Geschnitzte Skulptur: Meik Hummert betrachtet eine Holzarbeit des syrischen Künstlers Nazir Donya. - © Elke Niedringhaus-Haasper
Geschnitzte Skulptur: Meik Hummert betrachtet eine Holzarbeit des syrischen Künstlers Nazir Donya. | © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen In der alten Schokoladenfabrik wird Dunkelheit zur Kunst

Großes Interesse: Bereits Donnerstagmittag warteten etliche Besucher , um die Eröffnung der Ausstellung „Palimpsest“ mitzuerleben

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Gruselig? Ein bisschen vielleicht. Aber geheimnisvoll ist diese faszinierende Reise in die Dunkelheit auf alle Fälle, mit der die Ausstellung „Palimpsest" ihren Besuchern Kunst in einer ungewöhnlichen Aufmachung präsentiert. Rund 100 Arbeiten internationaler Künstler werden seit Donnerstag im Industriegebäude der alten Schokoladenfabrik Lammert ausgestellt. Nach Einbruch der Dunkelheit brauchen die Besucher eine Taschenlampe, um die Details der Kunstwerke zu erkunden. Das Interesse ist groß. Am Donnerstagmittag warteten bereits etliche Interessenten vor der Schokoladenfabrik auf die Eröffnung. Jutta und Frank Götting kommen in den Abendstunden. Das Ehepaar aus Bad Oeynhausen hat sich eine Taschenlampe mitgebracht und bekommt einen Ausstellungskatalog und einen Lageplan in die Hand gedrückt, bevor die faszinierende Reise in die Dunkelheit beginnt. Stück für Stück tasten sich die beiden von einer Arbeit zur nächsten vor, die an Kleiderbügeln befestigt von der Wand herabhängen. Eine kurze Phase der Gewöhnung, dann haben sich Jutta und Frank Götting an das Dämmerlicht gewöhnt. Und genießen die ungewöhnliche Ausstellungspräsentation, bei der die Dunkelheit selbst zur Kunst wird. Als besonders spannend erlebt das Paar den Moment, als ihre Taschenlampe die Schatten des Schriftzuges mit einem Gedicht von Paul Baehr auf die Wand dahinter projiziert. Rund 100 Arbeiten von 60 Künstlern, darunter sieben aus Bad Oeynhausen, entdeckt das Ehepaar so und erlebt bei dem Rundgang, auf welch unterschiedliche Art dabei die Themen Flucht und Vertreibung verarbeitet werden. „Einfach super. Die Kunstwerke selbst, aber auch die Atmosphäre", schwärmt Jutta Götting. Und Ehemann Frank ergänzt: „Ein Ausstellungserlebnis, das sich lohnt". Die beiden sind nicht die einzigen Besucher, die begeistert von dem Projekt sind, wie die Einträge im Gästebuch belegen: „Taschenlampen-Inspirations-Gewandel in der Schokofabrik", schreibt eine Katja. Oder: „Das Gebäude und die Atmosphäre sind mega cool. Beeindruckende Arbeiten", loben Gaby und Sina. Mehr als zufrieden sind auch die Ausstellungsmacher bereits am Tag der Eröffnung: Das ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt habe", stellt Künstlerin Katja Rosenberg fest, die allein am Donnerstag rund 60 Besucher begrüßen konnte. Worüber die Organsatorin sich aber besonders freut: „Allein heute haben wir sieben Kunstwerke verkauft". Denn mit einem Drittel des Erlöses werden zukünftig Stadtführungen zur Verfügung gestellt, bei der das ortsansässige Kulturunternehmen Quisiana Mitbürgern mit Migrationshintergrund die Besonderheiten ihrer neuen Heimatstadt zeigen wird. Eine Initiative, die am Sonntagnacht, wenn „Palimpsest" die Kunstwerke wieder abräumt, keinesfalls enden muss, wie Mitorganisator René Haeseler sagt: „Wir würden die Arbeiten gern für eine Anschlussausstellung zur Verfügung stellen, bei der die Exponate weiter verkauft werden können". Interessenten können per Mail Kontakt zu René Haeseler oder Katja Rosenberg aufnehmen: Rene.Haeseler@gmx.net oder KatjaRosenberg@hotmail.com.

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