Doppelstöckig: Während unten das Damenkränzchen mit Harriet Plimshead (Ulrike Grasmann, v. l.), Violet Ambergate (Bärbel Masuck), Gwendolyn Livingstone (Gunhild Gieselmann) und Margaret Wilberforth (Brigitte Rommelmann) tagt, verstecken sich oben Mr. Harvey (Thomas Lange) und Doctor Courtenay (Wolfgang Tyrock) vor Polizist Thompson (Andreas Müller). Fotos: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Doppelstöckig: Während unten das Damenkränzchen mit Harriet Plimshead (Ulrike Grasmann, v. l.), Violet Ambergate (Bärbel Masuck), Gwendolyn Livingstone (Gunhild Gieselmann) und Margaret Wilberforth (Brigitte Rommelmann) tagt, verstecken sich oben Mr. Harvey (Thomas Lange) und Doctor Courtenay (Wolfgang Tyrock) vor Polizist Thompson (Andreas Müller). Fotos: Nicole Sielermann | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Schwarzer Humor aus England

Komödie: Die Goethe-Freilichtbühne bringt als Winterstück „Ladykillers“ auf die Bühne. Bei der Premiere am 30. Januar kommt die Hälfte der Besetzung aus der Kurstadt

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen/Minden. Schräg ist es. Verrückt. Mit viel schwarzem Humor. Typisch britisch halt. In einer rasanten Inszenierung, mit zwei Bühnen übereinander, spielt das Ensemble der Goethe-Freilichtbühne als Winterstück „Ladykillers". Mit dabei sind gleich vier bekannte Gesichter aus der Kurstadt: Gunhild Gieselmann, Bärbel Masuck, Frank Budde und Andreas Müller. Er gilt als Klassiker der schwarzen Komödie: 1955 flimmerte „Ladykillers" erstmals über die Leinwand. Und bildet nun die Grundlage für die Portaner-Inszenierung von Regisseur Matthias Harre. „Es ist ein Blick auf eine andere Zeit", sagt Harre. Eine Zeit, die neun unterschiedliche Charaktere auf der Bühne verkörpern müssen. Es geht um eine Ganovenbande, die einen Überfall auf einen Geldtransporter unauffällig vorbereiten will. Dafür mietet sich der Kopf der Bande, Professor Marcus (Claus Burkardt), bei Kapitänswitwe Margaret Wilberforth ein. Seine Tarnung: Musiker. Seine Ganovenkumpels: komplettieren das Streichquartett. Die alte Dame ist begeistert. Und glaubt die Lüge. Bis sie ihnen dann doch auf die Schliche kommt. „Eine Komödie ist schön anzuschauen und schwierig herzustellen", erklärt Harre, der mit seinem Team erst seit Anfang der Woche in den Kulissen probt. „Schnell, schnell, oben, unten, alles gleichzeitig", nennt Harre die Schwierigkeiten. Aber nicht nur für den Regisseur, auch für die Schauspieler selbst ist das Stück eine Herausforderung. „Eine Komödie ist immer wahnsinnig schwer. Man muss aufpassen, dass die Rolle nicht in die Klamotte abdriftet", beschreibt es Gunhild Gieselmann (66) . Seit 1974 gehört die Bad Oeynhausenerin zum Ensemble der Goethe-Freilichtbühne. Und spielt dieses Mal eine der vier schrulligen alten Damen. „Es macht total Spaß, mal was anderes darzustellen – was Schräges", sagt sie lachend. „Wir sind ja alle ein bisschen blöd", ergänzt Bärbel Masuck (69) schmunzelnd. „Das Schöne ist ja gerade das Schrullige", sagt Masuck, die seit 35 Jahren dabei ist. Ein bisschen dösig kommt auch der dritte Bad Oeynhausener daher: Frank Budde spielt Willie „Pfannkuchen" Knoxton. Er bringt mit seiner Fresssucht den ganzen schönen Plan des Überfalls in Schwierigkeiten. „In der Rolle darf ich keinen Kuchen stehen lassen – das liegt mir", sagt der 41-Jährige lachend und reibt sich den Bauch. In den sieben Jahren, die Budde im Team dabei ist, hat er oft die skurrilen Rollen verkörpert. „Dieses Mal hat mich qualifiziert, dass ich in zehn Sekunden ein Stück essen konnte", fügt er augenzwinkernd an. Mit einer kleinen Nebenrolle gibt sich in diesem Stück Andreas Müller (47) zufrieden. Der Florist aus Werste hat sich bewusst für den Polizisten Mr. Thompson entschieden: „Einfach aus Zeitgründen – neben Geschäft und Familie." Bereits als 13-Jähriger hat Müller bei der Portabühne angefangen. 33 Jahre Bühnenerfahrung – trotzdem ist er noch immer nervös: „Das wird immer schlimmer", winkt er ab. „Mit 13 war ich nicht so aufgeregt wie jetzt mit 47."

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