Bad Oeynhausen Riesiger Vorrat an Kinderpornografie

Angeklagter muss 4.500 Euro Geldstrafe zahlen

Bad Oeynhausen (nh). Mit knapp 10.000 Bild- und Videodateien hat sich ein 40-jähriger Mann aus Bad Oeynhausen bevorratet. Weil darauf aber keine Spielfilme oder Konfirmationsfotos, sondern Kinder- und Jugendpornografie zu sehen ist, musste sich der Fräser gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Da der kinderlose Mann nicht vorbestraft ist, fiel seine Strafe verhältnismäßig glimpflich aus.

Rund anderthalb Jahre lang hat der Angeklagte ab Anfang 2012 Abend für Abend und an den Wochenenden aus dem Internet heruntergeladen, was das Zeug hält. Und seine verbotene Beute auf einer externen Festplatte gesichert. Bis die Polizei auf ihn aufmerksam wurde und bei einer Hausdurchsuchung seinen Computer und die Festplatte mitnahm.

"Ich weiß selbst gar nicht genau, was ich da alles drauf hatte. An manchen Tagen habe ich bis zu 1.000 Dateien heruntergeladen, und manchmal müssen darunter auch kinderpornografische Sachen gewesen sein", versuchte der 40-Jährige einen kläglichen Rückzug. Trotzdem blieb der Fräser vollauf geständig. Und entschuldigte sich für sein Verhalten: "Ich habe riesen Mist gebaut".

Auf einem Video habe ein Vater mit seinem nackten Kind im Garten gespielt. Das hätte erst ganz harmlos ausgesehen. Dann sei er neugierig geworden, räumte der Angeklagte ein. Und ersparte dem Gericht die Details dessen, was er im weiteren Verlauf gesehen hat. Auch wenn er neugierig gewesen sei, habe er sich niemals einem Kind genähert, versicherte er. Und setzte nach: "Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn ich eines der Kinder gekannt hätte".

Ob er sich nie überlegt habe, was er gegen seine Neigungen tun könnte, wollte Amtsrichterin Thormann wissen und überreichte dem Angeklagten eine Liste mit therapeutischen Hilfsangeboten. Deutlichere Worte fand die Staatsanwältin: "Hinter jedem dieser Bilder steckt ein grausames Einzelschicksal. Kein Kind tut so etwas freiwillig".

Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, das war gestern die Frage. Weil der Angeklagte nicht vorbestraft ist, einigte sich das Gericht auf eine Geldstrafe. Die setzte die Staatsanwältin mit 10.000 Euro an, gemessen an dem monatlichen Nettoeinkommen des 40-Jährigen von 1.500 Euro.

Amtsrichterin Thormann blieb deutlich unter dem geforderten Strafmaß und verurteilte den Handwerker zu einer Geldstrafe in Höhe von 4.500 Euro.

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