Im Schloss Ovelgönne: Autorin Andrea Gerecke findet die Atmosphäre im großen Saal bezaubernd. Als Engel Ewald hier im Einsatz war, sah der Raum noch ganz anders aus, da waren hier Flüchtlinge aus Schlesien untergebracht. Foto: Thorsten Gödecker - © Thorsten Gödecker
Im Schloss Ovelgönne: Autorin Andrea Gerecke findet die Atmosphäre im großen Saal bezaubernd. Als Engel Ewald hier im Einsatz war, sah der Raum noch ganz anders aus, da waren hier Flüchtlinge aus Schlesien untergebracht. Foto: Thorsten Gödecker | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Engel Ewald auf Ovelgönne

Lesestoff: Andrea Gerecke hat „Weihnachtsgeschichten aus dem Weserbergland“ geschrieben. Eine davon spielt in Bad Oeynhausen

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Wenn Andrea Gerecke an Schloss Ovelgönne denkt, gerät sie ins Schwärmen: „Ein geschichtsträchtiger Ort mit einer bezaubernden Atmosphäre". Deshalb hat sie auch Ewald dort hin geschickt. Ewald ist ein kleiner Engel und die Hauptfigur ihrer Bad Oeynhausener Weihnachtsgeschichte, die die 58-Jährige jetzt zusammen mit 19 weiteren Erzählungen aus dem Weserbergland veröffentlicht hat. Vor 15 Jahren hat die gebürtige Berlinerin ihre Heimatstadt verlassen, im letzten Haus an der Dorfstraße in Hille-Unterlübbe ein neues Zuhause gefunden. „Ich habe mich in die Gegend verliebt", fasst sie die zurückliegenden Besuche bei Freunden im Mühlenkreis zusammen, nennt das zugleich als Grund für den Umzug ins Weserbergland. Erfüllt hat sich auch ihre Hoffnung, fernab der Ablenkungen der Großstadt, einen beruflichen Traum erfüllen zu können: „Ich wollte schon immer gern ein Buch mit eigenen Geschichten schreiben". 2004 veröffentlicht die Diplom-Journalistin mit den „Gute Nacht Geschichten für Erwachsene" ihr erstes Werk, mittlerweile sind mehr als zehn Bücher unter ihren Namen erschienen. „Die neue Heimat ist inspirierend", hat sie erkannt und verweist auf ihre fünf Minden-Krimis. Die waren es auch, die den Wartberg-Verlag auf die Autorin aufmerksam gemacht haben. Der Verlag hat bereits Bände mit Weihnachtsgeschichten aus Sachsen und anderen Regionen Deutschlands veröffentlicht, wollte sich nun auch dem Weserbergland widmen. „Drei Monate Zeit für 20 Kurzgeschichten auf 80 Seiten", fasst Andrea Gerecke eine Vorgabe aus dem Gespräch mit der Lektorin zusammen. Auch inhaltlich hatte die Auftraggeberin ganz konkrete Vorstellungen: Die Geschichten sollten an unterschiedlichen Orten im Weserbergland spielen, einen Zeitraum zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Jahrtausend-Wende umfassen, sowie Sitten und Bräuche der Gegend aufnehmen. Ohne zu zögern erteilt die Autorin die Zusage, macht sich schon wenig später an die Recherche. Immer wieder fährt sie dafür nach Bad Oeynhausen, denn „die Bibliothek des Märchenmuseums ist ein richtiger Schatz". Denn dort stehen nicht nur Märchenbücher aus aller Welt, in unzähligen Bänden findet sie auch Informationen zum „Westfälischen Abendmahl" oder zum Backen von Stutenkerlen – Bräuchen, die typisch für die Gegend sind und die daher auch in ihren Geschichten Niederschlag finden. Hintergrundwissen für die in Bad Oeynhausen beheimatete Geschichte muss sie sich hingegen nicht mehr besorgen. Für das Schloss Ovelgönne liegen schon seit langem jede Menge Fakten in der Schublade. Das erste Konzert, das sie vor Jahren im Schloss besuchte, hinterließ nicht nur wegen des Musikgenusses Spuren: „Ich habe mich in das Gebäude verliebt". Neugierig sei sie geworden, wollte mehr über die wechselvolle Geschichte des Hauses wissen und habe daher schon vor einiger Zeit begonnen, zu recherchieren. Durchaus Bezug zur Realität hat nicht nur die Kulisse, sondern auch die Hauptfigur. „Die trägt den Namen meines Onkels", verrät die Autorin, lässt aber offen, ob auch dessen äußeres Erscheinungsbild zu erkennen ist. Engel Ewald hat stockdünne Ärmchen, krumme Beine und eine krächzende Stimme. Aber nur auf das schöne Äußere kommt es ja gar nicht immer an. Ewald hat ein gutes Herz und deshalb beschließt er Anna zu helfen. Die ist zwar schön, aber in Lumpen gekleidet. Auf einem Treck aus Schlesien ist sie mit ihrer Familie vertrieben worden – ins Wasserschloss Ovelgönne eben. Hier sorgt Engel Ewald nicht nur für Brot und Schinken fürs Festtagsmahl. Er verschafft der schönen Anna auch einen Tischherrn. . . 50 Jahre später halten beide noch immer Händchen – natürlich auch im Wasserschloss Ovelgönne. Dort hören sie klassische Musik in einer bezaubernden Atmosphäre – genau wie Andrea Gerecke im richtigen Leben.

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