Ehemaliger gibt Schülern Ratschläge: Patrick Rinke hat vor fast 23 Jahren sein Abitur am Immanuel-Kant-Gymnasium gemacht. Gestern gab der Professor den Schülern der Physikleistungskurse Einblicke in das Forscherleben. - © Foto: Nicole Bliesener
Ehemaliger gibt Schülern Ratschläge: Patrick Rinke hat vor fast 23 Jahren sein Abitur am Immanuel-Kant-Gymnasium gemacht. Gestern gab der Professor den Schülern der Physikleistungskurse Einblicke in das Forscherleben. | © Foto: Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen Professor macht Physik schmackhaft

Patrick Rinke ist Lehrstuhlinhaber an der Aalto-Universität in Helsinki. Der gebürtige Bad Oeynhausener gibt Oberstufenschülern Tipps für eine naturwissenschaftliche Berufswahl

Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen. Zaghaft gehen vier Hände in die Höhe. „Wer von euch möchte denn Physik studieren?", hatte Patrick Rinke zuvor in die Runde der etwa 20 Oberstufenschüler gefragt. Rinke ist Professor für Physik an der Aalto-Universität in Helsinki. Die Schulleitung des Immanuel-Kant-Gymnasiums hatte den gebürtigen Bad Oeynhausener und ehemaligen IKG-Schüler eingeladen, Oberstufenschülern eine naturwissenschaftliche Berufswahl schmackhaft zu machen. Das Gros der Schüler aus dem Physikleistungskurs möchte zwar studieren, weiß aber noch nicht genau was. „Kein Problem", sagt der 41-Jährige, „das wusste ich nach meinem Abitur auch noch nicht." Rinke hat sein Abitur 1994 am IKG gemacht, natürlich mit Physik als Leistungskurs. Nach dem Zivildienst hat er in Heidelberg Physik studiert und im englischen York promoviert. Weitere Stationen seiner Forscherlaufbahn waren das Max-Planck-Institut in Berlin, die University of California in Santa Barbara und seit 2014 der Lehrstuhl an der Aalto-Universität im finnischen Helsinki. „Moderne Forschung arbeitet interdisziplinär", sagt Rinke. Also Physiker gemeinsam mit Informatikern und Mathematikern. „Ich habe jetzt beruflich mit den Fächern zu tun, die mir in der Schule am meisten Spaß gemacht haben." Rinke erklärt den Schülern Projekte, an denen er arbeitet und ihren Einfluss auf das alltägliche Leben. „Ihr kennt den Einstein-Effekt?", fragt der Professor in die Runde. Eifriges Nicken. „Im Grunde beschäftige ich mich immer noch mit der Theorie der Quantenmechanik", sagt er. Allerdings mit dem Ziel, beispielsweise die LED-Technik oder die Energieausbeute von Solarzellen effizienter zu gestalten. Aktuell arbeitet Rinke zusammen mit Forschern aus Finnland, Deutschland, Spanien und England an einem EU-Projekt, das das Ziel hat, eine große Datenbank aus wissenschaftlichen Ergebnissen aufzubauen. Beispielsweise mit Daten über die Eigenschaften von Materialien. „Unser Traum ist es dabei, dass wir Vorhersagen über Materialien machen können, die es noch gar nicht gibt", erklärt Patrick Rinke den Physikschülern. Die hörten gebannt zu, hatten aber anschließend ganz praktische und existenzielle Fragen. Wie lange man denn ohne eigenes Einkommen auskommen müsse? Rinke rechnete vor: Drei Jahre dauert das Bachelorstudium und zwei Jahre der Master. „Wenn ihr euren Eltern einen Gefallen tun wollt, bewerbt ihr euch um Stipendien." Ab der Doktorarbeit werde man in Deutschland bezahlt, auch in Finnland bekomme man ein Gehalt, von dem es sich ganz gut leben lasse. „In der Forschung ist der Verdienst gut, in der Industrie allerdings besser", so Rinke. Zwingend auf die Liste der Empfehlungen setzt der gebürtige Bad Oeynhausener Auslandsaufenthalte. „In England, Finnland und den USA kommen Studenten aus allen möglichen Ländern zusammen, das ist sehr interessant", sagt Rinke und fügt hinzu: „Und auch die Partys sind gut." Sein Alltag als Professor habe allerdings nicht mehr viel mit den Experimenten aus Studienzeiten zu tun. „Als Professor kümmere ich mich darum, dass es meiner Forschergruppe gut geht." Und dies bedeute auch das Beschaffen von Forschungsgeldern. „Die meiste Zeit des Tages sitze ich am Rechner", sagt Rinke. „Eigentlich brauche ich nur einen Laptop, ich kann von überall auf der Welt arbeiten", sagt Rinke und das sei Fluch und Segen zu gleich.

realisiert durch evolver group