In Bad Oeynhausen wurden vorsorglich alle OPs abgesagt. - © picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
In Bad Oeynhausen wurden vorsorglich alle OPs abgesagt. | © picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Bad Oeynhausen Lösungsmittel in der Klimaanlage: Operationen am Krankenhaus abgesagt

Vergiftung: Bei Dacharbeiten tritt offenbar ein Lösungsmittel aus und verteilt sich über die Klimaanlage in den Operationssälen. 13 Mitarbeiter klagen über Symptome

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Bei Arbeiten am Dach des Krankenhauses ist es Donnerstagmorgen zu einem Zwischenfall gekommen. Offenbar hat eine verwendete Grundierung ein Lösungsmittel abgesondert, welches sich über die Klimaanlage verteilt hat. Betroffen sind alle Operationssäle am Standort. Vorsorglich wurden bis auf weiteres alle geplanten Operationen abgesagt. Lediglich Notfälle können derzeit in einem dem OP-Standard entsprechenden Kreißsaal operiert werden. Der Rest des Krankenhauses ist nicht betroffen. Bereits seit einigen Monaten wird das Dach auf den Operationssälen erneuert. Donnerstagmorgen dann klagten plötzlich 13 Mitarbeiter aus dem OP-Bereich über Kopfschmerzen und Übelkeit. Vier von ihnen wurden stationär behandelt, konnten aber noch am Abend entlassen werden. „Die Patienten waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, weil sie im OP beatmet wurden und damit feinsten Sauerstoff bekamen", erklärte Christian Busse, Pressesprecher der Mühlenkreiskliniken gegenüber der NW. Als mögliche Usache kommt nach jetzigem Kenntnisstand in Betracht, dass eine bei den Dacharbeiten verwendete Grundierung ein Lösungsmittel abgesondert hat, das von der Klimaanlage eingezogen und anschließend in die OPs verteilt wurde. „Es handelt sich eigentlich um ein Standardprodukt", so Busse. Es dürfe mit handelsüblichem Gesichtsschutz aufgetragen werden, weil es laut Sicherheitsdatenblatt des Herstellers als „reizend für die Atemwege" gelte. Umfassende Analyse wird durchgeführt Als Behandlungsempfehlung bei Kontamination werden das „Entfernen aus dem Gefahrenbereich" und das „Zuführen von Frischluft" empfohlen. Busse: „Warum das von der Klimaanlage aufgenommene Lösungsmittel trotzdem solche Auswirkungen hatte, ist völlig unklar und wird untersucht." Derzeit führten Fachfirmen eine umfassende Analyse durch. „In der Raumluft konnten kurze Zeit nach dem Vorfall keine Partikel des Lösungsmittels mehr nachgewiesen werden." Die Untersuchungsergebnisse der Klimaanlage und des verwendeten Lösungsmittels stehen noch aus. Nach Abschluss dieser Untersuchungen wird über das weitere Vorgehen und die Öffnung der OPs entschieden. „Wir können nur abwarten", so Christian Busse. „Schließlich wollen wir unsere Mitarbeiter keinen Gefahren aussetzen. Die Sicherheit hat Vorrang." Auch wenn jeder Tag Ausfall der OP-Säle richtig viel Geld koste. Die geplanten Operationen sind abgesagt, Notfälle werden im Kreißsaal operiert. „Für den Bedarfsfall, also bei einer großen Zahl an Notfällen, sind am Johannes-Wesling-Klinikum in Minden und am Krankenhaus Lübbecke-Rahden weitere Behandlungskapazitäten geschaffen worden", erklärt Christian Busse. Die Patientenversorgung sei damit gewährleistet. In den anderen Abteilungen laufe der Betrieb wie gewohnt weiter.

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