäuschen", bedauert Hausherr Peter Adler mit Blick auf die begrenzte Platzkapazität im Zuschauerraum. In seiner Begrüßungsrede zog der Geschäftsführer des Staatsbades eine positive Bilanz:„Inzwischen liegt unsere Auslastung bei mehr als 80 Prozent." Einzelne Angebote aus dem Programm der nahenden Spielzeit stellte Adler in Form eines Quiz vor: Wer die richtige Antwort kannte, wurde mit einer Freikarte belohnt. Auf die Historie des Theaters ging Bürgermeister Achim Wilmsmeier ein: „Seit mehr als 100 Jahren wird hier für Unterhaltung gesorgt". Dass er dabei selbst einmal im Mittelpunkt des Vergnügens stehen würde, hatte er vermutlich nicht erwartet, als Sissi Perlinger ihn mitten im Programm auf die Bühne holte. Auf einem Stuhl platziert, setzte die Kabarettistin dem Stadtoberhaupt eine Brille mit Diadem auf die Nase, platzierte sich auf seinem Schoß und sang wie zur Beruhigung den Titel „Hab Vertrauen in starke Frauen". Wilmsmeier ertrug seinen Gastauftritt mit stoischer Gelassenheit und schaute sich den Rest des Programms dann wieder vom Zuschauerraum aus an. Da ist der Herr fortgeschrittenen Semesters, der sich Schwarzpulver auf sein Butterbrot streut, um es im Krematorium noch mal richtig krachen zu lassen. Da ist Marlene Schickelgruber, die sich im Fitnessstudio „Zum Goldenen Herbst" auftrainiert und jedes mal wenn sie sich alt fühlt, ins Museum zum „Mumien kieken" geht. Und da ist der Nachbar, der seinem verhassten Anrainer ein Schild mit der Aufschrift „Blumen pflücken erlaubt" in den Garten stellt. Auch wenn sich Sissi Perlinger in ihrem Rundumschlag zwischen Klamauk und intelligentem Humor auf das Älterwerden konzentriert, gibt es auch so manchen Seitenhieb für andere Disziplinen. Politiker, die immer mehr Diäten fordern und trotzdem beständig fetter werden oder Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die in der Partnerbörse Parship auf Beutezug ist, sind nur zwei Beispiele für das erweiterte Spektrum. Im rüschigen Leopardenlook beschwört Perlinger an der Gitarre, am Schlagzeug und mit Gesang und Tanz die Vorzüge des Alterns herauf. Etwa: „Ich mache mir eine Dose Ravioli auf und freue mich auf die Konservierungsstoffe". Oder: „Gerade beim Putzen sind die Folgeerscheinungen des Alterns von Vorteil. Denn was ich nicht sehe, wische ich auch nicht weg". Dann räumt die Entertainerin mit unliebsamen Redewendungen wie „Heim ins Reich" auf und empfiehlt: „Geh lieber reich ins Heim". Im Publikum kommt das Kabarettprogramm hervorragend an und wird gefeiert. Sissi Perlinger ergibt sich und legt erst mit einer Zugabe und dann mit einem Kompliment an die Gäste nach: „Bad Oeynhausen ist so schön wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Ihr seid so ein tolles Publikum und es wäre großartig, wenn ihr mit mir auf Tournee gehen könntet". Mit dem Wunsch nach einem entspannten Älterwerden verabschiedet sie sich.

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