Erwin Harbsmeier - © Patrick Menzel
Erwin Harbsmeier | © Patrick Menzel

Bad Oeynhausen Viel Arbeit, kein Geld für Freiwillige

Freiwillige Feuerwehr: Die Ehrenamtlichen warten seit einem Jahr auf ihre Aufwandsentschädigung. Doch offenbar gibt es bei der Verwaltung bisher noch gar keinen Antrag von Wehrführer Erwin Harbsmeier

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Stolz hatte Erwin Harbsmeier, Leiter der Bad Oeynhausener Feuerwehr, vor einem Jahr eine Aufwandsentschädigung für die Freiwillige Feuerwehr angekündigt. Rückwirkend zum 1. Januar 2015 sollte diese gezahlt werden. Doch bis Januar 2016 ist nicht ein Cent geflossen. Was zu Unmut in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehrleute führt. Und zu Erklärungsversuchen der Feuerwehrspitze. Der Städte im Kreis Herford machen es seit längerer Zeit vor: Bünde zahlt beispielsweise 10,50 Euro, Löhne 8,50 Euro und Vlotho 10,99 Euro pro Einsatzstunde an die Freiwilligen. In Bad Oeynhausen gibt es bisher: nichts. Keinen einzigen Euro. Trotz der Aussage im vergangenen Jahr. „Das liegt daran, dass erst noch eine neue Brandschutz- und Hilfeleistungssatzung verabschiedet werden muss, in der auch die Gebühren neu geordnet werden“, erklärt Erwin Harbsmeier auf Nachfrage der NW. Im nächsten Vierteljahr soll diese fertig sein. Und daran sei auch die Aufwandsentschädigung gekoppelt. Bei der Stadt Bad Oeynhausen ist man von dieser Darstellung überrascht. „Von einer solchen geplanten neuen Satzung ist uns nichts bekannt“, zitierte Stadt-Pressesprecher Volker Müller-Ulrich den 1. Beigeordneten Peter Brand. Sie müsse lediglich redaktionell angepasst werden, weil sich die Gesetzeslage geändert habe. Das wiederum sei aber völlig losgelöst von der Einführung einer Aufwandsentschädigung zu sehen. Bisher ist aber weder in der Verwaltung noch in der Politik überhaupt ein Antrag in Sachen Entschädigung eingegangen. Dagegen hat Erwin Harbsmeier von der Politik den Auftrag erhalten, ein Konzept zur Stärkung des Ehrenamtes zu erarbeiten. Peter Brand: „Der Wehrführer hat es nun in der Hand, über das Konzept konkrete Ziele für eine solche Entschädigung aufzuzeigen.“ Bisher seien solche Forderungen nach einer Entschädigung in der Verwaltung aber nicht angekommen. Ob es in Zukunft bei den einst angedachten zehn Euro bleibt, ist offenbar ebenso unklar. Erwin Harbsmeier: „Über die Höhe der Summe müssen wir noch einmal neu diskutieren.“ Sicher ist laut seiner Aussage aber: „Es wird eine Entschädigung geben. Die ist nicht vom Tisch – sonst gibt es Unmut in den Reihen der Feuerwehr.“ Der ist bereits jetzt deutlich spürbar: „Da wird alles großartig angekündigt und nichts passiert – verständlich, dass wir unzufrieden sind“, sagt ein Mitglied der Feuerwehr, das namentlich nicht genannt werden möchte. Bisher sei kein Geld geflossen, bestätigen mehrere Feuerwehrmänner auf Nachfrage der NW. Gezahlt werden soll die Entschädigung auch nur dann, wenn es sich um Einsätze handelt, bei denen die Kosten den Verursachern in Rechnung gestellt werden. Also zum Beispiel beim Abstreuen von Ölspuren, bei Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen oder bei Brandwachen. All jene Einsätze, für die die Stadt Bad Oeynhausen auch Gebühren kassiert. Die übrigens deutlich über zehn Euro pro Stunde liegen. „Da ist es mehr als Recht, wenn der Feuerwehrmann einen Teil des Geldes bekommt“, sagen die Freiwilligen. „Die Idee für die Aufwandsentschädigung wurde ja auch aus den Reihen der Mitglieder angestoßen“, erklärt ein weiterer Feuerwehrmann. Weil die Bad Oeynhausener gegenüber anderen Kommunen nicht den Kürzeren ziehen wollten. Wie hoch genau die jährlichen Summen pro Feuerwehrmann sind – das ist nur schwer abzuschätzen. „Das hängt von der Zahl der Einsätze ab und natürlich von der Schwere“, erklären die Freiwilligen. Sie schätzen, dass ihnen zwischen 100 und 200 Euro für das vergangene Jahr vorenthalten wurden. Keine Unsummen, aber immerhin vielleicht ein Anreiz, die eigene Freizeit zu opfern. „Die Förderung des Ehrenamtes hat für uns oberste Priorität“, betont Wehrführer Erwin Harbsmeier. „Und eine solche Entschädigung schafft durchaus einen Anreiz, sich ehrenamtlich zu engagieren.“ Wann auch immer sie kommen wird.

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