Glasfaserkabel für das Breitband-Internet für Bünde, Hiddenhausen und Kirchlengern - © Björn Kenter
Glasfaserkabel für das Breitband-Internet für Bünde, Hiddenhausen und Kirchlengern | © Björn Kenter

Löhne Genossenschaften ist für Glasfaserausbau in Löhne

Themenschwerpunkt Breitband: Um eine flächendeckende Anbindung zum schnellen Internet zu schaffen, setzten manche Nachbarkommunen auf kreative Ideen

Felix Eisele

Löhne. Die Fördermittel gibt's vom Bund. Und das nicht nur den Ausbau: Auch für Planung und Konzepterstellung zum Breitbandausbau wird den Kommunen Geld zur Verfügung gestellt. Das Ziel: Die "weißen Flecken" auf der bundesdeutschen Breitbandlandkarte beseitigen. Bis 2018, so der Plan der Regierung, soll jeder Deutsche mit 50 Mbit/s im Internet unterwegs sein können. Ein ambitionierter Plan, sicherlich. Und doch scheint er bitter nötig, wie ein Blick in die Nachbarkreise und die Kommunen der Region zeigt. KREIS MINDEN-LÜBBECKE Der Förderantrag ist gestellt, der Bescheid bereits ausgestellt. Der Höchstfördersatz von 50.000 Euro, den der Kreis bekommt, wird für die Erarbeitung eines Masterplans zur Breitbandversorgung verwendet. Flächendeckend soll dafür Glasfasertechnik verlegt werden. Doch die Zeit drängt. Denn längst haben einzelne Kommunen den Druck auf die Kreisverwaltung bereits erhöht. In Rahden etwa wurde die VDSL-Technik schon im vergangenen Jahr ausgebaut, an den Stadträndern aber ist die Breitbandversorgung noch nicht angekommen - laut dem städtischen Bauamtsleiter Peter Drunagel wegen des noch fehlenden Masterplans. Er beklagt, dass dieser vom Kreis zu spät in Auftrag gegeben wurde. Aus dem Kreishaus heißt es indes, dass man den Stellenplan in der Verwaltung um eine Stelle aufstocken müsse, um ein Konzept für alle elf Kommunen zu erstellen. Stemwede geht derweil eigene Wege: Bürgermeister Kai Abruszat setzt auf eine Kooperation mit dem Netzbetreiber RWE, um die bislang "chronisch unterversorgten" Gebiete in der Flächengemeinde mit schnellem Internet auszustatten. Die Bereiche Niedermehnen und Twiehausen sollen noch in diesem Jahr fertig gestellt werden. KREIS HERFORD Im vergangenen Jahr hat die Telekom in Bad Oeynhausen und Löhne rund 80 Kilometer Glasfaserverlegt und 129 Multifunktionsgehäuse mit modernster Technik neu aufgestellt und mit Glasfaser angeschlossen. Die Internetgeschwindigkeit erhöht sich damit auf 50 Mbit/s. Der überwiegende Teil der Löhner Haushalte - laut Wirtschaftsförderer Ulrich Niemeyer rund 95 Prozent - kommen sogar auf mehr als 100 Mbit/s. In den Nachbarkommunen Hiddenhausen, Bünde und Kirchlengern hingegen beträgt die Übertragungsrate bislang nur wenige Hundert Kilobit. Allerdings nicht mehr lang: Gemeinsam mit der Telekom legten die drei Gemeinden im vergangenen Jahr den Grundstein für den Ausbau des Datennetzes Insgesamt 33.500 Haushalte profitieren bereits, weitere 15.000 sollen ab März hinzu kommen. Jedoch nicht zwangsläufig, wie Uwe Ingenhaag von der Deutschen Telekom sagt: "Um die verbesserten Leistungen in Anspruch zu nehmen, muss der Kunde bei seinem Netzbetreiber aktiv werden und eine Tarifänderung vornehmen." In Herford selbst verlaufen derweil schon seit Sommer rund 73 Kilometer Glasfaserkabel. Zudem setzt die Stadt auf die neue Vectoring-Technik, bei der mögliche elektromagnetische Störsignale zwischen den Kupferleitungen eliminiert und die Surf-Geschwindigkeiten erhöht wird. KREIS GÜTERSLOH Während die Stadt Gütersloh beim Bund einen Zuschuss beantragt hat, prüft der Kreis eine ganz andere Option. Um Versorgungslücken zu schließen, soll eine Genossenschaft gegründet werden, die als Wegbereiter für eine flächendeckende Glasfaserverlegung agiert. Nähere Einzelheiten prüft der Kreis nun gemeinsam mit den Städten und Gemeinden sowie dem Zweckverband Infokom. Für deren Geschäftsführer Andreas Poppenborg liegen die Vorteile auf der Hand: So könne eine Genossenschaft die Zahl der Ansprechpartner für private Telekommunikationsfirmen reduzieren. "Zudem ist sie viel eher in der Lage, einen Zuschuss zu bekommen und Kredite zu günstigen Bedingungen." KREIS PADERBORN An Ortsrändern wie in Marienloh oder Sande, aber auch in Gewerbegebieten klagen Internetnutzer über lange Leitungen: Grund ist der auch im Paderborner Stadtgebiet nicht abgeschlossene Ausbau des Breitbandnetzes. Allein auf dem Gebiet der Stadt gibt es noch 260 Versorgungslücken, in denen sich die Datenmengen teilweise bei 2 Mbit/s stauen. Kommunen und Kreis haben einen Masterplan erarbeitet, um bis 2017 Abhilfe zu schaffen. Danach müssten 3,7 Kilometer Glasfaser verlegt werden, um alle Haushalte im Kreis Paderborn mit der schnellen Glasfaser-Technik zu verbinden. Weil das zu unwirtschaftlich erscheint, peilt der Kreis nun nur 1,5 Kilometer Kabel an. Damit könnten 94 Prozent der Anschlussnehmer in den so genannten Hauptsiedlungsbereichen und in allen Gewerbegebieten erreicht werden, sagt Annette Mühlenhoff von der Servicestelle Wirtschaft. In der Kreisverwaltung wird zudem darüber nachgedacht, für den Ausbau und Betrieb des Glasfasernetzes eine Gesellschaft der öffentlichen Hand zu gründen. In Gewerbegebieten könnte es auch eine Genossenschaft werden. Diese könnte Netzkapazitäten an unterschiedliche Provider vermieten. "Der Sinn ist, dass es kein Monopol eines Unternehmens wird", so Mühlenhoff.

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