Mit Bühnenerfahrung: Lilo Ritter und Horst Virchow, zwei Mitglieder der Bergkirchener Laienspielgruppe, treten in den Rollen der altersverwirrte Frau Mutig und ihres Sohnes auf. FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER - © Niedringhaus-Haasper
Mit Bühnenerfahrung: Lilo Ritter und Horst Virchow, zwei Mitglieder der Bergkirchener Laienspielgruppe, treten in den Rollen der altersverwirrte Frau Mutig und ihres Sohnes auf. FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER | © Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Schweres Thema leicht aufbereitet

Ungewöhnliche Mitgliederversammlung: Mit Schauspielkunst bereiten Horst Virchow und Lilo Ritter das Thema „Rechtliche Betreuung“ im Sozialverband Wulferdingsen auf

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen-Wulferdingsen. Immer häufiger spielt das Gedächtnis Lilo Mutig einen Streich. Mal verlegt sie ihre Bankkarte. Dann wieder kann sie sich nicht erinnern, wann ihre Tochter das letzte Mal zu Besuch war. Immer häufiger kauft sie unsinnige Dinge und redet ihren Sohn Horst mit dem Vornamen seines Vaters an. Als sie ihn auch noch beschuldigt, dass er ihre Bankkarte gestohlen hat, zieht er die Notbremse. Mit Lilo Ritter und Horst Virchow in den Rollen von Mutter und Sohn erlebten die Mitglieder des Sozialverbandes Wulferdingsen eine Versammlung der besonderen Art. Denn die beiden erfahrenen Darsteller aus der Bergkirchener Laienspielgruppe bereiteten das schwere Thema der rechtlichen Betreuung in acht unterhaltsamen Spielszenen mit Leichtigkeit auf, ohne es dabei auf die leichte Schulter zu nehmen. Bei den rund 100 Mitgliedern des Sozialverbandes zündet das Thema spürbar, wie die anschließende Fragestunde zeigte. Denn Lilo Ritter und Horst Virchow bekamen zwischen den Spielszenen fachliche Unterstützung von Experten aus der Region, die die Fragen aus dem Publikum beantworteten: Andrea Schumann, die stellvertretende Leiterin des Amtsgerichts, Ute-Andrea Kruse und Wilhelm Rohlfing von der Betreuungsstelle des Kreises und Betreuerin Sylvia Kahl. „Wilfried, sind das alles Flüchtlinge?" fragt Lilo Mutig, als sie am Arm ihres Sohnes die Bühne betritt. Und der kontert mit Humor: „Nein, Flüchtlinge sind das nicht. Nur Mitglieder des Sozialverbandes, die von zu Hause geflohen sind". Die Stimmung zwischen den Beiden ist angespannt. „Weil ich unserem lieben Herrgott sein Garnichts bin", mutmaßt der in die Jahre gekommene Filius. Und weil seine Schwester auch noch fernab der Heimat in München lebt, holt er sich Hilfe beim Hausarzt und Amtsgericht. Genau in diesem Moment kommt Andrea Schumann ins Spiel, die erklärt, was passiert, wenn jemand mit einem ärztlichen Attest bei ihr erscheint und um Unterstützung für einen dementen Angehörigen bittet. Zusammen mit Günter Krüger, dem Beauftragten für soziale Fragen im Verband und den anderen Experten dröselt sie den amtlichen Weg Stück für Stück auf. Andrea Schumann macht einen Hausbesuch bei Lilo Mutig. Und die wundert sich, dass die neue polnische Pflegekraft so gut Deutsch sprechen kann. Schumann macht sich ein Bild und empfiehlt Frau Mutig eine Berufsbetreuerin. Gemeinsam mit Sylvia Kahl baut sie Stück für Stück Schwellenängste ab bis alles unter Dach und Fach ist. Der Abend endet mit einem entschiedenen Plädoyer für die notwendigen Vollmachten, die von den Bereichen Bankgeschäfte über Gesundheit bis hin zu Behörden und Aufenthaltsbestimmung reichen.

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