Blick auf die Sichtachse: Vor allem der Bereich hinter dem Thealer (links oben) zeigt Peter Joseph Lennés Handschrift. Vorne ist die Wandelhalle, im Hintergrund das Kurhaus zu sehen. - © Foto: Jens Reddeker
Blick auf die Sichtachse: Vor allem der Bereich hinter dem Thealer (links oben) zeigt Peter Joseph Lennés Handschrift. Vorne ist die Wandelhalle, im Hintergrund das Kurhaus zu sehen. | © Foto: Jens Reddeker

Bad Oeynhausen Was von den Entwürfen von Kurparkplaner Peter Joseph Lenné heute noch übrig ist

Kurpark: Vor 150 Jahren starb der Gartenarchitekt. Seine Handschrift findet sich auch mitten in der Kurstadt.

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Kleine Rundtempel, romantisch verschlungene Wege und zig Eingänge – von seiner Ursprünglichkeit hat der Kurpark seit den ersten Plänen 1847 viel verloren. Das, was einst Peter Joseph Lenné geplant hatte – davon zeugt nur der östliche Bereich des Parks. Die Pläne Lennés – in Bad Oeynhausen wurden sie nie stringent umgesetzt. Dabei prägte der Rheinländer Peter Joseph Lenné fast ein halbes Jahrhundert die Gartenkunst in Preußen. Vor 150 Jahren starb er am 23. Januar 1866 an einem Gehirnschlag. Peter Joseph Lenné war Planer und Organisator, Künstler und Zeichner in einer Person. Ein richtiges Doppeltalent. Lenné (1789 - 1866) zählt zu den renommiertesten deutschen Gartengestaltern. Er hat die Gartenkunst als Teil der bildenden Künste verstanden, sagen Experten. Der Kurpark in Bad Oeynhausen – mit einer Größe von zirka 26 Hektar – wurde zwischen 1851 und 1853 nach Lennés Plänen als romantischer, englischer Landschaftspark angelegt und beständig erweitert. Besucher treffen auf Zeugnisse einer glanzvollen und mondänen Kur- und Bäderwelt, die ihren Höhepunkt am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte. In den letzten Jahren wurden Teile der Kurparkachse nach dem Vorbild der Jahrhundertwende erneuert und der Charakter des Landschaftsparks wieder hergestellt. Den Kurpark plante der Generaldirektor der königlichen Gärten in Preußen als hufeisenförmigen Landschaftspark, dessen Grundriss am Verlauf des Korsos bis heute erkennbar ist. Zu seinem Vermächtnis gehört auch der alte Baumbestand im östlichen Teil des Parks. „Dort ist der ursprünglichste Teil, dort erkennt man die Lennésche Handschrift", sagt Christian Barnbeck. Der Student arbeitet als Stadtführer und hat sich für sein Studium intensiv mit der Geschichte von Park und Bad auseinander gesetzt. „Verschlungene Wege im Außenbereich, weite Sichtachsen, große Rasenflächen, kaum Blumen", so beschreibt Barnbeck das Konzept Lennés. Auffällig ist, das auf dem ersten Plan von 1847 große Teile des westlichen und südlichen Parks nicht überplant waren: Damals schwelte ein Streit mit Colon Meyer, dem eine große Parzelle gehörte. Zahlreiche imposante Gebäude ergänzen die eindrucksvolle Gartenanlage bis heute. War sie bei Lenné noch gebäudeleer, entstanden vor allem im Kaiserreich viele Bauten im Park. „In den 50er Jahren wurde er von vielen Gebäuden wieder befreit", so Barnbeck. Doch einige blieben stehen. Wie das klassizistische Badehaus I, das 1852 – 1857 erbaut wurde, das im Stile der Neorenaissance 1885 erbaute Badehaus II und das Neobarocke Kurhaus aus dem Jahre 1905 – 1908 oder das Theater aus dem Jahre 1915. Ergänzt wird das Ensemble durch die neoklassizistische Wandelhalle von 1926 sowie mehrere Kleinbauten und Tempel. „Damals war der Kurpark unglaublich verzahnt mit der Innenstadt", erklärt Christian Barnbeck. Verschiedenste Wege hätten in den Park hineingeführt – wie ein Schlangennetz. „Viel romantischer als heute." Übrig geblieben sind vier große Zugänge, der Rest des Parkes ist durch die Oeyne von der Stadt abgegrenzt. „Wir müssen zurückfinden zu der Öffnung zur Stadt – die Oeyne lässt sich überbrücken. Auch wenn sie inzwischen selbst ein Denkmal ist", fordert Barnbeck. Vieles im Park hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Doch seit den 1980er-Jahren wurden einige Umgestaltungsmaßnahmen der 1960er-Jahre zurückgenommen: Der Bereich zwischen Wandelhalle und Kurtheater wurde nach historischen Vorlagen neu gestaltet und zuletzt der Platz um die Mittelfontäne im Zentrum des Parks überarbeitet. Auch die Achse zwischen Kaiserpalais, Springbrunnen und Wandelhalle ist inzwischen wiederhergestellt. Recht schnell war der Kurpark damals zwischen zwei Bahnlinien eingeklemmt. Eine Erweiterung war unmöglich. Weshalb er in die Breite wuchs: „Dort wo die alte Kurverwaltung stand war früher noch Kurparkbereich. Gedacht als Anbindung an das Naherholungsgebiet Oeynhauser Schweiz." In den 60er Jahren allerdings wurde diese Verbindung unterbrochen. Erst Badehaus, später Kurverwaltung entstanden auf dem Areal. Doch seit dem vergangenen Jahr ist das Gelände nach dem Abriss der Verwaltung frei. „Man sollte es nicht wieder bebauen", fordert Barnbeck. „Sondern mit einer Erweiterung wieder den Übergang in die Schweiz schaffen." All die Jahre sei der Kurpark immer nur beschnitten worden. Nun sei es an der Zeit, Altes wieder herzustellen. Zum Beispiel den Schneckenberg. „Der war aus heutiger Sicht hinter dem Theater und diente als Aussichtsplattform", weiß Barnbeck. Errichtet aus sogenannten Dornsteinen, also Teile der Versinterungen, die sich an der Saline Neusalzwerk gebildet hatten, wurde er 1953 bei der Überplanung des Parks abgetragen. Was Barnbeck bedauert: „Dieses Lennésche Element sollte man überlegen, wieder aufzubauen – um als Lenné-Park werben zu können." Ein Manko allerdings gab’s bei der Planung des Parks: „Es wurde keine Stadt mitgeplant", erklärt Christian Barnbeck. Vermutlich habe niemand geahnt, dass Bad Oeynhausen einen solchen Boom im Kaiserreich erleben werde. „Das was versäumt wurde, bereitet heute Probleme. Es konnte sich kein zentraler Marktplatz entwickeln." Mehr als 100 Garten- und Parkanlagen hat Lenné im Stil englischer Landschaftsgärten mit charakteristischen Sichtachsen geplant. Den Park von Schloss Sanssouci hat er umgestaltet und erweitert, die Pfaueninsel in der Havel, den Berliner Tiergarten oder den Klosterbergegarten in Magdeburg. Seine Werke sind sein Erbe: Denn Lenné war so gefragt, dass er es nicht geschafft hat, ein Lehrbuch zu schreiben.

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