Einladend: Johannes Kindler (oben), Mandy Fuchs und Alexander Wolanski im Eingang zu ihrer Bühne „Kleines Theater im Rehmer Eck". Premiere feiert das Theater am 8. April. - © Elke Niedringhaus-Haasper
Einladend: Johannes Kindler (oben), Mandy Fuchs und Alexander Wolanski im Eingang zu ihrer Bühne „Kleines Theater im Rehmer Eck". Premiere feiert das Theater am 8. April. | © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Die einstige Kneipe "Rehmer Eck" wird zum Theater

In die Räume der ehemaligen Gaststätte ist das Zimmertheater „Kleines Theater im Rehmer Eck“ eingezogen, das am 8. April mit einer Erich-Kästner-Revue eröffnet wird

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Wo jahrzehntelang Gerstensaft geflossen ist, betet demnächst Erich Kästners Jungfrau um die Liebe ihres Angebeteten. Denn in die Räume der ehemaligen Gaststätte „Rehmer Eck" ist das Zimmertheater „Kleines Theater im Rehmer Eck" eingezogen. Das Trio aus Johannes-Paul Kindler, Alexander Wolanski und Mandy Fuchs betreibt die erste private Bühne ihrer Art in Bad Oeynhausen. Am 8. April wird sie mit einer musikalisch-literarischen Revue unter dem Titel „Wo bliebt das Positive, Herr Kästner?" eröffnet. Ein roter Theatervorhang ziert schon die Eingangstür zum „Kleinen Theater im Rehmer Eck". Dahinter stehen 50 Stühle in Reih und Glied. Gegenüber auf der Bühne wird bereits kräftig geprobt. Mit einem Klavier, zwei Barhockern, einem Bistrotisch, einem Garderobenständer und einem Paravent hat das Trio eine Hotellounge eingerichtet – die passende Kulisse für die Revue mit Texten von Erich Kästner. Das Besondere daran: Die Zuschauer sitzen anders als in einem großen Theater hautnah am und im Geschehen und werden Teil eines intensiven und intimen Theatererlebnisses. 36 kleine Szenen Um „intelligente Unterhaltung im weitesten Sinn" geht es Johannes Kindler bei der Programmauswahl für das Premierenstück. Der 55-jährige, mehrfach ausgezeichneten Schauspieler aus Bad Oeynhausen, konzentriert sich dabei vor allem auf Kästners zwischenmenschliche Seite. Die 36 kleinen Szenen mit bekannten Titeln wie „Sachliche Romanze", „Sogenannte Klassefrauen" oder „Ansprache an Millionäre" geben tiefe Einblicke in die Gefühlswelt des Melancholikers Kästner. „Da geht es neben aller Politik- und Gesellschaftskritik besonders um das Nachtleben – um verschmähte, käufliche, zarte und handfeste Liebe", gibt Kindler einen Ausblick. Dem ein oder anderen Theaterbesucher mag die Stimme des Schauspielers, der drei Jahrzehnte auf Bühnen in ganz Deutschland und der Schweiz zu erleben war, bekannt vorkommen. Schließlich verlieh Johannes Kindler seine Stimme als Sprecher beim WDR unter anderem an Johnny Cash, John Lennon und David Bowie. Oder an zeitgenössische Autoren als Vorleser bei den Poetischen Quellen. Unterstützt wird Kindler im Schauspiel von der Darstellerin Mandy Fuchs, die mal als Kellnerin und dann wieder in Liebesdiensten zu erleben sein wird. Zwei weitere Stücke sind bereits in Planung Für die Musik ist Alexander Wolanski zuständig. Der routinierte Musiker und Inhaber einer privaten Musikschule in Bad Oeynhausen und Löhne, spielt zum einen Stücke, die die Macher des Zimmertheaters bei dem Magdeburger Komponisten Ernst-Ulrich Kreschel in Auftrag gegeben haben und zum anderen eigene Improvisationen, mit denen er Kästners Texte kommentiert. „Kreschels Kompositionen zeichnen sich durch eine vielseitige Harmonik aus. Da gibt es Jazz Akkorde und Dissonanzen, die Spannung erzeugen", beschreibt Wolanski die speziell auf Kästner zugeschnittenen Arrangements seines Kollegen. „Wenn das Zimmertheater beim Publikum angenommen wird, werden wir es dauerhaft bespielen", versichert Johannes Kindler. Dafür sind zwei weitere Stücke in Planung: Joop Admirals „Du bist meine Mutter" – ein Stück über das Vergessen und Abschiednehmen – und danach wird im ehemaligen „Rehmer Eck" ein Kinderstück aufgeführt.

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