Zusehen und Lernen: Im Kinder-OP-Saal des HDZ NRW verfolgen die rumänischen Gäste jeden Handgriff von Chefarzt Dr. Eugen Sandica. - © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Zusehen und Lernen: Im Kinder-OP-Saal des HDZ NRW verfolgen die rumänischen Gäste jeden Handgriff von Chefarzt Dr. Eugen Sandica. | © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen

Bad Oeynhausen Herzchirurg schult Kollegen

Uniklinik-Kooperation: Eugen Sandica initiierte einen intensiven Austausch des Herzzentrums mit Medizinern aus Cluj-Napoca und Iasi

Die kleine Natalia-Maria und ihre Mutter kamen aus Rumänien nach Bad Oeynhausen, um die komplizierte Operation von Dr. Sandica durchführen zu lassen. Die Kinderkardiologin Dr. Simona Oprita (r.) war dabei. - © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Die kleine Natalia-Maria und ihre Mutter kamen aus Rumänien nach Bad Oeynhausen, um die komplizierte Operation von Dr. Sandica durchführen zu lassen. Die Kinderkardiologin Dr. Simona Oprita (r.) war dabei. | © Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen

Bad Oeynhausen (nw). Siebenbürgen liegt im Zentrum Rumäniens, dem Heimatland von Eugen Sandica, dem Direktor des Kinderherzzentrums und Zentrums für angeborene Herzfehler am Herz- und Diabeteszentrum NRW. Seit einigen Jahren bereits pflegt der Herzchirurg wissenschaftliche Kontakte mit zwei bedeutenden Kinderkliniken in der siebenbürgischen Universitätsstadt Cluj-Napoca (Klausenburg) sowie der Universitätsstadt Iasi in Nordost-Rumänien. Bei besonders schwierigen chirurgischen Fragestellungen kommt es jedoch nicht selten vor, dass die rumänischen Kinderherzchirurgen den Rat von Sandica einholen.

„In Rumänien gibt es kein Spezialzentrum für die Chirurgie angeborener Herzfehler, das sich mit dem HDZ vergleichen ließe", erläutert der Herzspezialist den Erfahrungsaustausch. Gerne folgt Sandica daher auch den Einladungen in sein Heimatland, um sein Wissen auf Vorträgen an die rumänischen Kollegen weiterzugeben und spezielle Operationsverfahren vor Ort zu demonstrieren. Der regelmäßige Kontakt hat unter anderem zu einem Kooperationsvertrag mit der bekannten Universitätsklinik Iuliu Hatieganu (Cluj-Napoca) sowie mit der Universitätsklinik Grigore T. Popa (Iasi) geführt. Im Rahmen der Vereinbarungen haben bisher 67 rumänische Gastärzte und medizinische Fachkräfte im Herz- und Diabeteszentrum über einen Zeitraum von mehreren Monaten hospitiert.

Adrian Molnar aus Cluj und Mihai Enache aus Iasi zeigten sich beeindruckt von der Größe und Ausstattung des Bad Oeynhausener Spezialklinikums. Vor allem im Bereich der Behandlung der komplexen angeborenen Fehlbildungen des Herzens möchte man sich zukünftig am deutschen Vorbild orientieren. Sandica und sein Team operieren jährlich mehr als 500 Kinder und Jugendliche am Herzen, rund 130 davon sind Neugeborene. Etwa 350 der Eingriffe finden mit Einsatz der Herzlungenmaschine statt. Besonders großes Interesse fanden die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit künstlichen Herzunterstützungssystemen sowie die Herztransplantationen bei Kindern und Jugendlichen. Seit 1992 wurden in Bad Oeynhausen mehr als 150 Herztransplantationen bei Patienten vom Neugeborenen bis zum jungen Erwachsenen durchgeführt. Europaweit zählt die von Sandica geleitete Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler zu den Einrichtungen mit der niedrigsten Sterblichkeitsrate.

So durften auch einige rumänische Gastärzte dabei sein, – unter ihnen die Kinderkardiologin Simona Oprita aus Cluj, als Sandica vor wenigen Wochen in einer mehrstündigen Operation bei der zweijährigen Natalia-Maria einen komplizierten Eingriff erfolgreich durchführte. Mit dieser sogenannten Fontan-OP stellte der Herzchirurg das Überleben des rumänischen Mädchens sicher, das mit nur einer funktionsfähigen Herzkammer auf die Welt gekommen ist. Nach dem erfolgreichen Austauschprogramm gibt es weitere Anfragen der rumänischen Kollegen, dieses erfolgreiche Projekt weiterzuführen. „Auf den Erfahrungen möchte man dann aufbauen, um das Therapiespektrum der Herzzentren in Rumänien nach und nach zu erweitern, um zukünftig allen Kindern mit einem angeborenen Herzfehlern in ihrem Heimatland eine aussichtsreiche Versorgung anbieten zu können", berichtet Chefarzt Sandica, der seit Juli 2008 schon 551 kleine Patienten mit schweren angeborenen Herzfehlern aus Rumänien operiert hat. Bei weiteren 30 Patienten wurde im Kinderherzzentrum eine erfolgreiche Katheterbehandlung durchgeführt. Im Auftreten von angeborenen Herzfehlern unterscheiden sich die Länder auf der ganzen Welt nicht: Durchschnittlich jedes 100. Kind wird mit einer angeborenen Fehlbildung des Herzens geboren.

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