Jakobsberg soll untertunnelt werden: Die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Porta Westfalica und Echtorf.  - © Jürgen Schultheiß
Jakobsberg soll untertunnelt werden: Die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Porta Westfalica und Echtorf.  | © Jürgen Schultheiß

Bad Oeynhausen/Porta Westfalica Milliarden-Tunnel für die Bahn durchs Wesergebirge geplant

Bundesverkehrswegeplan: Verkehrsminister Alexander Dobrindt bestätigt dem SPD-Bundestagsabgeordneten Stefan Schwartze, dass eine Neubaustrecke von Porta Richtung Bückeburg durch das Wesergebirge vorgesehen ist

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen/Porta Westfalica. Stefan Schwartze brachte seine ungläubige Frage direkt an den Mann: „Ist das Ihr Ernst?", wollte der SPD-Bundestagsabgeordnete von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wissen. Die Antwort lautete: Ja. Die Frage dazu war: Ist tatsächlich eine neue Eisenbahnstrecke von Porta Westfalica nach Echtorf bei Bückeburg geplant? Die Auskunft des Ministers zu dem erst am Vortag vorgestellten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans begeisterte Schwartze nicht. „Diese Strecke brauchen wir nicht", erklärte er kategorisch. Und stimmt darin nicht nur mit seinem Parteifreund Achim Post, sondern auch mit dem CDU-Bezirksvorsitzenden und früheren Staatssekretär Steffen Kampeter überein. "Niemand in der Region will diesen Tunnel" Niemand in der Region wolle diesen Tunnel, erklärten die beiden Mindener Bundestagsabgeordneten übereinstimmend. Wie berichtet, hatte es seit Mittwoch ein intensives Rätselraten unter Beobachtern und Politikern gegeben, was der Bundesverkehrswegeplan denn nun für die Nordbahn zwischen Bad Oeynhausen und Minden vorsieht. Schon früh äußerte Schwartze die Befürchtung: „Ich vermute, dass hier ein alter Plan des früheren Bahnchefs Hartmut Mehdorn von 1999 eingeflossen ist." Seit Donnerstagabend weiß Schwartze nun: So ist es. Der Plan sieht eine zweigleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke (bis zu 230 Stundenkilometer) zwischen Porta Westfalica und Echtorf vor. Zum Start in Porta würde diese Strecke durch den Jakobsberg geführt. „Mit einem bergmännisch gebohrten Tunnel", so Schwartze. Hinter Echtorf würde die Strecke wieder auf die alte Nordbahntrasse treffen. Damit wäre die Nordbahn auch in diesem Abschnitt viergleisig: zwei Gleise auf der alten, zwei auf der neuen Strecke. Die alte Nordbahntrasse zwischen Minden und Haste würde dann nicht ausgebaut. Kosten in Höhe von 1,88 Milliarden Euro Dieser Plan mit dem Tunnel würde auch die enorm hohen Kosten erklären, die im Bundesverkehrswegeplan für den Ausbau der Nordbahn angesetzt sind: 1,88 Milliarden Euro. „Der Ausbau der Nordbahn stand auch schon im alten Bundesverkehrswegeplan. Dort war er noch mit 800 Millionen veranschlagt", sagt Schwartze. Die Neubaustrecke dürfte also mit einer runden Milliarde zu Buche schlagen. Schwartze fürchtet: „Mit diesem Plan werden die Kosten so hoch getrieben, dass an der Nordbahn bis 2030 wahrscheinlich gar nichts passiert." Eigentlich sei er davon ausgegangen, dass der alte Mehdornplan 2004 beerdigt wurde, so der SPD-Abgeordnete. Wer den Plan nun wieder ausgegraben hat, ist nicht bekannt. „Vermutlich geht es der Bahn auch um die Verkürzung der Fahrzeit", überlegt Schwartze. Durch die Abkürzung – Minden wird quasi „abgeschnitten" – und die höheren Geschwindigkeiten sei von zehn Minuten Zeitersparnis die Rede. „Zehn Minuten für eine Milliarde – das ist recht teuer", findet Schwartze. „Wir müssen sehen, dass wir dieses Projekt wieder aus dem Bundesverkehrswegeplan herausbekommen", sagt er. Um das Thema zu erörtern, hat Schwartze ein Nordbahntreffen im Bundesverkehrsministerium angeregt. Der Minister habe dem zugestimmt, einen Termin gibt es noch nicht. An dem Treffen sollen auch die Bundestagsabgeordneten Post, Steffen Kampeter und Tim Ostermann (beide CDU) teilnehmen. Ostermann wollte zu den Plänen noch nichts sagen. „Wir brauchen erst Klarheit", sagte der Löhner.

realisiert durch evolver group