Wilhelm Clamor (r.) und Wilfried Lücke aus dem Heimatverein hoffen unter der Dorflinde auf einen Sinneswandel des Eigentümers. - © Gisela Schwarze
Wilhelm Clamor (r.) und Wilfried Lücke aus dem Heimatverein hoffen unter der Dorflinde auf einen Sinneswandel des Eigentümers. | © Gisela Schwarze

Bad Oeynhausen Bürger protestieren gegen Abholzung von Wöhrener Dorflinde

Mehr als 150 Jahre alter Baum vor ehemaliger Traditionsgaststätte soll schon am kommenden Wochenende gefällt werden

Gisela Schwarze

Bad Oeynhausen. Wöhren weint, weil wohl bereits Weihnachten die vertraute Dorflinde vor dem Landgasthaus „Wöhrener Krug" fehlt. Noch steht die stattliche über 150-jährige Linde vor dem kürzlich geschlossenen Gasthaus. Der mächtige Baum prägt das Ortsbild und gehört nach Meinung der Wöhrener als Wahrzeichen in die Ortsmitte. Dass ihre Linde Ende dieser Woche gefällt werden soll, können sie nicht fassen. Mitglieder des Heimatvereins, Umwelt- und Naturschützer sowie engagierte Bürger fanden sich an der Linde ein, um mit einem Plakat ihren Protest kundzutun. Die Stadt erteilte dem Eigentümer des Baumes die Fällgenehmigung für den mächtigen Baum mit einem Stammumfang von 2,60 Metern. Bereits für das kommende Wochenende sei der Termin fürs Fällen der Linde an der Wöhrener Straße angesetzt, hatte sich in Windeseile herumgesprochen. „Das ist ungeheuerlich. Ich konnte die Schreckensnachricht zunächst gar nicht glauben", bekundete Wilhelm Clamor aus dem Heimatverein sein Entsetzen. „Wir möchten die Linde retten", ist er sich mit den Wöhrenern und Erwin Mattegiet aus der AG Natur- und Umweltschutz einig. „Solch eine wichtige Entscheidung, dass ein gewachsenes Wahrzeichen unseres Ortsteils entfernt werden soll, muss doch frühzeitig bekannt gegeben werden", kritisiert Ratsherr Thomas Heilig. Am 16. November sei der Plan, die Linde zu entfernen, publik geworden und solle nun umgehend realisiert werden. Die niederschmetternde Diagnose der städtischen Begutachtung lautet, die Linde sei letal, also tödlich geschädigt. Dem widersprach Rainer Müller-Held, Ratsmitglied der Grünen, ganz entschieden. Der Landschaftsarchitekt, der von Berufswegen immer wieder Baumgutachten erstellt, betont: „Ich weiß, wann ein Baum krank und nicht mehr zu retten ist. Das ist bei dieser Linde ganz und gar nicht der Fall." Er verwies auf gut sichtbare Überwallungen am Stamm. Das seien Maßnahmen, die der Baum aus eigener Kraft leiste, um äußere Schäden zu heilen. „Wenn die Linde das kann, ist sie nicht letal", so Müller-Held. Mit geringer Hilfestellung sei der Baum auf jeden Fall gesund zu machen. Der Standort inmitten weitgehend versiegelter Flächen (Straße und gepflasterter Hof) als Lebensraum sei äußerst ungünstig und beeinträchtige die Gesundheit und das Wachstum mit Sicherheit. Dennoch behaupte sich die über 150-jährige Linde dort und sei lebenstüchtig, fügte der Landschaftsarchitekt hinzu. Gerüchte zugunsten der Linde entstanden in den vergangenen Tagen in Wöhren und zerschlugen sich ebenso schnell. Ein Gespräch am Montagabend dieser Woche zwischen dem jetzigen Eigentümer Christian „Paco" Lawin, Gabriele Schmidt aus dem Planungsamt der Stadtverwaltung und dem Käufer, der Volksbank-Immobilienabteilung, änderte an der Entscheidung, die Linde zu fällen, nichts. Es sei lediglich um Ausgleichsmaßnahmen gegangen, verlautete über das Treffen. Thomas Heilig kritisiert die Baumschutzsatzung der Stadt Bad Oeynhausen: „Die Satzung ist je nach Erfordernissen sehr flexibel." Wenn beispielsweise ein Abrisskran nicht richtig drehen könne wegen eines Baums, dann käme der Baum eben weg. „Ich wünsche mir eine Baumschutzsatzung mit einem Bekenntnis zu den Bäumen", äußert Heilig seinen Unmut. Eigentümer Lawin veräußert seine Immobilie zum 15. Februar an die Volksbank-Immobilien. Seine beiden Söhne überlassen ihrem Vater die Entscheidung. „Wir sehen die Sachlage wesentlich komplexer, denn für uns geht es nicht nur um die Linde", sagen sie.

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