Begeistert von der Morgenröte: Angela Kaiser und Carsten Voigt, Verwaltungsleiter in der Klinik am Rosengarten, sind dem Himmel im Entspannungsraum der Klinik ein gutes Stück näher gekommen. - © FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
Begeistert von der Morgenröte: Angela Kaiser und Carsten Voigt, Verwaltungsleiter in der Klinik am Rosengarten, sind dem Himmel im Entspannungsraum der Klinik ein gutes Stück näher gekommen. | © FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER

Bad Oeynhausen Wie der Himmel auf Erden

Angela Kaiser malt im Seniorenzentrum Bethel und in der Klinik am Rosengarten

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Vor dem Speisesaal im Seniorenzentrum Bethel zieht inmitten der Morgenröte ein leichtes Gewitter auf. Und das, obwohl keine zwei Kilometer weiter in der Klinik am Rosengarten der Himmel noch tiefblau ist. Ändern werden die Tages- und Jahreszeiten daran nichts. Denn das, was Angela Kaiser dort mit Naturfarben und Pinseln unter die beiden Decken gemalt hat, bleibt unbeeindruckt von jeder Wetterlage. Am Heiligen Abend hatte die Neue Westfälische über die ungewöhnliche Handwerkskunst von Angela Kaiser berichtet. Und die erklärte sich daraufhin spontan bereit, Kliniken in ihrer Heimatstadt einen eigenen Himmel zu schenken. Vergangene Woche löste sie ihr Versprechen ein und gestaltete sowohl im Seniorenzentrum Bethel als auch in der Klinik am Rosengarten vor den Augen von Bewohnern, Patienten und Mitarbeitern zwei makellose Deckengemälde. Erna Schubert blickt zum Himmel und staunt. "Richtig schön, diese Wolken. Das sieht ja aus wie der Himmel auf Erden ", schwärmt die 93-jährige Bewohnerin im Seniorenzentrum Bethel. Und trotzdem mischt sich beim Blick auf die Künstlerin ein klein wenig Sorge in ihre Schwärmerei über den himmlischen Anblick. "Passen sie bloß auf, dass sie da nicht herunterfallen, mahnt Erna Schubert und beobachtet Angela Kaiser, die auf einer zwei Meter hohen Leiter mit einem Pinsel feine weiße Schlieren in das blaue Firmament zieht, mit Argusaugen. Und obwohl es noch früher Nachmittag ist, zieht sich der Himmel über dem Seniorenzentrum Bethel langsam zu. Der ungewöhnliche Besuch einer waschechten Himmelsmalerin entwickelt sich zu einem ausgesprochenen Publikumsmagneten. Auch, weil einige Bewohner aus einer Generation stammen, in der Deckenmalerei noch viel üblicher war als heute. Begeistert über das dekorative Bild sind aber nicht nur die Bewohner, sondern auch die Mitarbeiter, die zu den Zaungästen gehören. "Dieser Himmel regt so richtig zum Träumen und Fantasieren an", staunt Tanja Moysig-Gieselmann und fixiert die Schäfchenwolken, die aussehen, als seinen sie einem Bilderbuch entsprungen. Die im Seniorenzentrum Bethel für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiterin spricht ihren Kollegen mit diesem Lob aus der Seele. Genauso ergeht es der Himmelsmalerin, als sie ihr Handwerkszeug im neu gestalteten Entspannungsraum der Klinik am Rosengarten auspackt und sich ans Werk macht. "An die 20 Patienten und Mitarbeiter blieben stehen und sparten nicht mit begeisterten Kommentaren", erzählt die 40-Jährige. Einer von ihnen ist der Chef persönlich. "Das ist das ideale Bild für diesen Raum", lobt Verwaltungsleiter Carsten Voigt das Ergebnis. Am Morgen des Heiligen Abends war Voigt über den Artikel in der Neuen Westfälischen auf das ungewöhnliche Handwerk von Angela Kaiser aufmerksam geworden. Und auf das Angebot der diplomierten Produktdesignerin, einer Klinik einen Himmel zu schenken. Angefeuert von einem Psychologen der Klinik griff der Verwaltungsleiter noch am Heiligen Abend zu und holte sich den ganz persönlichen Himmel ins Haus. Vor allem die klaren Blautöne haben es Voigt angetan. "Mehr als die zarte Abendrotstimmung, die sich die Psychologen für den neuen Entspannungsraum gewünscht haben", räumt der Chef ein. Und macht es sich in einem der Sessel bequem um den Blick in den Himmel schweifen zu lassen.

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