Backhaus: Andreas Brante vor dem historischen Backhaus, das komplett aus aus alten Baumaterialien entsteht. - © Nicole Sielermann
Backhaus: Andreas Brante vor dem historischen Backhaus, das komplett aus aus alten Baumaterialien entsteht. | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Brantes Bäcker-Schätzchen

Großprojekt: Neben der neuen Backstube von Bäcker Brante entsteht ein historisches Backhaus mit echtem Holzofen. Mehr als 4.000 Steine werden von den Ofenbauern verarbeitet

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen-Lohe. Alles hat schon einmal irgendwo gestanden, war an anderer Stelle bereits vermauert. Für Andreas Brante kein Problem. Der Bäckermeister setzt auf Historie. Nicht umsonst lässt er derzeit neben seiner neuen Backstube ein altes Backhaus mit neuem Holzofen bauen. „Wir wollen das Backhandwerk erlebbar machen", sagt Brante. Im April will der Bäcker mit seinem Hauptsitz von der Schulstraße auf die Lohe ziehen. 2,5 Millionen Euro investiert er an der Ecke von Valdorfer und Detmolder Straße (die NW berichtete). Erleben. Das steht ganz oben auf Brantes Agenda. Dafür wird die neue Backstube rundherum verglast sein, gibt es ein Sichtfenster vom Café in den Betrieb und eben das Backhaus. „Wenn wir hier mit Schulklassen oder Kindergärten Kekse backen, wird das eine ganz besondere Atmosphäre haben", schwärmt Brante schon jetzt. Noch aber steht der neuen Holzofen im Rohbau. „Der Sockel ist fertig, darauf kommt jetzt der Beton", erklärt Claus Heuft. Der Inhaber des gleichnamigen Backofenbaubetriebes aus Bell in der Eifel reist für seine Bauten quer durch Deutschland und Europa. „Die alten Öfen oder auch die Backhäuser boomen wieder", sagt der Fachmann. Zusammen mit seinen Mitarbeiter Reinholt Müller kommt er aus der „Wiege des deutschen Backhandwerks", wie er sagt. „Bei uns gibt es den Tuff Naturstein – darauf wird hier später auch gebacken. Ideal." Seit Dienstag werden auf der Lohe 3.200 Ziegelsteine und 900 Spezial-Schamottsteine fürs Gewölbe vermauert. „Eine Woche muss der Beton aushärten, dann machen wir weiter", sagt Heuft. In drei Wochen kann Andreas Brante dann das erste Mal anheizen. „Aber nicht mehr als 20 Grad – zum Ausheizen des Wassers. Damit es später beim Anfeuern keine Risse gibt", erklärt Heuft. 45 Tonnen wiegt der fertige Ofen, bietet fünf Quadratmeter Backfläche und damit Platz für zirka 100 Ein-Kilo-Brote. „Flammkuchen, Roggenmischbrot, Weizenmischbrot, Stuten und Butterkuchen", zählt Brante die Backreihenfolge für seinen Holzofen auf. Aber auch Solebrot und Solebrötchen wird er einschieben. „Da können wir locker fünf Stunden backen", ist er überzeugt. Täglich will der Bäcker seinen Ofen anfeuern, dafür hat er direkt neben dem Backhaus eine Remise bauen lassen. „Als Holzlager – denn wir werden einiges brauchen", sagt er. Für seine Mitarbeiter in der Backstube werde das „eine logistische Herausforderung". Ohne Erprobungsphase werde es nicht gehen. „Da wird bestimmt erst mal einiges Schwarz", winkt Brante schmunzelnd ab. Vor allem sein Sohn Gernot (26) habe Spaß am alten Handwerk. Der hat vor wenigen Tagen seine Meisterprüfung bestanden und steht als vierte Generation bei Bäcker Brante in den Startlöchern. „Für ihn baue ich das hier", sagt Vater Andreas. Er sei schon stolz, dass die nächste Generation übernehme. Derzeit gibt es 70 Mitarbeiter, 15 davon stehen in der Backstube. 11.500 Quadratmeter misst das Grundstück auf der Lohe. Derzeit entsteht dort ein Backdrive, ein Ladengeschäft mit Café über zwei Etagen, die neue Backstube sowie das Backhaus. „Ostersamstag werden wir das letzte Mal in der alten Backstube backen und dann umziehen. 14 Tage später soll hier der Laden eröffnet werden." Damit hätte Brante vom Spatenstich bis zur Eröffnung nur sieben Monate gebraucht. Aber: „Es bleibt eine Handwerksbäckerei – nur optimiert", betont Brante.

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