Haben sichtlich Spaß: Schauspieler Ben Becker und Pianist Yoyo Röhm gehen Hand in Hand von der Bühne. Nicht ohne vorher noch den ein oder anderen Rosentopf vom Bühnenrand zu kicken. Fotos: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Haben sichtlich Spaß: Schauspieler Ben Becker und Pianist Yoyo Röhm gehen Hand in Hand von der Bühne. Nicht ohne vorher noch den ein oder anderen Rosentopf vom Bühnenrand zu kicken. Fotos: Nicole Sielermann | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Rosen fürs Publikum

Musikalische Lesung: Schauspieler Ben Becker begeisterte beim Neujahrsempfang des Herz- und Diabeteszentrums die Gäste mit feiner Lyrik und derben Sprüchen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Er kann es einfach nicht lassen. Mit einem lausbübischen Grinsen verteilt Ben Becker am Ende noch Rosen im Publikum. Mit dem Fuß kickt er die Töpfe vom Bühnenrand. Und wird damit einmal mehr seinem Image gerecht. Zuvor allerdings begeisterte der Schauspieler mit einer brillanten musikalischen Lesung "Der ewige Brunnen". 500 geladene Gäste verfolgten beim Neujahrsempfang des Herz- und Diabeteszentrums, wie Becker Lyrik und Balladen aus 400 Jahren gekonnt in Szene setzte. Es war ein bisschen wie bei Beckers am Küchentisch. „Ich kann frech sein, ich kann Ich sein – das macht mir Spaß", bilanzierte Becker am Ende. Und das konnten die Gäste spüren. Denn er las nicht nur, nein er lebte die Gedichte. Schlüpfte in unterschiedliche Rollen, war mal laut, mal leise, haute auf den Tisch oder wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ob Uhlands „Der weiße Hirsch", Goethes „Erlkönig" oder Fontanes John Maynard – Ben Becker sorgte dafür, dass der Abend lebte. Wer bisher keinen Faible für deutsche Poesie hatte – spätestens jetzt wird er sie in einem anderen Licht sehen. Wenn nicht sogar lieben. Becker ist halt ein Meister seines Faches. Da verziehen ihm die Gäste auch so machen derben Scherz. Wie den über Schillers „Der Handschuh". „Das ist für uns heute der Gladiator mit Russel Crow. Ach nein, Sie sind ja schon etwas älter da unten. Also wie Kirk Douglas in Spartacus." Sagte es, grinste – und der Saal lag ihm zu Füßen. Vorher aber erinnerte die Geschäftsführerin des HDZ, Karin Oberlack, daran, dass 2015 ein Jahr war, das Deutschland wach gerüttelt hat. „Es war geprägt von Katastrophen", sagte sie. Sie sprach von der Dauerbaustelle Gesundheitsbereich, von ethischen und ökonomischen Ansprüchen, die aufeinander prallen und die bisher vergebliche Suche nach dem Stein der Weisen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Patienten ihr Herz in unsere Hände legen – emotional, tatsächlich und täglich." Deshalb müsse das System weiter verbessert werden. Nach wie vor ist das HDZ Europas größtes Transplantationszentrum. 75 Herzen haben Jan Gummert und sein Team im vergangenen Jahr verpflanzt, darunter sechs bei Kindern und Jugendlichen. Und parallel zum Empfang bekam ein kleiner Patient von Kinderherzchirurg Eugen Sandica und seinem Team ein Kunstherz eingepflanzt. „In der Hoffnung, dass das Warten auf ein neues Herz nicht zu lange dauert", appellierte Gummert für Organspende. Denn 2016 müsse das Vertrauen in die Transplantationsmedizin zurückgewonnen und die Zahl der Spenderorgane gesteigert werden. Ben Becker jedenfalls hatte die Herzen der Gäste an diesem Abend erobert. Vor allem die Frauen drängten sich zur Signierstunde vor seinem Büchertisch im Foyer des Theaters. Und auch Bad Oeynhausens stellvertretende Bürgermeisterin Helke Nolte-Ernsting war hin und weg: „Ach, das war so schön. Mein Herz puckert noch immer", sagte sie schwärmend. „Der Panther" von Rainer Maria Rilke war es, der die gestandene Frau beeindruckt hatte. Den hatte sie sich von Becker gewünscht. Ein Wunsch, den ihr der Schauspieler gerne erfüllte. Allerdings nicht eher, bis er sich einen kräftigen Schluck Rotwein gegönnt hatte. Soll ja bekanntlich gut fürs Herz sein.

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