Selfie-Portal: Im Vorbeigehen können sich zum Beispiel Partygäste vor der Säule von Dieter Obermeyer fotografieren lassen. - © Nicole Sielermann
Selfie-Portal: Im Vorbeigehen können sich zum Beispiel Partygäste vor der Säule von Dieter Obermeyer fotografieren lassen. | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Zurück zum Ursprünglichen

Fotobox: Der Eidinghausener Fotograf Dieter Obermeyer begeistert sich fürs Daumenkino

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen-Eidinghausen. Schnell oder langsam, einmal, zweimal, überall – flippend entstehen aus Einzelbildern flüssige Geschichten. Seit jeher faszinieren Daumenkinos die Menschen. Auch Dieter Obermeyer ist ein Fan der kleinen Büchlein. „Die haben so etwas Ursprüngliches“, sagt der Eidinghausener Fotograf. Weshalb er lange getüftelt und nun eine Fotosäule entwickelt hat, mit der Kunden nicht nur Selfies sondern auch ihr eigenes Daumenkino erstellen können. Küssen, Tanzen, Jubeln – vor der Kamera ist alles erlaubt. Sechs Sekunden haben die Modells Zeit. Sechs Sekunden oder 144 Bilder, aus denen dann 40 Einzelsequenzen willkürlich von Computer ausgewählt werden. Die wiederum von Dieter Obermeyer ausgedruckt, geschnitten und geheftet werden. Fertig ist das Daumenkino. 50 Stück pro Stunde sind machbar sagt der Fotograf, der derzeit in Verhandlungen mit einem großen Möbelhaus ist. „Ich hoffe, dass die mein Flip-Movie beim Mitternachtsshopping aufstellen.“ Das sei ein guter Werbe-Gag für die Kunden. Der Ursprung fürs Daumenkino liegt in der Selfie-Säule. Ende 2014 hat Obermeyer eine sogenannte Fotobox entwickelt. Eine Art Säule mit Bildschirm und Kamera. An der sich zum Beispiel Partygäste im Vorübergehen knipsen können. „Der Hintergrund ist variabel.“ Vom Jordansprudel über das Colosseum in Rom oder den schiefen Turm von Pisa bis hin zur heimischen Eisbahn ist alles dabei. Gerade für größere Veranstaltungen ist der Sockel optimal: „Selfies sind ja immer noch angesagt. Die Menschen wollen einfach zeigen, wo sie sind.“ Drei Fotos erstellt das Gerät und fügt sie zu einer Postkarte zusammen. Außerdem gibt es für die Fotos jeweils einen QR-Code. „Damit sie direkt auf der Feier per Handy in die sozialen Netzwerke hochgeladen werden können“, erklärt Obermeyer. Technische Tüfteleien in Sachen Fotografie – die waren schon immer das Faible von Dieter Obermeyer. So gewann er mit seinen Erfindungen zum Beispiel 2005 einen Marta-Wettbewerb. Das Herforder Museum hatte er aus verschiedenen Winkeln und allen Ecken abgelichtet und daraus – genau – ein Daumenkino erstellt. 175 Arbeiten wurden damals eingereicht, 48 ausgewählt und im Museum gezeigt. Obermeyers Werk war eines davon. Und nun erneut Daumenkino. „Das fasziniert die Menschen, ist verrückt und erinnert an früher“, sagt der 59-Jährige. Entscheidend aber sei das Handgemachte. Ein Daumenkino, in dem man selbst die Hauptrolle spiele. „Auch wenn es eigentlich keinen Wert hat wird das Ergebnis überall gezeigt – ein bleibender Effekt für den Veranstalter“, ist Dieter Obermeyer überzeugt. „Eigentlich sollte die Box zum Weihnachtsmarkt an der Eisbahn stehen – aber ich bin mit meiner Tüftelei nicht rechtzeitig fertig geworden“, gibt der Eidinghausener zu. Ideen, wo seine Erfindung aber stattdessen zum Einsatz kommen kann, hat der Fotograf aber bereits.

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