Zu Gast in der Kurstadt: Die Londoner Künstler Debb Scott-Lovric (r.) und Farah Ishaq (l.) freuen sich schon auf Bad Oeynhausen. In der Mitte ist Katja Rosenberg zu sehen, die das vorweihnachtliche Kulturevent in der Schokoladenfabrik organisiert. - © Foto: Privat
Zu Gast in der Kurstadt: Die Londoner Künstler Debb Scott-Lovric (r.) und Farah Ishaq (l.) freuen sich schon auf Bad Oeynhausen. In der Mitte ist Katja Rosenberg zu sehen, die das vorweihnachtliche Kulturevent in der Schokoladenfabrik organisiert. | © Foto: Privat

Bad Oeynhausen Kunstvoller Abgesang in der alten Fabrik

Alte Schokoladenfabrik: Katja Rosenberg organisiert die Abschiedsausstellung „Palimpsest“ mit internationalen Künstlern und ganz viel Schokolade

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen/London. Detektivischer Spürsinn ist gefragt, wenn Katja Rosenberg und Henning Bökamp kommende Woche in die alte Schokoladenfabrik laden. Denn ohne Taschenlampe lohnt sich der Besuch der Ausstellung „Palimpsest" in der Ruine nicht. Zerbrochene Fenster und fehlendes Licht machen die alte Fabrik zu einem ungewöhnlichen Ort. Wenn dann noch in erster Linie abends geladen wird, kommt sogar noch ein bisschen Gruselfaktor hinzu. „Es erinnert ein bisschen an die drei Fragezeichen", sagt Katja Rosenberg lachend. Die gebürtige Bad Oeynhausenerin lebt seit vielen Jahren als Künstlerin in London und möchte, dass die Besucher am Alten Rehmer Weg auf Entdeckungsreise gehen. „Palimpsest" – etwas Altes wird abgeschabt, um etwas Neues aufzubringen. „Passt perfekt", urteilt Katja Rosenberg. Denn auch die ehemalige Schokoladenfabrik Lammert in Rehme müsse diesen Prozess bald über sich ergehen lassen. „Im März soll die Veränderung beginnen – also wird es Zeit für eine große Abschiedsaktion", sagt die Londonerin, die mit dem Eigentümer der Fabrik, Henning Bökamp, zur Schule gegangen ist. Rosenberg gehört zu den Kuratoren „Art Catcher" und wird bei der Ausstellung vom Kulturservice Quisisana und den Architekten Bökamp unterstützt. 90 Arbeiten von renommierten Künstlern Zirka 90 Arbeiten von regionalen und internationalen Künstlern hat Katja Rosenberg zusammengestellt. „Die meisten kommen aus London", sagt sie. Und schiebt die Erklärung gleich hinterher: „Die sind spontaner und machen einfach." Zwar würden derzeit die Nächte durchgearbeitet, um alles bis zur Eröffnung am Donnerstag zu stemmen, aber es lohne sich. „Wir haben ernste und spaßige Arbeiten", sagt Rosenberg. „Und dafür muss man keinen Bock auf Kunst haben", winkt sie ab. Im Gegenteil: „Kunstverstand und der Besuch einer Ausstellung schließen sich aus", sagt sie lachend. „Wir wollen Spaß ins Leben bringen." Es gebe derzeit so viele schwere Themen, da müsse man spielerisch und manchmal auch poetisch an Themen herangehen. „Gerade Familien können unseren Kunst-Urwald entdecken", sagt sie. Denn es gibt nicht nur Kunst zu entdecken. Sondern auch – wie könnte es in einer alten Schokoladenfabrik anders sein – Schokolade. „Wir haben zehn Schokobäcker da, eine Schokoladen-Fontäne und eine überdimensionale Tafel Kinderschokolade, mit der man Selfies machen kann – quasi als Gesicht der Schokolade", macht Katja Rosenberg den Mund wässrig. „Ab nachmittags ist bei uns stündlich etwas los", sagt sie. Denn für das Rahmenprogramm sorgen ein Workshop „Weihnachtskarten", Jördis Treude und ihre „Female Affairs", die Tanzschule Witte, das Rösthaus, die Foto-Factory von Dieter Obermeyer, Fotografin Silke Wedler sowie Christian Barnbeck und Henning Bökamp, die über Geschichte und Zukunft der Schokoladenfabrik erzählen. Der Abschied ist zugleich der Startschuss für ein neues Projekt: Ein Drittel des Erlöses der Verkaufsausstellung ist zur Unterstützung mehrsprachiger Stadtführungen für Mitbürger mit Migrationshintergrund gedacht. „Wir hoffen, dass es Menschen gibt, die sich auch ohne ausführliche Deutschkenntnisse mit ihrem neuen Wohnort beschäftigen wollen", sagt Tanja Bökamp. „Wir wollen diese Stadtführungen kostenlos zur Verfügung stellen." Deshalb hoffen die Organisatoren, dass viele Kunstwerke den Besitzer wechseln werden. ´ Die Ausstellung in der Alten Schokoladenfabrik Lammert, Alter Rehmer Weg 15, ist vom 24. bis zum 27. November geöffnet – donnerstags bis samstags von 12 bis 24 Uhr, sonntags von 11 bis 20 Uhr.

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