Ein Ständchen zum Jubiläum: Unter der Leitung von Heinz Böcke unterhielt der Männergesangverein „Einigkeit“ seine Gäste zum 100-jährigen Bestehens des Chor im Oktober 2010. ? - © Foto: Christian Fitte
Ein Ständchen zum Jubiläum: Unter der Leitung von Heinz Böcke unterhielt der Männergesangverein „Einigkeit“ seine Gäste zum 100-jährigen Bestehens des Chor im Oktober 2010. ? | © Foto: Christian Fitte

Bad Oeynhausen Gesangverein „Einigkeit“ ist Geschichte

105 Jahre nach der Vereinsgründung gibt der Traditionschor den Taktstock ab

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Das bundesweite Chorsterben macht auch vor dem Männergesangverein „Einigkeit" nicht Halt. Kurz nach seinem 100. Geburtstag ist der Sangesgemeinschaft die Puste ausgegangen. Sowohl der Tod des langjährigen Dirigenten Heinz Böcke im Juni, als auch der voranschreitende Mitgliederschwund setzten dem Männergesangverein derart zu, dass die verbliebenen 17 Sänger am Ende des vergangenen Jahres die Auflösung des traditionsreichen Vereins beantragten und den Taktstock abgaben. „Wir sind die Generation, die den Schlüssel umdreht", zieht der Vorsitzende Herbert Pommerenke einen Schlussstrich unter die Vereinsgeschichte, die vor 105 Jahren begann. „Besonders als Heinz Böcke 1954 an das Dirigentenpult trat, erlebte die „Einigkeit" einen echten Aufschwung", weiß Pommerenke, der selbst dem Männergesangverein mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Treue hielt. Mit dem Tod Böckes wurde die Situation für die Sänger immer schwieriger. „Der Verlust unseres Dirigenten war der letzte Schlag, den wir bekommen haben. Uns fehlten die finanziellen Mittel, um einen Nachfolger zu engagieren", weiß Herbert Pommerenke. Ein anderer Faktor, der zur Auflösung des Traditionsvereins geführt hat, ist das fortgeschrittene Alter der treuen Mitglieder. „Das lag im Durchschnitt bei knapp 80 Jahren", weiß Günter Ijewski, der Zweite Vorsitzende der „Einigkeit". Allein in den vergangenen Jahren waren neun Sänger entweder gestorben oder durch Krankheit nicht mehr in der Lage, den Chor zu unterstützen. Das sah zur Blütezeit der „Einigkeit ganz anders aus: „Damals verfügte der Chor über bis zu 40 Stimmen", sagt Herbert Pommerenke, der sich noch genau an die Höhepunkte der Vereinsgeschichte erinnern kann. Vor allem der rege Austausch mit dem Jugendchor aus Annaberg im Erzgebirge, der selbst dann noch zu gemeinschaftlichen Konzerten nach Bad Oeynhausen kam, als die Sänger schon lange keine Jugendlichen mehr waren, ist ein Beispiel dafür. Aber auch die Konzerte, zu denen die Mitglieder der „Einigkeit" nicht nur ins Erzgebirge, sondern auch nach Frankreich und nach Belgien reisten. Besonders gut in Erinnerung ist Herbert Pommerenke auch der gesellige Teil des Männerchores: „Das war eine tolle Gemeinschaft, in die wir auch immer unsere Partnerinnen mit einbezogen haben", sagt der Erste Vorsitzende mit etwas Wehmut in der Stimme. Dass die „Einigkeit" vor 105 Jahren als Arbeitergesangverein gegründet wurde, dessen Sänger sowohl im ehemaligen Hotel zur Post, im Rehmer Amt, im Südhotel und dann später im Rehmer Bürgerhaus probten, geht aus den Aufzeichnungen hervor, die Herbert Pommerenke jetzt zusammen mit dem Gründungsprotokoll, den Jahresberichten und den Protokollstücken an das Stadtarchiv übergibt. „Auch für den Fall, dass sich später einmal ein neuer Gesangverein gründen wird, der in unsere Fußstapfen treten möchte", sagt Pommerenke. Damit würde sich der Trend ins Gegenteil verwandeln. Denn ab den 90er Jahren blieb wie in vielen anderen deutschen Chören auch, in der „Einigkeit" der Nachwuchs aus. Einige der zurückgebliebenen aktiven Sänger werden ihre Stimme jetzt in anderen Chören klingen lassen. So wie der 81-jährige Herbert Pommerenke auch. „Ich werde mich nach einem anderen Verein umsehen", versichert der nun mehr ehemalige Vorsitzende.

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