Bahnlärm im Bahnhof: Das Eisenbahnbundesamt hat erste Ergebnisse der Lärmaktionsplanung vorgelegt. Die Nordbahn ist Hauptquelle für Eisenbahnlärm in Bad Oeynhausen. Archivfoto: Ulf Hanke - © Ulf Hanke
Bahnlärm im Bahnhof: Das Eisenbahnbundesamt hat erste Ergebnisse der Lärmaktionsplanung vorgelegt. Die Nordbahn ist Hauptquelle für Eisenbahnlärm in Bad Oeynhausen. Archivfoto: Ulf Hanke | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Bahn fragt Lärmbelastung ab

Fragebogenaktion: Bis zum 25. August können alle Bürger ihre Beeinträchtigungen durch Schienenverkehr angeben. Bisher haben das nur Wilhelm Flottmann und sieben weitere Betroffene getan

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Wilhelm Flottmann führt seit 1983 einen erbitterten Kampf gegen die Bahn, hat immer wieder die hohe Lärmbelastung durch den Schienenverkehr kritisiert. Nun macht der Rehmer Werbung für das Unternehmen: Er hat 300 Mails verschickt und die Adressaten gebeten, sich – genau wie er selbst – an einer Fragebogenaktion des Eisenbahn-Bundesamtes zu beteiligen. „Das ist eine gute Sache", betont Flottmann. Im nächsten Jahr will die Behörde einen bundesweiten Lärmaktionsplan für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes vorlegen. „Die Pläne enthalten Ziele und Strategien zur Lärmminderung", erläutert Pressesprecher Moritz Huckebrink. Sie sollen nicht nur als Informationsquelle für Bürger dienen, sondern auch Städten und Gemeinden eine Grundlage für künftige Maßnahmen bieten. Das Bundesamt erfüllt damit Vorgaben der europäischen Umgebungslärmrichtlinie beziehungsweise des Bundes-Immissionsschutzgesetz. Im Aktionsplan wird zum einen die sogenannte Lärm-Kartierung berücksichtigt. Das sind die Lärmberechnungen, die auf den Streckendaten der Deutschen Bahn basieren. „Außerdem wollen wir die subjektive Wahrnehmung der Bürger dokumentieren", ergänzt Huckebrink. Durch welche Art von Schienenverkehr fühlen Sie sich gestört? Wo und wann ist die Geräuschbelästigung besonders hoch? Bei welchen Tätigkeiten werden Sie besonders gestört? Welche Maßnahmen zur Lärmminderung halten Sie für geeignet? Insgesamt zwölf Fragen gilt es zu beantworten – online im Internet oder schriftlich auf Papier. Abgabetermin ist 25. August. „Termin!!!!!!" lautet daher auch nur die knappe Nachricht in Flottmanns E-mail – zusätzlich zum Hinweis auf die Fragebogenaktion. Schließlich weiß er aus langjähriger Erfahrung, dass „zu viel Text manchmal abschreckend wirkt". Und gerade das will er ja nicht. Im Gegenteil: „Je mehr sich beteiligen, desto besser". Aus seinem langen Kampf mit der Bahn weiß er, dass man „jede Möglichkeit ergreifen muss, Defizite zu kritisieren". Deshalb nutzt er auch gleich die Anfrage der NW zu einem konkreten Tipp für das Ausfüllen des Fragebogens: „Weisen Sie zusätzlich auf die hohe Lärmbelästigung durch die europäischen Hochleistungsgüterzüge hin". Der Lärmaktionsplan liefert nur eine Bestandsaufnahme, bietet aber keine Rechtsgrundlage zur Durchsetzung bestimmter Maßnahmen. Das ist Flottmann natürlich bekannt, nimmt ihm aber nicht die Hoffnung. Schließlich sind auch die acht Millionen Euro, die die Bahn bis 2019 für Lärmschutzmaßnahmen in Bad Oeynhausen ausgibt, eine freiwillige Investition. Flottmann: „Vielleicht gibt es doch noch weitere Verbesserungen". Im Bereich Steinstraße/ Nordbahnhof beispielsweise sind derzeit keine Lärmschutzwände vorgesehen – ein Grund mehr für ihn, speziell die Bewohner in der Innenstadt um Teilnahme zu bitten. Dass es hier noch Potenzial gibt, steht nach dem Blick auf die für jedermann einsehbare Beteiligungsstatistik (www.laermaktionsplanung-schiene.de/eisenbahnbundesamt/de/mapsurvey/50336) fest: In ganz Bad Oeynhausen haben sich erst sieben Bürger beteiligt. Jetzt ist Wilhelm Flottmann natürlich gespannt, ob sich sein Werbeeinsatz für die Bahn bemerkbar macht. Und ob die tatsächlich künftig auf die subjektiven Belastungen der Bürger Rücksicht nimmt. Informationen und Fragebogen: https://www.laermaktionsplanung-schiene.de/eisenbahnbundesamt/de/home

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