Claus Dieter Stoppe und seine Frau Anne sind froh, dass ADAC Fahrer Andreas Krohn Starthilfe gab, damit beide pünktlich zur Arbeit kommen. - © Franz Purucker
Claus Dieter Stoppe und seine Frau Anne sind froh, dass ADAC Fahrer Andreas Krohn Starthilfe gab, damit beide pünktlich zur Arbeit kommen. | © Franz Purucker

Bad Oeynhausen Fünf Pannen in fünf Stunden

Pannenhilfe: Der „gelbe Engel“ Andreas Krohn hilft Fahrern, deren Autos streiken. Bei Frost und Schnee hat er besonders viel zu tun. Besonders die Autobatterien mögen die Kälte nicht

Franz Purucker

Bad Oeynhausen. Schneefall und tiefe Minusgrade – nicht der beste Schichtbeginn um 6 Uhr morgens für Pannenhelfer Andreas Krohn. Der 58-Jährige ist einer von 27 „gelben Engeln", die in OWL Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) zur Hilfe eilen. Die erste Fahrt des frühen Morgens geht zum Straßendienst nach Bad Oeynhausen, eine Meisterwerkstatt, die Abschleppaufträge für den Automobilclub übernimmt und in den Nachtstunden als Pannenhilfe ausrückt. Viel Zeit zum Erzählen bleibt nicht, denn der erste Hilferuf ist schon da. Ein Fahrzeug springt nicht mehr an. Kurz vor Ankunft am Einsatzort, ruft Krohn den Hilferufenden an, um sich einweisen zu lassen. Vor ein paar Jahren wurde er zu einer Panne nach Bad Salzuflen geschickt. Im Telefonat stellte sich aber heraus, dass die Frau in einem ähnlich klingenden Ort in Bayern auf den Pannendienst wartete. Ein Fehler des Call-Centers, dass alle Aufträge entgegen nimmt. Eine halbe Stunde später ist der Pannenhelfer vor Ort. Routiniert schließt er das Starterkabel an und der Wagen läuft. Doch es gibt noch ein Problem. „Wir wollten die Batterie laden, dabei fiel das Werkzeug in die Motorhaube", berichtet Claus Dieter Stoppe. Mit einem Magnet sucht Krohn den Schlüssel – aber ohne Erfolg. Noch auf der Rückfahrt erscheint auf dem großen LED-Display im Einsatzwagen der nächste Hilferuf. Wieder springt ein Auto nicht an. Der 19-jährige Jean Pierre Schweer hat gerade seine Freundin vor der Schule abgesetzt, als das Auto nicht mehr startet. Über ein Prüfgerät findet Krohn heraus: „Die Batterie hat noch Strom, aber eine Zelle ist defekt". Wieder Starterhilfe. Damit der junge Mann es bis in die Werkstatt schafft, eskortiert der ADAC-Fahrer den VW Golf über die drei Kilometer lange Strecke. Nur zwei Kreuzungen weiter steht der Wagen wieder. „Wenn Sie zu wenig Gas geben, geht der wieder aus", erklärt Krohn und startet das Auto erneut. Angekommen schaut der Pannenhelfer die inzwischen eingegangenen zwei neuen Hilferufe durch. „Pannen auf der Autobahn haben Vorrang, dort kann es gefährlich werden", erklärt Krohn. Die meisten Hilferufe kommen aber aus Städten – wie dieses Mal in Herford. Ein Mercedes C-Klasse startet nicht. Fahrer Remigiusz Dorosz sagt: „An der Batterie kann es nicht liegen, die habe ich vor zwei Monaten erst getauscht." Das Problem ist der Anlasser. Es hilft nur Anschleppen – also einen kurzen Weg ziehen. Angesichts der vereisten Straßen eine schwierige Aufgabe. Doch der Plan geht auf, das Auto läuft wieder. Aber der Pole hat doppelt Pech: Auch der Wagen seiner Frau streikt – ein VW Golf. Das Diagnosetool des ADAC-Wagens zeigt einen Fehler im Abgassystem an. „Das kann nicht sein", bemerkt Krohn und macht sich an die Fehlersuche. Nach einigen Prüfungen entdeckt der Pannenhelfer eine kaputte Sicherung in der Motorhaube. Schuld ist eine defekte Zündspule. „Die bekommen Sie günstig beim Autozubehör", erklärt der Kfz-Profi. Polen reparieren ihre Autos erfahrungsgemäß selbst, so Krohn. Auf zum nächsten Fall: Der Transporter von Mongi Hefdi streikt. Am Motorengeräusch leitet der Autofachmann eine kaputte Servopumpe ab. Da hilft nur Abschleppen. „Ein Doktor fürs Auto", freut sich der aus Tunesien stammende Mann, während Krohn den Abschleppdienst verständig. Letzter Auftrag vor der Pause: Das Auto von Janine Schmidt hat einen Platten. Eine Schraube steckt im Reifen. „Mein Freund arbeitet auf der Baustelle", erklärt die junge Frau. Mit dem Wagenheber pumpt der Pannenhelfer das Auto hoch und montiert das Ersatzrad. „Sie dürfen damit nur 80 fahren", mahnt Krohn und geht nach fünf Pannen in fünf Stunden in die Pause – eine durchschnittliche Schicht.

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