Bad Oeynhausen Gore-Tex-Fäden retten Leben

Bundesweit ganz vorn: Jan Gummert hat sich auf Herzklappenoperationen spezialisiert. Rekonstruktion hat immer Vorrang. Große Zahl von Eingriffen ist wichtiges Qualitätsmerkmal

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Die Reparatur von Herzklappen ist seine Spezialität: Jährlich nimmt Jan Gummert mehr als 100 Operationen an der Mitralklappe vor. Der Chefarzt der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW liegt damit im bundesweiten Vergleich mit seinen Kollegen ganz vorn. 50 derartige Eingriffe werden derzeit von Experten als Qualitätsmerkmal vorgegeben. Sie berufen sich auf das Ergebnis einer neuen amerikanischen Studie: „Je größer die praktische Erfahrung des Chirurgen, desto eher bleibt die rekonstruierte Herzklappe dicht". Angeborene Herzfehler, Infarkte und Verschleiß können dazu führen, dass die Herzventile nicht mehr richtig schließen. „Luftnot und spürbare Leistungseinschränkung" nennt Gummert als deutlichste Symptome der häufig lebensbedrohlichen Erkrankung. Künstliche Klappen haben viele Nachteile Neben 1.500 Aortenklappen-Operationen wurden im letzten Jahr über 720 Mitralklappen-Eingriffe im HDZ vorgenommen. „Das sind fast zehn Prozent der im Bundesgebiet durchgeführten Operationen" ergänzt Gummert stolz. „Rekonstruktion hat Vorrang", nennt er die wichtigste Behandlungsentscheidung. Künstliche mechanische Herzklappen erzeugen ständige Klickgeräusche, machen den Patienten lebenslang von blutverdünnenden Medikamenten abhängig und können durch Narbengewebe blockiert werden. Sie werden daher nur implantiert, wenn die Herzklappe durch eine Entzündung zerstört oder schwer verkalkt ist. Im letzten Jahr war das bei etwa 30 Prozent der Patienten der Fall. Das Alter des Patienten spielt für die Entscheidung keine Rolle. Gummerts ältester Patient war 85 Jahre, der jüngste 16 Jahre. „Zeitaufwand und damit auch die Dauer der Narkose sind bei beiden Operationen vergleichbar", ergänzt der Chirurg. „Nach einer erfolgreichen Herzklappen-Rekonstruktion haben Patienten statistisch gesehen die gleiche Lebenserwartung wie eine gleichaltrige Vergleichsgruppe", nennt Gummert mit Blick auf weitere Studien den für ihn wichtigsten Aspekt. Etwa drei Stunden dauert der Eingriff. „Wir setzen auf Gore-Tex-Fäden", beschreibt Gummert die Besonderheit der am Herz- und Diabeteszentrums praktizierten Reparaturmethode.. Früherer Chef ist stolz auf seinen Schüler Mit den Kunststofffäden, die gemeinhin von wasserundurchlässigen Kleidungsstücken bekannt sind, werden abgerissene Sehnenfäden an der Mitralklappe ersetzt. Rund 70 Prozent der Eingriffe werden minimalinvasiv, das heißt ohne eine große Öffnung des Brustkorbs, vorgenommen. Gummert hat von 1994 bis 2006 am Herzzentrum Leipzig gearbeitet, dort dieses Verfahren mitentwickelt und seit seinem Dienstantritt ab 2009 im Herz- und Diabeteszentrum etabliert. Friedrich Wilhelm Mohr, ehemaliger Ärztlicher Direktor und leitender Herzchirurg des Herzzentrums Leipzig, ist natürlich stolz auf seinen Schüler, hat er doch selbst immer gefordert: „Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte ein Chirurg mehr als 50 derartige Eingriffe vornehmen".

realisiert durch evolver group