Entspannt: NW-Volontär Franz Purucker genießt den Auftrieb im Solebad. In der Badewanne, die in den Kabinen des Badehauses II steht, prickelt das Salzwasser auf der Haut. - © Foto: Nicole Sielermann
Entspannt: NW-Volontär Franz Purucker genießt den Auftrieb im Solebad. In der Badewanne, die in den Kabinen des Badehauses II steht, prickelt das Salzwasser auf der Haut. | © Foto: Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Im Quellwasser schweben

Schwerpunktthema Heilquellen: NW-Volontär Franz Purucker ging im Badehaus II in Solewasser baden und beschreibt seine Eindrücke

Franz Purucker

Bad Oeynhausen. In der Sole der Urmeere baden, wie es schon seit anderthalb Jahrhunderten in Bad Oeynhausen gemacht wurde: Genau dies bietet das durch die Firma Reha Concept betriebene Badehaus II im Kurpark an. Ich wage das Experiment und vereinbare einen Termin zum Wannenbad. Das fast schon majestätisch verzierte Haus bietet innerlich wahrscheinlich noch immer den selben Glanz wie vor 100 Jahren. 1839 wurden hier die ersten Wannenbäder genommen. Von den früher 39 Badewannen sind heute aber nur noch zwei übrig. Theoretisch lassen sich Wannenbäder auch immer noch verschreiben, aber die wenigsten Ärzte wissen davon. „Die meisten, die bei uns ein Bad nehmen, sind Kurgäste und Selbstzahler", erklärt mir Niels Backe, Leiter des Hauses. Etwa 500 Bäder werden pro Jahr genommen. Seine heilende Wirkung hat das Bad trotzdem nicht verloren. Es fördert die Durchblutung, hilft gegen Schuppenflechte und löst Verspannungen. Sportler beispielsweise nehmen zur Regeneration regelmäßig solche Bäder. Es geht los: Zunächst wird das kalte Solewasser in die aus Edelmetall gefertigte Badewanne eingelassen, die den Charme der 80er Jahre hat. Ohne robustes Metall würde die Wanne dem sechsprozentigen Salzgehalt des Wassers nicht standhalten. Das Wasser schäumt – eine mulmige Vorstellung, dass dieses Wasser aus 187 Meter Tiefe aus der Kurdirektor-Dr. Schmid-Quelle und dem Oeynhausen-Sprudel stammt. Durch Dampf wird das Bad innerhalb von wenigen Minuten auf 37 Grad erhitzt und dadurch die Kohlensäure freigesetzt. Ein schwefliger Geruch liegt in der Luft. „Dieser stammt vom Wasser, ist aber unschädlich", erklärt Niels Backe und verdünnt mir mein Badewasser mit einer grünen Eukalyptusflüssigkeit. Langsam setze ich mich in die Badewanne, die etwas mehr Platz als die Wanne Zuhause bietet. Durch den hohen Kohlendioxidgehalt fühlt es sich im Wasser an, als würde man in einem Champagner-Bad liegen. Am ganzen Körper prickelt es. An sich das Bad aber vergleichbar mit der heimischen Badewanne – entspannend und wohltuend warm. Probiert man das Wasser, schmeckt man den deutlichen Salzgehalt heraus, der etwa drei mal so hoch wie in den Weltmeeren liegt. Meine Beine schweben regelrecht im Wasser, wenn ich sie nicht nach unten drücke. Die mit Grünpflanzen eingerichteten Räume laden tatsächlich zur Entspannung ein. Etwas stutzig machen mich die kleinen festen Bestandteile im Wasser. „Ein Naturprodukt direkt aus der Quelle", erklärt mir Niels Backe: Es handelt sich um Ablagerungen der Salzkristalle in den Rohren. Im Wasser selbst merkt man noch nicht, wie körperlich anstrengend das Bad eigentlich ist. Nach 20 Minuten signalisiert ein Wecker das Ende des Bades. Meine Haut ist komplett rot, als ich die Wanne verlasse. „Man sieht Ihnen die gute Durchblutung an", meint Niels Backe mit einem Lächeln. Die anschließende Ruhepause ist unbedingt notwendig. Geschafft als käme ich aus der Sauna, lege ich mich in den Ruheraum. Am liebsten würde ich jetzt duschen, davon aber rät der Physiotherapeut ab: „Das Salz sollte ruhig 24 Stunden auf der Haut bleiben und trocknen." Im Idealfall rundet man die Sache noch mit einer Massage ab. Etwas geschafft, aber doch entspannt, gehe ich zurück in die Redaktion. „Der natürliche Salzgehalt wirkt lösend, heilend und entspannend und ist deshalb gerade in der kalten Jahreszeit sehr wohltuend", erklärt Niels Backe. Vergleichbar ist die Wirkung mit der eines Saunabesuchs: Förderung für das Herz-Kreislaufsystem und Stärkung des Immunsystem. Fazit: Eine angenehme Art der Erholung mit gesundheitlichen Vorzügen, aber besser ganz in Ruhe – und vor allem nach der Arbeit.

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