Für alle, von allen: Dieses Motto hat die Johanniter-Unfall-Hilfe über das Projekt Mehrgenerationenhaus stehen. Später dann könnten Frauen, Kinder und Seniorin zum Beispiel gemeinsam Angebote dort nutzen. Foto: DPA - © Verwendung weltweit
Für alle, von allen: Dieses Motto hat die Johanniter-Unfall-Hilfe über das Projekt Mehrgenerationenhaus stehen. Später dann könnten Frauen, Kinder und Seniorin zum Beispiel gemeinsam Angebote dort nutzen. Foto: DPA | © Verwendung weltweit

Bad Oeynhausen CDU stimmt gegen Mehrgenerationenhaus

Die Johanniter bekommen den städtischen Zuschuss und können mit ihrem neuen Projekt an den Start gehen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Die Zusage auf Förderung aus Berlin haben sie bereits, nun gab der Hauptausschuss das Okay für den kommunalen Zuschuss von jährlich 10.000 Euro bis 2020. Damit kann die Johanniter-Unfall-Hilfe wie geplant zum 1. Januar mit ihrem Mehrgenerationenhaus (die NW berichtete) starten. Der Neubau an der Weserstraße 24 -26 (ehemals Schuh Schröder) steht dann allerdings noch nicht. Der soll frühestens 2018 bezugsfertig sein. Das Ministeriums-Projekt „Mehrgenerationenhäuser" ist keinesfalls ein Wohnprojekt, sondern eine Begegnungsstätte für Menschen aller Altersgruppen. Mit vier Schwerpunkten: Alter und Pflege, Integration und Bildung, Angebot und Vermittlung von haushaltsnahen Dienstleistungen und das freiwillige Engagement. Auf dem 5.754 Quadratmeter großen Grundstück an der Weserstraße – zwischen der neuen Seniorenresidenz, der Klinik Porta Westfalica und der Oeynhauser Schweiz – möchten die Johanniter am liebsten zwei Projekte realisieren: das Mehrgenerationenhaus und eine neue Kindertagesstätte. Für letztere haben sich die Johanniter neben der Kirche bei der Stadt um die Trägerschaft beworben (wir berichteten exklusiv). „Es werden zwei separate Gebäude – und das Mehrgenerationenhaus auch ohne die Kindertagesstätte gebaut", erklärt Dominic Fricke, Bereichsleiter Fundraising und Fachbereichsleiter Integrationsarbeit bei den Johannitern. Von 2017 bis 2020, können die Johanniter mit einer jährlichen Förderung von 30.000 Euro aus dem Topf des Bundesfamilienministeriums rechnen. Diese Summe kann fließen, weil die Stadt jährlich 10.000 Euro drauflegt. Auf der zentrumsnahen Fläche soll ein viergeschossiger barrierefreier Bau entstehen mit 180 Quadratmetern Nutzfläche, einer Dachterrasse auf zwei Ebenen, 22 bis 28 Stellplätzen und 300 Quadratmetern Garten. „Im zweiten und dritten Obergeschoss soll es ein Wohnangebot des Berufsbildungswerkes des Wittekindshofes mit Appartementwohnungen geben, im ersten Obergeschoss ziehen die Sozialstation und Lacrima, die Trauergruppe für Kinder und Jugendliche, ein", erklärte Fricke die Pläne im Hauptausschuss. Außerdem sollen dort Beratungs- und Büroräume untergebracht sein. „Im Erdgeschoss gibt es Mehrzweckräume mit Gartenanbindung, Terrasse und Küche." Auch ein Sinnesgarten, eine Tagespflege und ein offener Treff sind geplant. „Der offene Treff ist der zentrale Bestandteil", beschreibt Fricke das Projekt. Was es dort an Angeboten geben kann, das haben die Johanniter konkret vor Augen: Inklusive Freizeit- und Kreativangebote für Kinder, eine Taschengeldbörse und die Chance, Kindergeburtstage zu feiern. „Für die Eltern könnten ein Kinderhotel, Randstundenbetreuung, Beratungen, Müttercafé, Selbsthilfegruppen, Stillgruppe, eine Hebamme und Vorträge angeboten werden", zeichnet Fricke die Zukunftsvision. Hinzu kommen Themenabende, Kochgruppen sowie Freizeit- und Beratungsangebote für Erwachsene. Für rüstige Senioren soll es Kontakt- und Anschlussmöglichkeiten geben, für Pflegebedürftige Pflegeberatung, das Projekt Zeitspende, Tagestreff und ein Demenzcafé. Zudem haben die Johanniter auch pflegende Angehörige und Menschen mit Behinderungen im Blick. Eine hauptamtliche Angestellte, die zwölf Jahre ein solches Haus geleitet hat, soll sich um die Koordination der Angebote kümmern. „Der Hauptteil soll von Ehrenamtlichen getragen werden, da das Projekt Mehrgenerationenhaus für eben dieses Engagement steht", erklärte Regionalvorstand Christian Rehberg. Kurt Nagel (CDU) war davon wenig angetan: „Das Projekt soll sich in Zukunft selbst finanzieren. Wie soll das gehen, bei einem solchen Angebot?" Rehberg: „Es soll sich durch die Mieteinnahmen tragen. Ansonsten haben wir Fördermitglieder und werben gezielt bei Sponsoren." Anette Hildebrandt-Sasse (CDU) war nicht überzeugt: „Das gibt es alles schon, wenn auch nicht gebündelt. Jedes Gemeindehaus ist ein Mehrgenerationenhaus". Begeistert waren sowohl Volker Brand von den Grünen („Für kleines Geld können wir hier eine Menge an Qualität erzielen.") und Reiner Barg von der BBO („Das Projekt überzeugt. Es wird nichts weggenommen, sondern Vorhandenes erweitert.") als auch Olaf Winkelmann (SPD): „Durch den Zuschlag des Bundesfamilienministeriums haben wir eine große Hürde genommen – aber wir brauchen die Garantie, dass die Johanniter nach 2020 keine weitere Förderung beantragen werden." Die Garantie gibt es nach Abstimmung im Ausschuss nun schriftlich, weshalb zwölf Politiker fürs Projekt stimmten. Nur die CDU war dagegen: „Wir haben dezentral ein vielfältiges Angebot und auch der Standort ist nicht angemessen. Das ist in unserer Stadt nicht richtig", so Kurt Nagel.

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