Bad Oeynhausen „Ein hohes sportliches Niveau“

Interview: Der US-Amerikaner Jon Lehrer gastiert mit seiner Dance Company am 13. Februar im Theater im Park. Show vereint Mischung aus Jazz-, Break und Modern-Dance sowie Akrobatik

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Sie haben die amerikanische Tanzszene innerhalb kürzester Zeit erobert. Die Choreografien der Jon Lehrer Dance Company entfalten eine überwältigende, rhythmische Sogkraft und lassen nahtlos Hebefiguren mit extrem horizontalen wie vertikalen Balancen verschmelzen. Scheinbar überschreiten sie die Grenze des physisch Machbaren. Es ist eine Mischung aus Break-Dance, Akrobatik, mit Modern- und Jazz-Dance. Mit dem künstlerischen Leiter und Choreograf Jon Lehrer sprach NW-Redakteurin Nicole Sielermann über die Härte des Tanzens, physikalische Gesetze und das Geheimnis des Erfolges. Herr Lehrer, Sie wurden erst mit 19 Jahren vom Tanzvirus gepackt. Was ist damals passiert? JON LEHRER: Es geschah als Mutprobe. Ich studierte Wirtschaft an der Universität von Buffalo, als ich eine Tänzerin kennenlernte. Nach unserem ersten Jahr hatte sie bessere Noten als ich. Ich habe zu ihr gesagt, das kommt nur daher, weil sie den ganzen Tag nichts anderes mache als Tanzen. Und es sei einfach, gute Noten in Tanzklassen zu bekommen. Sie hat gesagt, ich sei verrückt und es sei nicht nur einfach. Sie ermutigte mich, einen Tanzkurs zu machen – um zu gucken, ob es wirklich so leicht ist. Gut, ich machte es. Und es war das Härteste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Nach diesem Kursus – Modern Dance – habe ich realisiert, wie sehr ich das Tanzen liebe und mein Leben hat sich dramatisch geändert, als ich mein Studium aufgab, um Tänzer zu werden. Sie und Ihre Truppe haben die amerikanische Tanzszene innerhalb kürzester Zeit umgekrempelt. Ihr Geheimnis? LEHRER: Zwei Dinge haben in unserer Entwicklung eine große Rolle gespielt. Erst einmal habe ich bereits fünf Jahre vor dem eigentlichen Start begonnen, an der Company zu arbeiten. 2002, als ich noch tanzte, habe ich begonnen, den Rahmen zu erstellen. Und ich habe überall erzählt, dass ich eine solche Company plane. Wie bei jeder anderen guten Geschäftsidee habe ich mein Produkt beworben, bevor es auf den Markt kam. Als ich dann 2007 begonnen habe hatten schon viele Menschen von der Company gehört. Dadurch war es einfacher, Menschen zu finden, die uns sehen wollten und und gebucht haben. Zweitens war da meine Choreografie und die Art und Weise, wie meine Tänzer sie performen. Es sind gleiche Anteile an Artistik, Athletik und Gemeinschaft. Das ermöglicht uns ein breites Spektrum an Zuschauern: Tanz-Liebhaber, Sport-Liebhaber oder jemand, der noch nie Tanzen geschaut hat – sie alle werden unsere Vorstellung genießen. Was ist das Besondere an Ihrem Tanzstil? Wie würden Sie ihn beschreiben? LEHRER: Wie nennen unseren Stil „natürlich athletisch". Es ist ein hohes sportliches Niveau, aber trotzdem sehr natürlich. Wenn die Menschen uns zuschauen, sehen sie rein athletische Bewegungen und Hebefiguren, die mit großer Leichtigkeit aufgeführt werden. Und die dadurch nahtlos und natürlich aussehen. Wir legen uns nicht auf einen Tanzstil oder -technik fest. Wir nutzen alle Formen – Ballett, Modern-Dance, Jazz-Dance – und lassen sie zu unserem ganz eigenen, einmaligen, Tanzstil verschmelzen. Wie sagte einmal der große Kämpfer Bruce Lee: Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein Eigenes ist. Das ermöglicht uns, über das hinaus zu gehen, was es gibt und unsere eigene Stimme zu haben. Ihre Tänzer überschreiten bei den Auftritten scheinbar die Grenzen des physisch Machbaren. Wie ist das möglich? LEHRER: Wir nutzen natürlich die Gesetze und Theorien der Physik um unsere Physis zu erhalten. Unsere Bewegungen basieren alle auf den Newtonschen Getzen. Gesetz eins besagt ’Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Translation, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.’ Gesetz Nummer drei sagt, für jede Bewegung gibt es eine gleiche aber entgegengerichtete Kraft. Wir wenden das für unsere Körper an – für kraftvolle Bewegungen, die aus dem Schwung resultieren, nicht aus der Kraft der Muskeln. So basiert unsere Technik in erster Linie auf physikalischen Grundlagen und wir fügen Tanzelemente hinzu. Gehören Ihre Auftritte denn dann immer noch in die Kategorie Tanz? Oder vielleicht mehr in die akrobatische Abteilung? LEHRER: Unsere Shows sind ganz viel Tanz und nur wenig Akrobatik. Ich nutze akrobatische Ideen und Techniken für meine Bewegungen und kreiere überraschende Dinge – aber nicht aus der reinen Akrobatik. Welche harte Arbeit steckt denn hinter den Auftritten? LEHRER: Um bei der Company mitzumachen braucht es einen hohen Grad an Fitness und Kondition. Alle Tänzer machen Fitnesstraining als Zusatz zu den Tanzproben. Der ganze Körper braucht Kraft, um die Choreografie sicher zu absolvieren. Wir sind froh, Personal Trainer zu haben, die mit uns ganz individuell ein Fitnessprogramm absolvieren – je nachdem, was der Körper eines Tänzers braucht. Wie sind denn die Reaktionen der Zuschauer bei Ihren Shows? LEHRER: Die Zuschauer reagieren enorm auf unsere Show. Die Show nimmt sie mit auf eine Reise, die sie lachen, jubeln und sich freuen lässt – jede Sekunde der Vorstellung. ´ Karten für die Vorstellung am Samstag, 13. Februar, ab 19.30 Uhr gibt es in der NW-Geschäftsstelle.

realisiert durch evolver group