Stau auf der Mindener Straße: Ob der dichte Verkehr auf der Stadtautobahn auch für dicke Luft sorgt, hat in Bad Oeynhausen noch niemand gemessen. Eine Technikerklasse des August-Griese-Berufskollegs hat hier jetzt eine erste Messstation installiert. - © Thorsten Gödecker
Stau auf der Mindener Straße: Ob der dichte Verkehr auf der Stadtautobahn auch für dicke Luft sorgt, hat in Bad Oeynhausen noch niemand gemessen. Eine Technikerklasse des August-Griese-Berufskollegs hat hier jetzt eine erste Messstation installiert. | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen/Löhne Schadstoffmessung an Mindener Straße

Die Verkehrsbelastung im Werretal ist enorm. Angeblich liegen die giftigen Abgase aber unter den Grenzwerten. Die Behörden verlassen sich auf Schätzungen. Berufsschüler haben erste Messstationen installiert.

Ulf Hanke

Die Wettervorhersage ist in den vergangenen Jahrzehnten immer genauer geworden. Es gibt das Regenradar, Strömungskarten und sogar Wetterprognosen, die zutreffen. Ganz ähnlich liegt der Fall bei der Vorhersage zur Luftverschmutzung in Bad Oeynhausen und Löhne. Doch während das Wetter in beiden Städten jeden Tag unter Beobachtung ist, hat die Luftverschmutzung im unteren Werretal noch keine Behörde nachgemessen. Hunderttausend Autos durchqueren Oeynhausen jeden Tag Jeden Tag drängen mehr als 100.000 Autos über die beiden Autobahnen ins Werretal. Mitten durch Bad Oeynhausen rollt der Schwerverkehr von den Häfen in Holland bis Osteuropa. Zu Stoßzeiten sind die die parallel zur Autobahn verlaufenden Straßen völlig überlastet. Unmengen von Abgasen werden dabei ausgestoßen. Als erstes atmen die Autofahrer die Schadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid selbst ein. Vor allem Dieselfahrzeuge pusten offenbar mehr Gift in die Umgebung, als sie dürften. Die Zeitungen sind voll vom Dieselbetrug. Messungen zeigen sinkende Werte in NRW In einigen Städten wie in Stuttgart drohen wegen der hohen Abgasbelastung Fahrverbote in der Innenstadt, weil die Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub regelmäßig überschritten werden. In Stuttgart messen die Behörden seit Jahren die Luftverschmutzung und dokumentieren die schlecht durchlüftete Kessellage. Verwaltungsrichter nehmen die Politik nun in die Verantwortung. Viele Kommunen mit ähnlichen Problemen reagieren mit Luftreinhalteplänen. In NRW nimmt die Belastung durch Stickstoffdioxid und Feinstaub nach Angaben des Landesumweltamts stetig ab. Die Behörde misst, wo Städte den Verdacht auf grenzwertüberschreitende Belastungen haben. Ein computergestütztes Rechnermodell, das Luftschadstoff-Screening, sagt die Belastung voraus. Das Modell ist offenbar ziemlich genau. Das zeigen jedenfalls Vergleiche an Stellen, wo nicht nur mit diesem Modell geschätzt, sondern auch tatsächlich nachgemessen wurde. Im Werretal gab es aber noch keine Messungen - nur Schätzungen In Bad Oeynhausen ist bisher nur geschätzt worden, in Löhne noch nicht einmal das. Bad Oeynhausen nimmt seit dem Jahr 2007 am Schadstoffscreening teil. Grundlage ist allerdings die offizielle Verkehrsstatistik und damit die ins Gerede gekommenen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen für die Mindener Straße (B61). Laut Statistik ist die Zahl der Autos an der Kreuzung zur Eidinghausener Straße seit dem Jahr 2000 um ein Viertel zurückgegangen. Mit diesen Zahlen wird der Computer gefüttert. Die Simulation ist allerdings auf Ruhrgebietsautobahnen mit Häuserschluchten ausgelegt. Das gibt‘s jedoch weder in Bad Oeynhausen noch in Löhne. Das Werretal gilt als vergleichsweise gut belüftet, es ist nicht so dicht bebaut wie das Stuttgarter Neckartor. Mit anderen Worten: Im Werretal verfliegt der Dreck viel schneller als im Stuttgarter Talkessel. Doch das ist nur eine Vermutung. Nachgemessen hat das noch keine Behörde – und die Stadt Bad Oeynhausen verweist auf Nachfrage auf das gute Screening-Ergebnis. Schüler messen  mit selbstgebauten Feinstaubsensoren Dabei könnte wenigstens die Feinstaubbelastung mit einfachsten Mitteln nachgemessen werden. Ein Bürger-Wissenschafts-Projekt in Stuttgart hat das vorgemacht und inzwischen ein beachtliches Messnetz in ganz Deutschland aufgebaut. Auf der Internetseite luftdaten.info sind aktuelle Messwerte aus der ganzen Republik zu finden. Dazu gibt‘s eine Bastelanleitung für die etwa 30 Euro teuren Einzelteile. Die Geräte brauchen allerdings zweierlei: Strom und WLAN. Auf Initiative der NW hat eine Techniker-Klasse des August-Griese-Berufskollegs zwei Feinstaubsensoren gebastelt und in Bad Oeynhausen und Löhne aufgehängt. Auch diese Messdaten sind unter luftdaten.info einzusehen.

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