Bad Oeynhausen Tanz auf den Tasten

Joja Wendt gibt sein drittes Konzert in der Auferstehungskirche

VON KATHARINA MENGEL
Joja Wendt begeistert sein Publikum nicht nur am Flügel – auch mit Wortwitz und Akrobatik kann er in der Auferstehungskirche überzeugen. - © FOTO: KATHARINA MENGEL
Joja Wendt begeistert sein Publikum nicht nur am Flügel – auch mit Wortwitz und Akrobatik kann er in der Auferstehungskirche überzeugen. | © FOTO: KATHARINA MENGEL

Bad Oeynhausen. "JW" – die Initialen des weltberühmten Musikers stehen in verschnörkelter, goldener Schrift auf dem großen schwarzen Flügel. Hunderte von Menschen strömen in die Auferstehungskirche. Orange und blaue Lichtstrahler stimmen die zahlreichen Musikinteressierten in eine wohlige Atmosphäre. Joja Wendt trat am Freitag zum dritten Mal in Bad Oeynhausen auf.

Hartmut Birkelbach, Veranstalter der Reihe "beflügelt" aus dem KuK-Programm, was für Kirche und Kultur steht, kennt den Pianisten schon seit über 15 Jahren privat. "Damals sind wir uns durch die Sängerin Inga Rumpf begegnet. Joja und ich haben uns von Anfang an verstanden und sind bis heute gute Freunde", berichtet Birkelbach.

Nachdem Wendt 2008 und 2010 seine Stücke bereits in der Kurstadt präsentierte, stellte er am Freitag sein Programm "Mit 88 Tasten um die Welt" vor – allerdings mit neu eingebauten Stücken. Dank einer Leinwand mit Kamera neben dem Flügel, konnte man live und in Großformat verfolgen, welche akrobatischen Verrenkungen Wendts Hände beim Klavierspiel machten.

Sein Konzert war nicht eines der gewöhnlichen Art – Wendts Publikum wurde voll mit einbezogen. "Das ist das, was ich so interessant an ihm finde", erklärt Zuschauerin Ursula Riedeger: "Zum einen die Kombination von Kirche und Kultur, zum anderen das Programm von Joja Wendt – schließlich ist er Pianist und Entertainer". Die Vlothoerin kennt den Musiker aus dem Fernsehen.

Ein Höhepunkt des Abends war beispielsweise ein Stück, bei dem jeder mitmachen konnte. "Jetzt wollen wir mal eine herrlich depressive Regenstimmung darstellen", versuchte Wendt sein Publikum anzuregen. Durch gemeinsames Schnipsen, Klatschen und Stampfen wurde ein eindrückliches Hörerlebnis geschaffen. Geübt setzte der Entertainer mit seinem Flügel ein und entführt das Publikum in den Regenwald Singapurs.

Zu allen seiner Stücke wurde eine kleine Anekdote erzählt – jede spielte in einer anderen Stadt, schließlich handelt das Programm von einer Weltreise. Wendt nimmt seine Zuhörer mit auf die Reise nach Venedig, Gordion, New York, New Orleans und sogar in die Unterwasserwelt.

Auch auf eine Reise mit dem T2-Bulli nahm Wendt seine Zuhörer mit. Als er in der Komposition die Strapazen des Weges beschrieb, schwankte sein Flügel dank einer Spezialanfertigung nach oben und unten. Als der Kleinbus in der Geschichte dann auch noch überhitzt war, trat der Pianist auf ein Pedal und füllte den Raum mit Dampf.

Den jüngsten Fans und Nacheiferern gibt der Erfahrene einen Rat: "Nur wer sein ganzes Leben auf die Musik ausrichtet, schafft es bis an die Spitze", er selbst habe seit seiner Kindheit nur noch die eine Leidenschaft – Klavier zu spielen. "Dieser Eifer ist vielleicht heutzutage mit der Begeisterung Jugendlicher für Computerspiele zu vergleichen. Man muss in der Musik versinken", weiß der 49-Jährige.

Dank der Sparkasse Bad Oeynhausen, die das Konzert finanziell unterstützt hat und Dank der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, konnte das ganze überhaupt stattfinden.

Die achtjährige Stella Zobel strahlt, als sie von ihrem Idol ein Autogramm erhält. "Später möchte ich auch mal so berühmt sein", sagt die junge Klavierspielerin.

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