Versteckt in der Front: Anja Koitka zeigt eine Front, in der ein RFID-Transponder Platz hat. - © Dirk Windmöller
Versteckt in der Front: Anja Koitka zeigt eine Front, in der ein RFID-Transponder Platz hat. | © Dirk Windmöller

Löhne Abaco fertigt Hightech für die Möbelindustrie

Die Firma aus Gohfeld sorgt dafür, dass beim Produktionsprozess nichts verloren geht

Dirk Windmöller

Löhne. Anja Kotika schiebt den Wagen mit den Fronten durch die Schleuse. Ein Warnsignal ist zu hören. Die in die Fronten integrierten RFID-Transponder zeigen, dass eine Front, die eigentlich zum Auftrag gehört, fehlt. Bei der Firma Abaco an der Koblenzer Straße werden die Kunden in einem Showroom der besonderen Art empfangen. Hier werden nicht auf Hochglanz polierte Endprodukte ausgestellt. Hier wird an praktischen Beispielen demonstriert, wo die Technologie die Arbeit der Kunden erleichtern kann. "Der wunde Punkt in der Produktion ist, den Gesamtüberblick zu behalten", sagt Abaco-Experte Andrej Ermlich. Und genau für diesen Überblick bietet das Löhner Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen an. RFID heißt das Zauberwort. "Mit Hilfe dieser Technik lassen sich die verschiedensten Teile, die im Produktionsprozess verarbeitet werden, verfolgen", sagt Geschäftsführer Horst Koitka, der das Unternehmen 1984 gründete und erklärt die Technik. "Auf dem sogenannten RFID-Transponder werden Informationen gespeichert, die an Schleusen oder mit Handgeräten ausgelesen werden können." Die Transponder können in unterschiedlichen Varianten mit dem Teil verbunden werden. Je nach Anforderung als Etikett, das auf dem Artikel klebt oder in einer Kunststoffummantelung, die in das Möbelteil geschoben wird. Die Information auf dem Transponder kann eine Zahlenkombination sein, die das Element einem Auftrag zuordnet. Dann lässt sich kontrollieren, wo jedes Teil sich befindet. "So geht nichts verloren", sagt Andrej Ermlich. Anja Koitka zeigt im Showroom wie es geht. "Wir gehen davon aus, dass die Fronten auf diesem Wagen frisch lackiert wurden." Sie schiebt den Wagen durch eine Schleuse. In Sekundenschnelle werden die RFID-Informationen ausgelesen und mit dem Aufrag verglichen. Auf dem Bildschirm leuchtet eine Zeile rot. "Eine Front fehlt. Mit einem Handgerät können wird die jetzt suchen", sagt sie. Andrej Ermlich geht ein paar Schritte durch den Raum und das akustische Signal wird immer lauter. "Das ist wie akustisches Topfschlagen", sagt er. Was bei Abaco im Kleinen demonstriert wird, kann in der praktischen Anwendung viele tausend Euro sparen. "Es geht darum, Lagerfehler so schnell wie möglich zu erkennen. Es ist sehr ärgerlich, wenn Unternehmen eine hohe Produktionsgeschwindigkeit haben, aber Zeit verlieren, weil sie ihre Lagerhaltung nicht optimiert haben", betont Ermlich. Horst Koitka zeichnet ein plastisches Bild: "Da wird dann der Düsenjäger schnell zur Postkutsche." Das sei besonders problematisch, wenn ein Fehler in der Zusammenstellung einer Küchenlieferung erst beim Kunden auffällt. "Da entstehen dann sehr schnell unnötige Kosten von mehreren hundert Euro." An dieser Stelle kann der Fehler vermieden werden, wenn alle Teile mit RFID-Transpondern versehen werden, und noch in der Versandabteilung durch die Kontrollschleuse geschoben werden. "Dann hat man noch genug Zeit, das Problem zu lösen", sagt Anja Koitka. Die meisten Kunden von Abaco kommen aus der Möbelindustrie in OWL. "Da steckt für die Unternehmen ein großes Potenzial drin", sagt Horst Koitka. Immer mehr würden die Möglichkeiten der Technologie erkennen. "Auch wenn es um das vieldiskutierte Thema Industrie 4.0 geht, bietet RFID eine wichtige Grundlage für die Vernetzung", sagt Koitka. Mit acht Mitarbeitern werden in Gohfeld individuelle Lösungen erarbeitet. Abaco ist das einzige Unternehmen in OWL mit diesem Angebot. "Wir konfigurieren je nach Anforderungen und erstellen die Software-Lösungen", sagt Ermlich. Oft beginne mit der Entscheidung eines Unternehmens für RFID ein längerer Prozess. Anja Koitka: "Da wird dann bei der Verladung begonnen und schnell gefragt, wie man die Technik in der Fertigung einsetzen kann."

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